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Ostprignitz-Ruppin Gepflasterte Erinnerung
Lokales Ostprignitz-Ruppin Gepflasterte Erinnerung
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00:18 27.03.2017
Gunter Demnig aus Köln ist Erfinder der Gedenkaktion. Auch in Kyritz verlegte er die Plastersteine mit Gedenkplaketten selbst. Quelle: Alexander Beckmann
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Kyritz

Ganz vorne war die Stadt sicherlich nicht dabei, als es um die Erinnerung an Diskriminierung und Vertreibung einiger ihrer Bürger in den 30er und 40er Jahren ging. Andernorts widmete man sich dem Gedenken an die nationalsozialistischen Opfer offensiver. Doch inzwischen stellen sich viele Kyritzer wieder der lokalen Geschichte. Am Freitag, gut vier Jahre nach dem ersten entsprechenden Vorschlag, verlegte der Künstler Gunter Demnig auch in ihrer Stadt zwei seiner „Stolpersteine“. Rund 80 Menschen waren dabei.

Die Plaketten im Pflaster vor dem Haus Prinzenstraße 1 erinnern an die beiden letzten jüdischen Bürger der Stadt. Theodor Calmon, geboren 1856 in Kyritz, wurde 1936 aus seiner Heimat vertrieben und starb wenig später in Berlin. Seine Tochter Henny Lucie hatte die Stadt schon Jahre zuvor verlassen. Sie wurde 1942 ins KZ Sobibor deportiert und dort ermordet.

Theodor Calmon und seine Tochter Henny Lucie gelten als die letzten Vertreter der einstigen jüdischen Gemeinde in Kyritz. Quelle: Alexander Beckmann

Bei einer Veranstaltung am Donnerstagabend erinnerten Schüler der Kyritzer Carl-Diercke-Schule an die Geschichte der Kaufmannsfamilie Calmon. Seit dem 18. Jahrhundert hatte es nach vorangegangenen Vertreibungen wieder eine kleine jüdische Gemeinde in Kyritz gegeben. Leicht machte man es ihnen nie. Nach und nach verließen die meisten Kyritz wieder. Calmons gehörten zu den letzten. Die Familie lebte und arbeitete bereits seit rund 200 Jahren in der Stadt, als im Frühjahr 1933 die Fenster ihres Haushaltwarenladens in der Prinzenstraße zerschlagen wurden. Auch die Kundschaft blieb weg. Theodor Calmon sah sich 1935 zum Verkauf des Hauses gezwungen. Eine Wohnung für den fast 80-Jährigen fand sich in der Stadt nicht.

„Wir sind heute hier, weil wir das nicht vergessen wollen“, erklärte der Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung Thomas Settgast am Donnerstag den über 150 Gästen. Er dankte allen, die so hartnäckig an der Stolperstein-Idee festgehalten hatten. „Es war tatsächlich ein langer Weg der Erinnerung.“

Gunter Demnig hatte vor gut 20 Jahren die Idee zu den „Stolpersteinen“. Quelle: Alexander Beckmann

Den hat auch Gunter Demnig hinter sich. Anfang der 90er Jahre hatte der Kölner die Idee zu den „Stolpersteinen“ entwickelt, wie er am Donnerstag berichtete. Es sei eher ein künstlerisches Konzept gewesen und schien kaum zu verwirklichen. Aber dann habe es doch viel Zuspruch gefunden. „Wir gehen jetzt auf 61 000 Steine zu in 21 Ländern.“ Trotz mancher Widerstände. „Es nimmt die Form an, die ich mir gewünscht habe.“ Das betreffe vor allem auch die Begegnungen mit jungen Menschen im Zuge der Aktion. Denn den „Stolpersteinen“ gelinge es, Schicksale über abstrakte Zahlen hinaus konkret zu machen. Zugleich bildeten sie für manche der betroffenen Familien auch so etwas wie Schlusssteine im Leben verschollener Angehöriger.

Die Wahl von Messing als Material für die Plaketten lag für Demnig nahe. „Messing wird ja durchs Benutzen blank poliert. Das Darüberlaufen poliert die Erinnerung auf.“ Und: „Wenn du die Inschrift lesen willst, muss du eine kleine Verbeu

Gut 150 Kyritzer erlebten am Donnerstagabend ein Theaterstück, dass sich mit lange verdrängter Kyritzer Geschichte beschäftigte. Quelle: Alexander Beckmann

Die Besucher der Abendveranstaltung erlebten abschließend noch eine Aufführung des Stücks „Ich habe dir nie einen Rosengarten versprochen“. Theateramateure aus Kyritz und Umgebung nehmen sich darin unter anderem der Geschichte von Diktatur, Verfolgung und persönlicher Verantwortung am Beispiel ihrer Stadt an.

An der Gestaltung der eigentlichen Stolpersteinverlegung am Freitag waren Schüler des Kyritzer Gymnasiums mit Musik und Texten maßgeblich beteiligt. Bewusst zogen sie dabei Parallelen zwischen Geschichte und aktuellem Geschehen. Auch die Diercke-Schüler waren unter den Gästen. Die kleine Gruppe Zehntklässler will die Pflasterstückchen, die für die Stolpersteine entfernt werden mussten, sammeln und als symbolischen Gruß zum Grab Theodor Calmons auf dem jüdischen Friedhof in Berlin bringen.

Von Alexander Beckmann

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