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Genießen auf dem Land

Walsleben/Rohrlack Genießen auf dem Land

Am Dienstag begab sich der Landrat des Kreises Ostprignitz-Ruppin auf Genießertour nach Rohrlack und Walsleben. Er besuchte den Alpakahof und die Bäckerei Vollkern. Die Genießertour können Besucher der Region buchen, um Produzenten und die Landschaft der Region kennen zu lernen. Die Route kann selbst gewählt werden, ein Kleinbus übernimmt den Transport.

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Eine kurze Pause hat man sich als Landrat verdient. Ralf Reinhardt genießt auf dem Sunna-Alpakahof in Walsleben, das mit weicher Alpakawolle gefüllte Bett.

Quelle: Cornelia Felsch

Neuruppin. Es sieht einladend aus, das Bett auf der Wiese im Garten der Papenbrocks. Die lustige rotkarierte Bettwäsche ist nicht nur hübsch anzusehen, sie hat es auch in sich. Weich und kuschlig sind Kopfkissen und Bett, angefüllt mit hochwertiger Alpakawolle. Solch ein Schlafgefühl möchte auch Ralf Reinhardt genießen. Allerdings kann er nur kurz dort verweilen, denn die Walslebener Alpakafarm ist nur eine der Genießertour-Stationen, die der Landrat am Dienstagvormittag zu absolvieren hat. Die Personalverkehrsgesellschaft und die Regionalentwicklungsgesellschaft des Landkreises Ostprignitz-Ruppin luden an diesem Vormittag zu einer exklusiven Fahrt durch die Region ein, um ihr Genießertour-Projekt vorzustellen.

Mit ihrem Konzept wollen sie auf Angebote und Unternehmen der Region aufmerksam machen. „Menschen, die in unserer Region zu Gast oder zu Hause sind, sollen so erfahren, wo sie regionale Produkte erhalten und wer sie herstellt“, sagt die Referentin für Wirtschaftsförderung Simone Zeil, Vorsitzende der Regio-Initiative. Neu ist diese Idee nicht. Sie wurde von Radio -Moderator Dietmar Ringel ins Leben gerufen, um kulinarische Genüsse mit dem Naturerlebnis zu verbinden. Die Verkehrsgesellschaft übernimmt den Transport. Sachkundige Reisebegleiterinnen sind für die Infos zuständig. Die Route können sich die Teilnehmer selbst zusammenstellen.

Ulrike Rott (l) und Simone Zeil begleiteten den Landrat auf seiner Genießertour

Ulrike Rott (l.) und Simone Zeil begleiteten den Landrat auf seiner Genießertour. Gemeinsam testen sie die weiche Alpakawolle.

Quelle: Cornelia Felsch

„Seniorengruppen und Geburtstagsausflügler nutzten dieses Angebot in der Vergangenheit. Was wir zusätzlich anstreben, sind Betriebsausflüge“, sagt Simone Zeil. „Allerdings sollten es maximal 20 Personen sein“, sagt die Koordinatorin Ulrike Rott. Bei kleineren Gruppen von etwa acht Personen hat der Ausflug dann eher einen familiären Charakter.“

In Walsleben steht an diesem Vormittag ein Crashkurs in Sachen Alpakazucht an. Von Edgar Papenbrock erfahren die Gäste, dass die SPD-Größen Gerhard Schröder und Sigmar Gabriel Manager-Anzüge aus dem exklusiven Material tragen. Ralf Reinhardt erwirbt ein Paar Socken. Die Alpakas ziehen sich in ihren Unterstand zurück, dort gibt es Wasser und Schatten. „Auf der Wiese hab ich jetzt Sprühschläuche ausgelegt“, sagt der Züchter. „Dort kühlen sie sich gern ihre Bäuche.“

Vollkern-Bäcker Volker Apitz an seiner Getreidemühle

Vollkern-Bäcker Volker Apitz an seiner Getreidemühle.

Quelle: Cornelia Felsch

30 Tiere leben derzeit auf dem Sunna-Alpakahof von Edgar und Ingeborg Papenbrock. Sechs Fohlen werden im Sommer hinzu kommen. Doch bevor es soweit ist, kommt erst einmal der Alpaka-Scherer aus den Vereinigten Staaten. Seine sechswöchige Tournee führt auch nach Walsleben, wo er die Alpakas von ihrer kostbaren Wolle befreit.

Die Wolle findet sich in Betten, Steppwesten und Babyschlafsäcken wieder. Auf Grund des geringen Lanolingehalts der Wolle sind die Betten auch bestens für Allergiker geeignet. „Liefern Sie uns das Vlies Ihrer Tiere, wir nähen für Ihren Hofladen“, heißt es auf der Internetseite der Bettwarenmanufaktur, die sich auch an andere Züchter richtet.

Besucher können im Hofladen Kleidungsstücke erwerben, auf dem Barfußpfad wandeln oder im Wiesencafé die Natur genießen. Die Extratour-Reisenden hatten allerdings wenig Zeit, sie mussten zur nächsten Station nach Rohrlack, zur Bäckerei Vollkern. Dort wo sich früher die Kuhställe, der Speicher und das Badehaus für verschwitzte Landarbeiter befanden, hat Volker Apitz vor 17 Jahren seine Backkarriere begonnen. „70 Quadratmeter waren alles , was ich hatte“, erzählt der Bäcker. „Backen konnte ich damals nur alle zwei Tage. Zwischendurch musste ich Brot und Brötchen ausliefern.“ Heute beschäftigt der Bäcker 27 Mitarbeiter, eine neue Backstube und ein Hofladen sind entstanden. 80 Prozent seiner Bio-Backwaren liefert Volker Apitz an Berliner Kunden.

Es fehlt an Nachwuchs

Handwerklich, biologisch und regional heißt sein Motto. Das Handwerk spielt für ihn eine ganz besondere Rolle, allerdings mangelt es an Nachwuchs. Die Führung beginnt im Getreidelager und endet im Hofladen. Dazwischen liegen der Backvorbereitungsraum, die Backstube, der Sprossenraum und viele Stunden Nachtarbeit. Gearbeitet wird im Zweischichtsystem. In der Nacht wird das normale Backsortiment zubereitet, in der Frühschicht wird dann das glutenfreie Gebäck produziert. Apitz legt auf kurze Lieferwege Wert, der Weg zur Mühle entfällt. „So kann ich selbst bestimmen, was ich mit dem Getreide mache, ob ich es zu Mehl mahle, als ganzes Korn verwende oder die Sprossen für das Uressener verwende. Weizen- und Roggenkörner werden zu diesem Zweck über 48 Stunden computergesteuert mit Wasser versorgt Die Steuerung hat der Bäcker selbst entwickelt. Mit seiner „Bastelarbeit“, wie er es nennt, hat er sich für den Brandenburger Innovationspreis beworben.

Genießertour-Stationen zur Auswahl:

Bäckerei Vollkern in Rohrlack, Hakenberger Fleischverarbeitung, Sunna-Alpakafarm Walsleben, Gut Hesterberg, Storchenschmiede Linum, Rixmanns Hof in Linum, Mosterei Landhof, Restaurant „Kleines Haus“, Ökohof Kuhhorst, Luchwirtschaft Linumhorst, Ziegenkäserei Karolinenhof, Preußenquelle Rheinsberg, Eiszauberei und Seehof in Rheinsberg.

Anmeldungen sind unter Telefon 03391/40 06 17 möglich oder unter www.ruppiner-geniessertour.de.

Von Cornelia Felsch

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