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Gemischte Gefühle gegenüber Flüchtlingen

Unterbringung von Asylbewerbern beschäftigte Kyritzer Sozialausschuss Gemischte Gefühle gegenüber Flüchtlingen

Auch in Kyritz sollen wieder mehr Flüchtlinge unterkommen. Bei der Sitzung des Bildungs- und Sozialausschusses am Dienstag warb Sabine Schmidt, zuständige Amtsleiterin bei der Kreisverwaltung, um Wohnraum zur Unterbringung. Die meisten Ausschussmitglieder begrüßen die Aufnahme der Flüchtlinge, haben aber auch Bedenken.

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30 bis 40 Flüchtlinge könnten in Kyritz untergebracht werden.

Quelle: David Ebener

Kyritz. "Wir sind im Moment im ganzen Landkreis unterwegs", sagte sie und machte deutlich, dass die Zeit drängt. Aktuell seien im Landkreis 316 Asylbewerber untergebracht. "Das Übergangswohnheim in Treskow ist voll." Bis zum Jahresende rechne man mit weiteren 150 Neuankömmlingen. Auf jeden Fall wolle man die Rückkehr zu Asylbewerberheimen vermeiden. Nach einer Übergangszeit im Heim sollen die Flüchtlinge daher möglichst ganz normal in Wohnungen untergebracht werden. Um eben diese Wohnungen warb die Amtsleiterin nun in Kyritz.

Wie schon in Neustadt orientiert Sabine Schmidt auch für Kyritz auf die Unterbringung von 30 bis 40 Menschen in mehreren, über ein überschaubares Gebiet verteilten Wohnungen. Erst mit einem solchen "Wohnverbund" lasse sich die Einrichtung von ständiger sozialer Betreuung, von Gemeinschaftsräumen und ähnlichem bewerkstelligen.

Die Kyritzer Wohnungsbaugesellschaft arbeitet auf diesem Gebiet bereits mit dem Landkreis zusammen. "Wir haben schon Wohnraum zur Verfügung gestellt", berichtete Geschäftsführerin Gabriele Schuster. "Eine Familie wohnt bereits bei uns. Da gibt es keine Probleme. Wir haben da Wohnungen ausgesucht, bei denen wir wissen, dass das soziale Umfeld gut funktioniert."

Zugleich äußerte Gabriele Schuster ihre Besorgnis, mit der Unterbringung weiterer Flüchtlinge überfordert zu werden. "Wir können die Betreuung von Flüchtlingen nicht gewährleisten." Eventuelle Konflikte würden in jedem Fall zu Lasten der Wohnungsbaugesellschaft gehen. Schließlich sei sie allen Mietern gegenüber verantwortlich. Gabriele Schuster forderte eine enge Zusammenarbeit und kompetente Unterstützung. "Nur, wenn wir uns ordentlich abstimmen, kriegen wir das hin."

In der Ausschusssitzung kam dabei die Frage auf, ob es klug sei, die Flüchtlinge ausgerechnet in Kyritz West unterzubringen, da das Gebiet ja als sozialer Brennpunkt gelte. Den Ausschussmitgliedern bereitete das sichtlich Sorge. Eine Alternative sahen sie angesichts des Angebotes an bezahlbarem Wohnraum aber nicht.

Auf deutliche Skepsis stieß der von Seiten der Kreisverwaltung im Zusammenhang mit der Unterbringung ins Gespräch gebrachte Begriff "Wachschutz". Zum einen klinge das nach Ghettoisierung, zum anderen sei der Nutzen im Ernstfall eher zweifelhaft, hieß es im Ausschuss. Amtsleiterin Sabine Schmidt wollte den "Wachschutz" hingegen eher als Unterstützung für die professionellen Sozialarbeiter verstanden wissen. Deren Anzahl und Einsatzbereich seien nun einmal nicht zuletzt aus finanziellen Gründen begrenzt. Einen besseren Begriff habe man einfach noch nicht gefunden.

Ausführlich diskutiert wurden am Dienstag die Möglichkeiten zur Betreuung von Kindern in der Stadt - von der Kita bis zum Schulunterricht. "Es ist ganz, ganz wichtig, dass die Kinder sprachlich schnell integriert werden", betonte beispielsweise die Schulleiterin der Diercke-Schule, Christine Kruschel. Harald Schmidt berichtete aus Sicht des Schulamtes über bestehende spezielle Förderangebote. Ob das in der Praxis ausreicht, darüber herrschte allerdings Uneinigkeit.

Prinzipiell stand für den Ausschuss die Bereitschaft zur Aufnahme von Flüchtlingen außer Frage. Das hatte die Stadtverordnetenversammlung bereits im vergangenen Dezember ausdrücklich erklärt - wenn auch speziell in Bezug auf syrische Flüchtlinge. Sabine Schmidt stellte klar, dass es aktuell keineswegs nur um Menschen aus diesem Land und auch nicht ausschließlich um Familien geht.

Sitzungsleiter Georg Saditt (CDU) zog trotzdem folgendes Fazit: "Wir sind natürlich bereit, diese Menschen aufzunehmen. Aber die Rahmenbedingungen müssen geklärt werden."

Von Alexander Beckmann

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