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Gentzrode: Die Natur holt sich alles zurück

Bebauungsplan fehlt in Neuruppin Gentzrode: Die Natur holt sich alles zurück

Der Unternehmer Alexander Gentz hat sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bei Neuruppin den Traum von einem imposante Herrensitz erfüllt. Heute ist davon nicht mehr viel übrig. Allen Zusagen zum Trotz kümmern sich die Eigentümer kaum noch um das einmalige Baudenkmal. Die Lage in der Türkei macht die Rettung noch schwerer.

Gentzrode 52.9784882 12.7955099
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Alexander Gentz ließ das Herrenhaus von Gentzrode reich verzieren. Inzwischen verschwinden die Reste des einstigen Gutes fast im wuchernden Grün.

Quelle: Peter Geisler

Gentzrode. Die Natur ist zurück. Die Zufahrt zum imposanten Herrenhaus ist kaum noch zu finden. Links und rechts der Straße strecken wuchernde Sträucher und Bäume ihre Zweige über die gepflasterte Fahrbahn aus. Übrig ist nur noch ein niedriger Tunnel aus leuchtendem Grün. Mitten aus dem dichten Blätterdach ragt heraus, was vom Gut Gentzrode übrig geblieben ist. Gelb blühender Rainfarn bedeckt die Flächen rund um das einstige Herrenhaus und den verfallenen Kornspeicher, die noch nicht von Strauchwerk erobert sind.

Die Zeit nagt an eines der schönsten Baudenkmale

Die Zeit nagt an eines der schönsten Baudenkmale.

Quelle: Peter Geisler

Eines der schönsten Baudenkmale weit und breit ist nach mehr als 20 Jahren Leerstand nur noch eine Ruine: Fenster eingeschlagen, Türen herausgerissen, Keller aufgebrochen, Mauer eingefallen. Wer einen Blick durch die Türöffnungen ins Innere wirft, erkennt noch die reich verzierten Fußböden, Kamine und hohe Decken. Gentzrode muss einmal herrlich gewesen sein. Früher. Heute könnte jeder Schritt in der Ruine Lebensgefahr bedeuten.

Sämtlich Fenster sind zerschlagen

Sämtlich Fenster sind zerschlagen.

Quelle: Peter Geisler

Ganz aufgegeben hat Neuruppins Baudezernent Arne Krohn die Hoffnung nicht, dass sich das wundervolle Ensemble gut sechs Kilometer nördlich von Neuruppin mitten im Wald noch retten lässt. Doch selbst bei ihm schwindet die Hoffnung immer mehr. Auch durch die aktuellen Entwicklungen in der Türkei. Türkische Investoren hatten das Gut Gentzrode vor rund sechs Jahren übernommen. Kurz darauf gab es mehrere öffentlichkeitswirksame Termine, bei denen die Bauherren versicherten, das halb verfallene Gut wieder aufpäppeln zu wollen. Ein Bauunternehmer aus Berlin war sogar dabei, die Gebäude zu sichern. Doch seitdem tut sich in Gentzrode nichts mehr.

Im März hatte sich Vertreter der Stadt Neuruppin, des Landkreises und eines Planungsbüros getroffen, um darüber zu sprechen,was sich mit dem 500 Hektar großen Gelände nördlich von Neuruppin noch anfangen lässt. Eigentlich war kurz darauf ein weiteres Treffen mit den Eigentümern geplant. Doch erst wurde der Termin von April auf Mai verschoben, dann immer weiter.

Ohne Bebauungsplan, können die Eigentümer gar nichts tun

Klar ist, dass die Investoren ohne die Stadt Neuruppin in Gentzrode gar nichts tun können. Erst einmal müsste für das Gelände ein Bebauungsplan entwickelt werden. Ohne den würde der Landkreis dort niemals eine Baugenehmigung erteilen, egal wofür. Doch über einen Bebauungsplan müsste Stadt und Eigentümer erst einmal reden. Selbst das ist bisher nicht in Sicht.

Ein grüner Schleier legt sich auf dem ehemals prunkvollen Gut ab

Ein grüner Schleier legt sich auf dem ehemals prunkvollen Gut ab.

Quelle: Peter Geisler

Schon 2009 hatte die Investoren eine Gentzrode GmbH mit Sitz in Neuruppin gegründet. Das Unternehmen besteht noch immer, erst kürzlich hat das Amtsgericht einen Wechsel in der Geschäftsführung gemeldet. Kontakt hat die Stadt zu den Eigentümern trotzdem nur über eine Rechtsanwaltskanzlei in Stuttgart. „Die Eigentümer haben nach wie vor Interesse an einer Investition“, sagt Arne Krohn. Diese Auskunft habe er jedenfalls aus Stuttgart erhalten. Das klingt zwar grundsätzlich gut. Aber was ist eine solche Zusage wert? Erst recht jetzt angesichts des angespannten Verhältnisses zwischen der Türkei und Deutschland?

Vom Kornspeicher steht nur noch eine Ruine

Vom Kornspeicher steht nur noch eine Ruine; das Dach existiert längst nicht mehr.

Quelle: Peter Geisler

Stadt und Landkreis sehen sich nicht in der Lage, das historische Gut Gentzrode zu sichern. So holt sich die Natur zurück, was der Unternehmer Johann Christian Gentz und sein Sohn Alexander ihr ab 1855 entrungen haben.

Von Reyk Grunow

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