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Genügsamer Fischer am Gudelacksee

Fischerei Genügsamer Fischer am Gudelacksee

Enrico Weidner betreibt seinen Fischereibetrieb am Lindower Gudelacksee im Kreis Ostprignitz-Ruppin. Er gehört zu den 80 Prozent der Brandenburger Fischer, die ihren Lebensunterhalt als Kleinstunternehmer im Haupterwerb verdienen.

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Der Lindower Fischer Enrico Weidner startet in die neue Saison.

Quelle: Cornelia Felsch

Lindow. Noch ist es einsam und still am Gudelacksee. Dort wo sich im Sommer die Wassertouristen tummeln, kann Fischer Enrico Weidner jetzt noch ungestört die Natur genießen. „Die Kulisse ist traumhaft. Man wird für alles entschädigt“, sagt der Fischwirt. Für ihn gibt es keinen schöneren Beruf. So geht es vielen Fischern, dennoch hat die Branche Nachwuchssorgen.

Enrico Weidner gehört zu den 80 Prozent der Fischer, die in Brandenburg als Kleinunternehmer im Haupterwerb den Fischfang betreiben – als Ein-Mann-Betrieb gehört er zu den kleinsten der Kleinen. 17 Prozent der Brandenburger Fischereibetriebe verfügen über drei bis sieben Vollzeitbeschäftigte und gehören damit der mittleren Betriebsgröße an – nur drei Prozent werden als Großbetriebe (10 bis 26 Beschäftigte) eingestuft. Diese Zahlen veröffentlichten das Institut für Binnenfischerei Potsdam Sacrow und das Thünen-Institut für Seefischerei in einer Studie zur Betriebsstruktur der Seen- und Flussfischereien in Brandenburg, die von 2012 bis 2014 durchgeführt wurde. „Seit der Wende ist so etwas nicht mehr gemacht worden“, sagt Fischereiingenieur Erik Fladung, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Sacrower Instituts an dieser Studie beteiligt war.

Zurzeit 122 aktive Fischereibetriebe

Im Rahmen einer telefonischen Befragung verschafften sich die Wissenschaftler zunächst einen Überblick über die im Land bestehenden Fischereien. Von 122 derzeit aktiven Betrieben, wurden dann per Zufall 28 Unternehmen für die genauere Untersuchung ausgewählt. „In dreistündigen Befragungen haben wir sie nach allen Regeln der Kunst ausgequetscht“, sagt Erik Fladung. Dabei fanden sie heraus, dass der Aal mit 30 Prozent das Überleben der Fischer sichert. 15 Prozent liefern Hecht und Zander. Der Verkauf der Fische erfolgt überwiegend auf dem Weg der Selbstvermarktung über den Hofladen oder einen Verkaufswagen, wie ihn auch der Lindower Fischer Enrico Weidner betreibt. Der 37-Jährige bestreitet seinen Lebensunterhalt vorwiegend aus den frisch gefangenen Fischen, die er mit Hilfe von Stellnetzen und Reusen aus Gudelack-, Wutz- und Vielitzsee holt.

Fischer in Brandenburg durchschnittlich 54 Jahre alt

Bei der Bewirtschaftung seiner Seen geht es ihm auch um die Überwachung des Bestandes. „Fischzucht ist berechenbar“, sagt er. „An der Dichte der Vorkommen und der Größe der Fische kann ich ablesen wie es um den Bestand aussieht.“ Enrico Weidner gehört übrigens zu den Jüngsten seiner Zunft, denn der Durchschnittsfischer in Brandenburg ist 54 Jahre alt. Dass sich viele seiner Kollegen zusätzliche Einnahmequellen erschließen, um mehr Geld zu verdienen, kann er gut nachvollziehen. „Ich fahre aber lieber zum Fischen raus, als am Computer zu sitzen“, sagt er. Wie die meisten Fischer handelt er allerdings auch mit zugekauften Fischen und Angelkarten. Dass er in diesem Beruf keine Reichtümer verdienen wird, darüber war sich Enrico Weidner bereits als Jugendlicher im Klaren, denn er kennt das Geschäft von Kindheit an. Im Betrieb seiner Eltern hat er die Lehre absolviert. 2007 hat er als junger Fischer seine Existenz in Lindow aufgebaut. „Der Beruf ernährt schon eine Familie“ sagt er. Es klingt zufrieden und zwangsläufig wird man an die Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral von Heinrich Böll erinnert, in der es um einen Touristen geht, der einen Fischer kennenlernt und im Gespräch mit ihm begreift, dass man auch ohne große Karriere glücklich sein kann.

Von der Fischerei kann man noch leben

Doch so zufrieden sind nicht alle Kollegen, denn laut Studio belaufen sich die Jahreseinnahmen bei den Kleinunternehmen auf durchschnittlich 10 700 Euro im Jahr. „Von der Fischerei kann man derzeit noch leben, aber nicht wirklich gut“, stellt Erik Fladung fest und zitiert einen Fischer: „Ich werde meine Fische los und die Preise sind auch okay.“ Die Gesamtzufriedenheit der Betriebsinhaber ist aber eher gering, denn sie ist auch von rechtlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen abhängig. Fischwilderei und Kormorane sind nur in den seltensten Fällen die Ursache schlafloser Nächte. Enrico Weidner kann mit den Kormoranen leben: „Sie gehören zur Natur und ich kann nicht verstehen, dass man sie als Schädlinge bezeichnet.“ Die Wilderei hält sich ebenfalls in Grenzen. „Die Fischereiaufsicht ist in unserer Region gut organisiert“, sagt er.

Einschränkungen bei der Gewässerbewirtschaftung

Hauptprobleme vieler Betriebe sind Unsicherheiten und Einschränkungen bei der Gewässerbewirtschaftung, die teilweise existenzbedrohende Ausmaße angenommen haben. Pachtverträge werden oft nur noch für ein Jahr abgeschlossen, so dass eine nachhaltige Bewirtschaftung durch Fischbesatz kaum noch realisierbar ist. „42 Prozent der Betriebe sind derzeit durch vakante Pachtverhältnisse gefährdet“, sagt Erik Fladung. Kosten- und Gebührenerhöhungen sorgen ebenfalls für Unsicherheit. Berufsgenossenschaft sowie Abwasser- und Bodenverbände erhöhen ihre Gebühren und auch für Personal und Energie müssen die Fischer tiefer in die Tasche greifen. Viele Fischwirte wissen nicht, wie sie das bezahlen sollen. Die Aussichten, einen Betriebsnachfolger zu finden sind deshalb eher mau. „Welcher junge Mann tut sich das an?“ fragt Erik Fladung und fügt hinzu: „Fast zwei Drittel der Befragten haben noch keinen Betriebsnachfolger.“

Von Cornelia Felsch

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