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Genossenschaft schützt vor Übernahme

Wittstock: Diskussion über Agrargenossenschaften Genossenschaft schützt vor Übernahme

Der Genossenschaftsgedanke rückt für die Partei die Linke zunehmend auch mit Blick auf die Landwirtschaft in den Vordergrund. In Wittstock diskutierten Politiker der Partei mit Landwirten über Vor- und Nachteile der Agrargenossenschaften. Diese existieren heute noch, zum Teil als Nachfolger der LPGs. Allerdings haben auch sie unter den aktuellen Marktbedingungen zu leiden.

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Auch für Genossenschaften wird die Tierhaltung immer schwieriger.

Quelle: Peter Geisler,

Wittstock. Es sollte kein nostalgischer Rückblick auf längst vergangene Zeiten sein, sondern der Anstoß zu einer Debatte über die Zukunft der heimischen Landwirtschaft. Das stellte die Bundestagsabgeordnete und Agrarpolitische Sprecherin der Partei die Linke, Kirsten Tackmann, am Dienstag im MAZ-Gespräch mit Rückblick auf das am Gründonnerstag im Wittstocker Rathaus stattgefundene Fachgespräch zu deutschen Agrargenossenschaften klar.

„Die deutsche Landwirtschaft hat es derzeit nicht leicht“, sagte Tackmann und verwies auf sinkende Getreide- und Milchpreise. Darum müsse über gängige Alternativen zu Einzelbetrieben im immer schärfer werdenden Wettbewerb auf dem Binnen- und Weltmarkt gesprochen werden.

Dietmar Berger informierte über Agrargenossenschaften in Deutschland

Dietmar Berger informierte über Agrargenossenschaften in Deutschland.

Quelle: Christian Bark

Dazu hatte die Linke-Bundestagsfraktion am Gründonnerstag den Chemnitzer Agraringenieurökonomen und Parteigenossen Dietmar Berger als Fachreferenten zum Werdegang der Agrargenossenschaften an die Dosse geladen, um mit ihm sowie Vertretern aus der Landwirtschaft über diese Wirtschaftsform bäuerlicher Großbetriebe ins Gespräch zu kommen.

„Die Totengesänge auf die LPGs Anfang der 90er Jahre waren am Ende nicht zutreffend“, erklärte Berger in Bezug auf die hundertfachen Abwicklungen der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) der DDR nach dem Mauerfall. „Viele LPGs existierten nach der Wende unter anderem Namen weiter.“ Eben auch als Agrargenossenschaften (AG). Zudem stellte Berger klar, dass es sich bei den Genossenschaften nicht um eine sozialistische Erfindung gehandelt habe. Vielmehr seien sie ein deutsches Charakteristikum. „Nicht umsonst wurde beantragt, den Genossenschaftsgedanken zum immateriellen Weltkulturerbe zu erklären“, informierte Tackmann.

Größerer Gemeinschaftssinn in Genossenschaft

Berger hob in seinem Vortrag die Vorteile heutiger Agrargenossenschaften hervor. Im Vordergrund stehe die effektive Arbeitsteilung sowie der Gemeinschaftsgedanke. „Mitarbeiter und Grundbesitzer sind oft zugleich Mitglieder der Genossenschaft“, erklärte Berger. Da sei ein ganz anderes Miteinander möglich. Auch verfüge die Genossenschaft in der Regel über mehr Kapital als Einzelbetriebe, was sie in den Augen der Banken kreditwürdiger mache. „Dann sind auch mehr Investitionen möglich“, so Berger.

Ganz entscheidend sei jedoch, dass die Genossenschaften aufgrund ihrer Struktur und langer Pachtverträge nicht so einfach von windigen Geschäftemachern, sogenannten „Heuschrecken“, aufgekauft werden könnten. „Eine feindliche Übernahme wird dadurch sehr schwierig“, betonte der Landwirtschaftsexperte.

Burkhard Schultz berichtete von seinen Erfahrungen in der Genossenschaft

Burkhard Schultz berichtete von seinen Erfahrungen in der Genossenschaft.

Quelle: Christian Bark

Dass Agrargenossenschaften in der heutigen Zeit weniger gewinnorientiert wirtschaften müssten, als andere Betriebe, wies Burkhard Schulz, Vorstand der Landwirtschaftlichen Produktions- und Dienstleistungsgenossenschaft Biesen (LPDG) entschieden zurück. „Es herrscht ein wahnsinniger Wettbewerb“, sagte er. Um kapitalistisches Denken käme man da nicht umher. Zwar gestand Schultz zu, dass seine LPDG, die nach der Wende aus einer LPG hervorgegangen war, fester im Boden stehe als so mancher Privatbetrieb, trotzdem kämpfe die Genossenschaft zunehmend mit Problemen.

„Wir leiden ebenso wie Einzelbetriebe unter sinkenden Preisen“, stellte Schultz klar. Zwar gebe es in Biesen noch 300 Milchkühe, die Schweinehaltung im Raum Wittstock sehe jedoch ihrem Ende entgegen. Die Zukunft der Tierhaltung in ganz Brandenburg sehe er gefährdet, so Schulz. „Ich weiß, Herr Vogelsänger macht den Milchpreis nicht“, appellierte er an Brandenburgs Landwirtschaftsminister. Aber die Politik müsse die nötigen Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft schaffen. Schultz selbst befürchtet künftig massive Einschnitte für die hiesigen Landwirte, egal, ob privat oder genossenschaftlich organisiert. Allerdings werde der Strukturwandel nicht so drastisch ausfallen, wie nach der Wende, als fast 90 Prozent der in den LPGs Beschäftigten ihren Job verloren hatten.

Linke will Debatte über Genossenschaften weiterführen

Tackmann sah die Debatte als Erfolg und will, wie sie der MAZ gegenüber erklärte, das Thema Agrargenossenschaften künftig mehr ins Gespräch bringen – besonders im Westen, wo der Begriff immer noch ideologisch belastet sei. „Die Genossenschaft ist eine gute Alternative für die Landwirtschaft“, sagte die Abgeordnete. Diese habe es zwar derzeit schwer, aber es lohne sich, darum zu kämpfen. Eine Zukunft sieht sie besonders im Binnenmarkt. „Regional ist wieder im Kommen“, erklärte Tackmann. Dazu müsse jedoch weniger auf Überproduktion durch die Betriebe gesetzt werden.

Von Christian Bark

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