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Gemeinsame Traditionspflege

Alt Daber Gemeinsame Traditionspflege

Freunde der Niederdeutschen Sprache aus Kyritz und Wittstock trafen sich in Alt Daber, um platt zu „snacken“ und auf Niederdeutsch zu singen.

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Das musikalische Treffen der Freunde der Niederdeutschen Sprache aus Kyritz und Wittstock.

Quelle: Björn Wagener

Alt Daber. „Dat du min leevsten büst“ klingt es vorm Daberturm aus rund 20 Mündern. Am Daberturm-Ensemble in Alt Daber kam es am Mittwochnachmittag zu einem kleinen plattdeutschen Gipfeltreffen. Zwölf Plattsnacker, Mitstreiter des Kyritzer Freundeskreises der Plattdüütschen, trafen sich dort mit neun Mitgliedern des Wittstocker Vereins für Niederdeutsch, um gemeinsam zu „snacken“ und zu singen.

„Die Musik stärkt die Verbindung untereinander“, sagt Fritz Neye, der ehemalige Leiter des Kyritzer Freundeskreises, der Platt einst von seinem Großvater gelernt habe. Außerdem würden damit Tradition und Brauchtum gepflegt. Denn Volkslieder erklängen sonst viel zu selten. Auch wenn Plattdeutsch heute im Alltag kaum noch eine Rolle spielt, so ist sich der Kyritzer dennoch sicher: „Die Sprache wird als Tradition bestehen bleiben.“

Das zu erreichen, eint die Freunde des Plattdeutschen aus Kyritz und Wittstock, die sich ab und zu gegenseitig besuchen, um das gemeinsame Anliegen zu fördern und dabei auch die unterhaltsame und gesellige Zeit zu genießen. Dem Kyritzer Freundeskreis, der inzwischen von Gabriele Ellfeldt geleitet wird, gehören knapp 30 Plattsnacker an. Sie treffen sich einmal monatlich im Mehrgenerationenhaus in der Perleberger Straße und unternehmen dann mitunter auch Ausflüge.

So wie am Mittwochnachmittag, als es nach Alt Daber ging. Die Gäste aus Kyritz ließen sich dort zunächst von Kräuterfrau Barbara Sommerfeld übers Gelände führen. Sie ging auf die heilenden Wirkungen verschiedener Kräuter ein, die im dortigen Garten wachsen – etwa Frauenmantel oder Weberkarde. Die Gäste konnten auch einen Blick in den großen Backofen werfen, der sich im Backhaus auf dem Daberturm-Ensemble befindet und erfuhren von Barbara Sommerfeld, dass der Daberturm einst „Wächter der Heide“ genannt wurde. Denn früher wurde an der Grenze zu Mecklenburg viel geschmuggelt – zum Beispiel Salz, Tabak, Alkohol oder Gewürze. „Es ist schon wunderbar, was hier entstanden ist“, sagt Fritz Neye, der den äußerst desolaten Ausgangszustand des Ensembles vor dessen Sanierung noch kennt. Für viele andere Teilnehmer war das touristische Highlight nahe Wittstock jedoch offenbar Neuland, wie eine Frage in die Runde ergab.

„Plattdeutsch ist keine Schriftsprache. Sie wird in jedem Ort ein bisschen anders gesprochen, und jeder behauptet, das richtige Platt zu sprechen“, sagt Annemarie Ostermeier. Die Senioren genossen den Nachmittag im Daberturm bei netten Gesprächen und Liedern auf Platt. Nur Senioren? Nicht ganz. Die Freunde des Niederdeutschen aus Wittstock bekommen auch regelmäßig Besuch von Arno Gielsdorf aus Eberswalde. „Bei uns ist das Plattdeutsche ganz verschwunden. Hier wird es noch gepflegt“, sagt er. Dafür nehme er den Weg nach Wittstock gern in Kauf. „Viele lokale Bezeichnungen von Orten, Flüssen oder Namen gehen auf das Plattdeutsche zurück. Weil das aber kaum noch jemand weiß, geht das Wissen um diese ursprünglichen Bedeutungen immer mehr verloren.“ Er hat es sich zum Hobby gemacht, gegen diesen Strom zu schwimmen und sich dem Niederdeutschen zu widmen. „Und außerdem sind das hier alles nette Leute. Es macht Spaß.“

Von Björn Wagener

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