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Geretteter sagt Danke

Kyritz Geretteter sagt Danke

Norbert Schmidt aus Kyritz feiert demnächst nach einem Herzinfarkt den 1. Geburtstag seines zweiten Lebens. Weil er seine Retter nicht kennt, wendete er sich an die Zeitung, um Danke zu sagen. Denn es handelt sich wohl um Menschen, die firm waren in Erster Hilfe und die ihre Tat schlicht als Pflicht ansahen.

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Norbert Schmidt stammt aus einem der kleinsten Dörfer der Region und lebt seit einem Jahr in Kyritz.

Quelle: Matthias Anke

Kyritz. Es kann jeden erwischen. Meiers, Schulzes, Schmidts.

Norbert Schmidt aus Kyritz traf es am Vormittag des 7. Novembers 2016. „Das letzte, woran ich mich erinnere, war die sich öffnende Schiebetür“, sagt der 57-jährige. Was er erst viel später erfuhr: Eine Frau und wohl auch ein Mann retteten ihm dort, vor der Sparkasse in der Hamburger Straße, das Leben. Ohne diese erste Hilfe nach Schmidts Herzinfarkt hätte er wohl bleibende Schäden erlitten oder es erst gar nicht mehr in den Rettungswagen geschafft, in dem zwei weitere Wiederbelebungen folgten.

„Die Leute nehmen aber kein Dankeschön an, weder Blumen noch Pralinen, weil sie sagen, dass es einfach nur ihre Pflicht war“, erzählt Dittmar Wönne vom Betreuungsverein Kyritz, der sie ausfindig machte. Wönne kümmert sich um Norbert Schmidt, der sagt: „Muss man sich mal vorstellen, dass es so etwas noch gibt auf dieser Welt.“ Verständlich sei es für ihn ja irgendwie. Der Dank werde wohl daher nicht angenommen, weil sie beruflich im Rettungswesen zu tun haben, gerade deshalb professionell damit umgehen. „Ich hatte jedenfalls mächtig Glück, dass sie zufällig da waren.“

Schmidt hat eine bewegende Lebensgeschichte hinter sich

Nicht immer hatte Norbert Schmidt so viel Glück im Leben. Hart im Nehmen musste er von Geburt an sein. Es war ein 23. Dezember, einen Tag vor Heiligabend. „Ich war ein Frühchen, bekam eine Hirnhautenzündung, daraufhin folgten epileptische Anfälle. Und seit 2010 bin ich nun auch noch Diabetiker“, erzählt der Mann, dessen Gesichtsfalten trotzdem von einer Frohnatur sprechen. Ganz die Mutter, die aus dem Bilderrahmen in der schlichten Wohnzimmerschrankwand schaut. Sie lebte bis 2006. Der Vater indes starb schon 1976, als Norbert Schmidt gerade seine Lehre zum Facharbeiter für Anlagentechnik machte.

Die Familie lebte in Bartschendorf weit im Süden des Dreetzer Gemeindegebiets. In Kyritz geboren, blieb Norbert Schmidt Einzelkind. Auch mit einer eigenen Familie sollte es nichts werden.

In seinem Beruf blieb er bis zur Abwicklung seiner Arbeitsstätte im Jahr 1990 tätig. Es war das Elektrophysikalische Werk in Neuruppin. Von der Kurzarbeit ging es in die Arbeitslosigkeit, und von einer Umschulung zum Speditionskaufmann noch mal in die Arbeitslosigkeit, in der Schmidt verharrte.

Elternhaus verkauft, um neues Glück in Kyritz zu finden

Die Zeit mit seiner Mutter in Bartschendorf verging. Die finanzielle Not wurde größer. Ein Tipp von einem Nachbar brachte ihn, der auch aufgrund seines Gesundheitszustands zu vielem nicht mehr alleine in der Lage war, zum Kyritzer Betreuungsverein. „Sie hatten ihm Strom und Wasser abgestellt, das volle Programm. Wir haben dann erstmal wieder Ordnung in sein Leben gebracht“, sagt Dittmar Wönne. Er hilft bei Jobcenter-Anträgen, und auch der Rentenantrag ist jetzt gestellt.

Und es musste Schmidts Elternhaus verkauft werden. „Ich wollte schon lange raus aus Bartschendorf, mir wurde es dort einfach zu einsam“, sagt er. Groß sei die Freude daher über seine neue Wohnung in Kyritz gewesen. Es ist ein Block im Stadtteil West, der schon zu DDR-Zeiten speziell für ältere Leute gebaut wurde. „Die älteste hier ist jetzt 90 und lebt noch eigenständig in ihrer Wohnung.“

Seit Herbst vorigen Jahres sitzt Norbert Schmidt nun in dieser kleinen Erdgeschosswohnung, von der aus er das Geschehen draußen gut im Blick hat. „Aber richtiger Kyritzer bin ich noch nicht.“

Wie auch? Insgesamt vier Monate lang hatte er mit Krankenhäusern zu tun nach seinem Herzinfarkt, den er damals etwa zwei Wochen nach seinem Einzug erlitt. „Den Start hatte ich mir anders vorgestellt.“

Koma, Herzschrittmacher, Beipässe, Rollator

Acht Tage lang versetzte man ihn nach dem Infarkt ins Koma. Dann bekam er einen Herzschrittmacher, der im Sommer ausgetauscht werden musste. Danach folgten drei Beipässe. Zur Sicherheit ist Schmidt heute noch mit einem Rollator unterwegs. Zehn verschiedene Tabletten muss er täglich einnehmen. Einkaufen geht er alleine. Dank Bus war er bereits auch wieder mal in der Innenstadt.

Bücher liest Schmidt nicht. Er nennt sich dafür begeisterter Zeitungsleser. „Kein Spezialgebiet, eigentlich alles.“ Diversen MAZ-Ausgaben neben seinem Fernsehsessel vor dem polierten Flachbild-TV ist das anzusehen. Schmidt wirkt zufrieden: „Vielleicht lesen meine Retter ja diesen Bericht und damit auch das Dankeschön, das ich an sie richte. Und wenn nicht, können sich gerne auch alle anderen Menschen angesprochen fühlen, die schon mal jemandem geholfen haben.“

Bis zu seinem 1. Geburtstag seines neuen Lebens, wie er sagt, ist es nun nicht mehr lange hin. Wie feiert man sowas? Schmidt sagt: „Indem ich ganz ruhig bleibe am liebsten."

Erste Hilfe bei Verdacht auf Herzinfarkt

Der Herzinfarkt ist eine der Haupttodesursachen in den Industrienationen und oft Folge einer Herzkrankheit. Laut dem Deutschen Roten Kreuz ist es alarmierend, dass inzwischen auch immer mehr Frauen davon betroffen sind.

Es heißt: „Bei Frauen verläuft ein Herzinfarkt oft ,untypisch’ und wird deshalb nicht immer rechtzeitig erkannt. Frauen klagen bei einem Infarkt seltener über Brustschmerzen, dafür aber häufiger über Oberbauchschmerzen, Luftnot und Rückenschmerzen. Bei Bauchschmerzen und Übelkeit wird selten an einen Herzinfarkt gedacht und nicht sofort der Notarzt gerufen.“

Erkannt werden Infarkte an einem Engegefühl in der Brust, Luftnot, starke Schmerzen hinter dem Brustbein, die oft in den linken Arm, Unterkiefer, Rücken, die Schulter oder den Oberbauch ausstrahlen. Das Gesicht wird blassgrau, meist schweißnass. Der Betroffene kann sehr unruhig (Todesangst), aber auch sehr ruhig sein (Oberbauchschmerzen, Übelkeit/Erbrechen).

Zur Ersten Hilfe gehört immer der Notruf 112. Betroffene sind mit erhöhtem Oberkörper zu positionieren. Weitere Tipps des DRK: Enge Kleidung öffnen. Für frische Luft sorgen. Anstrengungen unbedingt vermeiden. Betroffenen zudecken, wenn er friert. Bei Bewusstlosigkeit laut „Hilfe“ rufen. Umstehende aufmerksam machen. Stabile Seitenlage. Bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes wiederholt Bewusstsein und Atmung prüfen. Bei fehlender Atmung Herz-Lungen-Wiederbelebung.

Von Matthias Anke

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