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Gemeinsam lernen in Wildberg

Jahrgangsübergreifender Unterricht Gemeinsam lernen in Wildberg

Die Wildberger Grundschule hat zu wenig Schüler. Keine der sechs Klassen erreicht mehr die erforderte Mindestzahl von 16 Schülern. Das Schulamt fordert deshalb, dass alle Klassen nach den Sommerferien jahrgangsübergreifend unterrichtet werden. Doch Lehrer und Eltern sind skeptisch.

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Quelle: Peter Geisler

Wildberg. An der Wildberger Grundschule soll künftig nur noch jahrgangsübergreifend unterrichtet werden. Erst- und Zweitklässler besuchen schon seit diesem Schuljahr eine gemeinsame Klasse. Nach den Sommerferien sollen auch die Jahrgangsstufen drei und vier sowie fünf und sechs übergreifenden Unterricht bekommen. Schulrätin Heidemarie Werner hatte diesen Vorschlag schon im Januar gemacht – als Reaktion auf zurückgehende Schülerzahlen. Einige Lehrer und Eltern sind jedoch skeptisch.

Lehrer Eckhard Lück etwa fühlt sich von der Ankündigung des Schulamtes überfahren. „Das wurde uns so 15 Minuten vor Unterrichtsbeginn mitgeteilt“, sagt er. Seit 37 Jahren unterrichtet der Pädagoge in Wildberg. Wie er künftig Schülern mit ganz unterschiedlichen Leistungsniveaus Wissen vermitteln soll, ist ihm noch völlig unklar. Einen entsprechenden Fragenkatalog zu Fortbildungen oder Raumkonzept habe das Schulamt nicht beantwortet. „Wenn uns so etwas auferlegt wird, erwarte ich auch ein wenig Hilfe“, sagt er verärgert.

Schulrätin verteidigt neue Unterrichtsform

Schulrätin Werner verteidigt die neue Unterrichtsform. „Das ist doch eigentlich eine richtig gute Chance für die Schule“, sagt sie. Nach ihren Informationen erreicht derzeit keine der Klassenstufen die geforderte Mindestzahl von 16 und künftig 20 Schülern. „Die gute Nachricht ist doch, dass wir den Schulstandort erhalten wollen.“

Auch an der Grundschule im westhavelländischen Großwudicke hatte man vor mit jahrgangsübergreifendem Unterricht auf zurückgehende Schülerzahlen reagiert – erfolgreich, wie Werner findet. Durch die neue Form eines projektorientierten Unterrichts habe die Schule wieder mehr Zulauf. „Wenn die Eltern dahinter stehen, erreicht man bessere Ergebnisse.“

Lehrer bekommen künftig mehr Stunden

Natürlich weiß auch Werner, dass sich die Wildberger Pädagogen künftig ganz anders auf den Unterricht vorbereiten müssen. Doch sie sieht auch Vorteile durch zusätzliche Stunden, die der Schule neben dem jahrgangsübergreifenden Unterricht zugewiesen werden: „Eigentlich hat die Schule künftig mehr Möglichkeiten zu differenzieren als vorher.“

Die Termnitz-Amtsdirektorin Susanne Dorn möchte den Schulstandort Wildberg unbedingt erhalten. Würde die Schule wegen zurückgehender Schülerzahlen geschlossen, müssten Wildberger Kinder in Walsleben zur Schule gehen. „Das wollen wir auf keinen Fall“, sagt Dorn. Sie will den Kindern lange Schulwege ersparen.

Ihrer Einschätzung nach waren die Wildberger Erfahrungen mit jahrgangsübergreifendem Unterricht in den Klassen eins und zwei „durchweg positiv“. In den vergangenen Sommerferien habe man „die halbe Schule umgeräumt“, damit die erste und die zweite Klasse nebeneinander liegende Räume haben und bei Bedarf auch mal getrennt unterrichtet werden können. Das ist, so Dorn, auch bei den anderen Klassen möglich. „Die Schule muss nur sagen, was sie will“, sagt Dorn. „Wir sind gerne bereit zu helfen.“

Elternsprecherin sieht in neuer Schulform eine Chance

Auch Elternsprecherin Anja im Brahm sieht in der neuen Unterrichtsform „eine Chance, als Schule bestehen zu bleiben“. Allerdings fragt sich im Brahm, ob es bis zu den Sommerferien möglich ist, ein ausgereiftes Unterrichtskonzept auf die Beine zu stellen. Bei der Schulkonferenz am Donnerstag Abend wollen Eltern und Lehrer beraten, wie ein gemeinsamer Unterricht zu schaffen ist.

Schulleiter Thomas Kopf wird die schwierige Rolle haben, für ein Unterrichtsmodell zu werben, bei dem er selbst noch einige offene Fragen hat. Zwar hat er inzwischen einige Modellschulen gesehen, die durch jahrgangsübergreifenden Unterricht fehlende Lehrer „sehr gut kompensieren“ konnten. Davon kann auch die Wildberger Grundschule, an der zuletzt immer wieder auf Seiteneinsteiger oder engagierte Eltern zurückgegriffen werden musste, profitieren. Doch er kennt auch die Bedenken aus dem Lehrerkollegium. „Einige tragen sich mit Wechselgedanken.“

Schulkonferenz tagt am Donnerstag dazu

Kopf hat inzwischen mehrere Studien zum neuen Unterrichtsmodell gelesen. Gemeinsam lernen, so ist er sicher, kann „einen positiven sozialen Effekt haben“. Bei der Schulkonferenz am Donnerstag Abend könnte er das als Argument anführen. Seiner Einschätzung nach gehen viele Eltern davon aus, dass „es keine Alternative“ zu der neuen Unterrichtsform gibt. Er selbst ist sich da nicht ganz so sicher. Ab dem kommenden Kalenderjahr werden die Schülerzahlen wieder steigen, sagt er. In den Kitas gebe es viele Kinder, die künftig in Wildberg in die Schule gehen können. Fraglich sei, ob man auch noch in den kommenden Jahren auf jahrgangsübergreifenden Unterricht angewiesen sei.

Von Frauke Herweg

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