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Gentzrode als riesiges Paradies für Golfer

Neuruppin Gentzrode als riesiges Paradies für Golfer

Entgegen allen Unkenrufen gibt es doch konkrete Pläne für die Rettung des historischen Gutes Gentzrode bei Neuruppin: Der Eigentümer plant auf knapp 550 Hektar Fläche eine Ferienanlage von der Größe einer Kleinstadt mit 800 Gebäuden, Golfplätzen und bis zu 5000 Betten für Gäste. Bei diesen Ausmaßen hat selbst das Land mitzureden.

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Die historischen Gebäude sollen gerettet werden, die sowjetischen Militärbauten werden neuen Häusern weichen.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Das historische Gut Gentzrode bei Neuruppin könnte zu einem der größten Golf- und Freizeitresorts in Europa werden. Auf 542 Hektar Fläche wollen die türkischen Eigentümer Golfplätze, Hotels, Villen und bis zu 775 Ferienhäuser schaffen – insgesamt 4000 bis 5000 Betten für Übernachtungsgäste. Die weitgehend verfallene einmalige Gutsanlage im orientalischen Stil würden die Investoren dafür originalgetreu wieder aufbauen oder restaurieren, wo das noch möglich ist. Auch der riesige denkmalgeschützte Gutspark könnte wieder so hergerichtet werden, wie er im 19. Jahrhundert für die Neuruppiner Kaufmannsfamilie Gentz einmal angelegt wurde. Die mehr als 400 Hektar Wald und Heide rundherum wollen die Bauherren weitgehend erhalten.

Die Ausmaße des geplanten Golf­resorts wären enorm. Mit ihm würde nördlich am Rande des Naturparks Stechlin-Ruppiner Land mitten im Wald nahe dem Molchow- und dem Teetzensee eine neue Kleinstadt von der Größe Lindows entstehen. Das Golfresort wäre ähnlich groß wie das Land Fleesensee bei Malchow in Mecklenburg, das damit wirbt, die größte Freizeitanlage im nördlichen Europa zu sein. Das Land Fleesensee verfügt über etwa 2000 Betten. In den Plänen für Gentzrode hat Eigentümer Volkan Basegmez doppelt so viele Übernachtungsplätze vorgesehen.

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Die Neuruppiner Kaufmannsfamilie Gentz ließ sich ab 1857 auf einem unfruchtbaren Stück Acker nördlich der Stadt eine prächtige Gutsanlage im orientalischen Stil errichten. Gentzrode gilt als einzigartiges Baudenkmal und verfällt doch von Jahr zu Jahr mehr.

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Seit vielen Jahren versucht die Stadt Neuruppin alles, um das historische Gut Gentzrode zu retten. Errichtet wurden die Häuser im 19. Jahrhundert für die Kaufmannsfamilie Gentz, die durch Torf reich geworden war. Im Laufe der Zeit hatte Gentzrode viele Eigentümer, auch die Wehrmacht. Nach 1945 nahm die Rote Armee das abgelegene Areal in Beschlag, unter anderem als Standort für den sowjetischen Geheimdienst KGB.

Seit dem Abzug der russischen Truppen Mitte der 90er Jahre verfällt die Anlage zusehends. Immer wieder gab es Versuche verschiedener Eigentümer, die Anlage zu sanieren. Über erste Ideen gingen sie meist jedoch nicht hinaus. Damit dort mitten im Wald überhaupt etwas gebaut werden könnte, müssten die Neuruppiner Stadtverordneten einen Bebauungsplan beschließen. Doch soweit kam es in der Vergangenheit nie. Vor sieben Jahren hat Volkan Basegmez mit Partnern aus der Türkei das Areal übernommen. Nach langer Vorbereitung hat Basegmez die Berliner Immobilienfirma Weiss & Cie. mit einem Masterplan beauftragt.

Neue Hoffnung auf die Rettung des Denkmalensembles

Damit hat Neuruppins Baudezernent Arne Krohn offenbar ernsthafte Hoffnungen, dass das Denkmalensemble doch noch vor dem völligen Verfall bewahrt werden kann. Die neuen Ideen für Gentzrode scheinen hochtrabend – für Krohn jedoch nicht unrealistisch.

Hinter den Kulissen laufen die Verhandlungen über das Projekt offenbar schon länger. Seit mehr als einem Jahr steht die Neuruppiner Stadtverwaltung dazu in engem Kontakt mit den Bauherren. „So konkrete Gespräche wie mit diesen Investoren hatten wir in all den Jahren noch mit keinem anderen Eigentümer“, sagt Neuruppins Baudezernent und Vize-Bürgermeister.

Mittlerweile haben sich auch das Bauordnungsamt des Landkreises und das Umweltamt mit dem Konzept für das riesige Golfresort befasst. Alle waren sich einig, dass eine Anlage von diesen Ausmaßen „erhebliche Auswirkungen auf die Landesplanung“ haben wird, heißt es jetzt in einer Vorlage für die Neuruppiner Stadtverordneten. Die waren in die aktuellen Pläne bisher nicht eingeweiht. Der städtische Bauausschuss soll sich am Donnerstag erstmals damit befassen. Ohne Zustimmung der Stadtverordneten dürfen die Investoren in Gentzrode nicht bauen.

Die Landesplanung Berlin-Brandenburg muss zustimmen

Klar ist aber auch: Allein die Erlaubnis der Stadt Neuruppin wird nicht genügen. Stadt und Kreis haben wegen der Dimensionen des Vorhabens die Gemeinsame Landesplanungsabteilung Berlin-Brandenburg eingeschaltet. Alle Behörden seien einig, dass die Investoren ihr Projekt deutlich verkleinern müssen, wenn sie Aussicht auf Genehmigung haben wollen, so Neuruppins Chefplaner Krohn.

„Für mich steht der Erhalt von Gentzrode an erster Stelle“, sagt er ganz klar. Dafür müsste die Stadt notfalls auch Kompromisse eingehen. Neuruppin will auch vom Tourismus leben. „Wir sind uns sicher alle einig, dass Neuruppin noch weitere Ferienwohnungen und auch Hotelzimmer vertragen kann“, ist Krohn überzeugt. Trotzdem erscheint ihm das jetzt vorgestellte Projekt eine Nummer zu groß: „An den Dimensionen muss auf jeden Fall noch gearbeitet werden.“

Im Bauausschuss wollen die Investoren ihre Pläne erstmals öffentlich vorstellen. Der Ausschuss tagt am Donnerstag, 16. November, ab 18.30 Uhr im Saal des Rathauses.

Von Reyk Grunow

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