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Geschichte des Handwerks in Brandenburg

Ausstellung in Rheinsberg Geschichte des Handwerks in Brandenburg

Handwerk war in früheren Zeiten recht mühselig, doch für viele Familien war es die Lebensgrundlage über Generationen hinweg. Seit Sonnabend zeigt das Rheinsberger Kurt Tucholsky Literaturmuseum eine Ausstellung mit 50 Fotografien zum Thema Handwerk in Brandenburg.

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Peter Walther (r.) führte ins Thema der Ausstellung ein.

Rheinsberg. Bäcker, Stellmacher, Dachdecker und Karosseriebau – mit dem Handwerk verdienten die Menschen schon vor Jahrhunderten ihr Brot. Trotz des enormen technischen Fortschritts sind viele Gewerke auch heute nicht aus dem Leben wegzudenken. Ein reichliches Jahrhundert, festgehalten in Bildern aus der Arbeitswelt, zeigt eine Ausstellung, die am Sonnabend im Rheinsberger Tucholsky-Literaturmuseum eröffnet wurde.

Die Schau „Geschichte des Handwerks in Brandenburg – Fotografie von 1890-2000“ ist ein Projekt zum Themenjahr Kulturland Brandenburg 2016 unter dem Motto „Handwerk zwischen gestern und übermorgen“. „Es ist ein Thema, das wir schon lange im Visier hatten“, sagte die Geschäftsführerin der Brandenburgischen Gesellschaft für Kultur und Geschichte, Brigitte Faber-Schmidt, am Sonnabend in ihrem Grußwort. „Für uns ist es ein fantastisches Jahr, denn das Handwerk ist ein Thema, mitten aus dem Alltag, mit dem jeder etwas anfangen kann.“

Eingesendet wurden mehr als 700 Motive

Mehr als 700 Motive aus dem Land Brandenburg sind bei den Organisatoren eingegangen. 50 Bilder wurden ausgewählt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden viele Aufnahmen noch im Atelier der Fotografen. Etwas verstört blickt der Bäckergeselle vor einem künstlich drapierten Vorhang in die Kamera. Es ist nicht seine Welt, in die er dort gestellt wurde. Zwei junge Schornsteinfeger – schmutzig und mit Besen ausgerüstet – wollen sich nicht so recht in die Szene vor dem romantischen Hintergrundbild einfügen.

Später entstanden die Aufnahmen vor dem Wohnhaus oder der Werkstatt. Ordentlich aufgereiht zeigt sich die Bäckerinnung, Zimmermänner und Maurer aus Wus­terhausen präsentieren sich mit der Bierflasche in der Hand. Oft stehen die Familien dabei – Frauen, Kinder, Eltern – sie gehören zum Betrieb dazu. Handwerk, Werkstatt und Kundschaft wurden vererbt, und schon als Kind erfuhr man, was so ein Handwerksleben ausmacht. Es gehört zum Leben und ist Normalität, so wie die Skatrunde der Rheinsberger Handwerkermeister jeden Freitag im „Alten Fritz“; oder auch das Schäkern des Stellmachers mit seiner Frau, das der Geselle amüsiert beobachtet. Später entstanden viele Aufnahmen direkt am Arbeitsplatz. Junge Frauen einer Senftenberger Schneiderei schauen über ihre Nähmaschinen hinweg in die Kamera. Ein Dachdecker hangelt sich am First der Rheinsberger Kirche entlang, in der Kantine der Potsdamer Märkischen Volksstimme wird Suppe gerührt.

Viele Handwerker der Region unter den Gästen

Rund 100 Besucher kamen zur Vernissage. Für den Museumschef Peter Böthig eine Überraschung. Unter den Gästen waren viele Handwerker und Angehörige traditioneller Handwerksbetriebe aus der Region. Unter welchen Umständen die Menschen arbeiteten und was es heißt, sich als Betonfacharbeiter durchzuschlagen oder versotteten Öfen wieder Leben einzuhauchen, davon erzählte der Schriftsteller Martin Ahrends recht anschaulich. Er las aus seinem Essay „Wie ich lernte, die eigenen Brötchen zu backen“. Ahrends hatte Musik, Philosophie und Schauspielregie in Berlin studiert. Aus politischen Gründen erhielt er 1980 Arbeitsverbot in der DDR und schlug sich mit Aushilfsarbeiten bei privaten Handwerkern durch. Seine Erinnerungen an jene Zeit sieht er auch positiv: „Doch ich werde mich zeitlebens gern daran erinnern, wie wir uns nützlich fühlten, Genüge fanden an unseren sieben Sachen, dem, was wir konnten als Ofenbauer, statt mit dem Unmöglichen zu hadern“, sagte er.

Für die Rheinsbergerin Marlies Boldt war es ein bewegender Augenblick, das Foto des Bäckermeisters Adolf Körner zu entdecken. In Dorf Zechlin hatte sie ihre Kindheit verbracht – gleich neben der Backstube, in der auch die Kinder ein und aus gingen. „Ich bin begeistert, dass ich das Foto jetzt auch in Farbe besitze“, sagt sie und zeigt auf die Abbildung im Katalog, auf der im Hintergrund das Haus zu sehen ist.

Hinweis: Die Ausstellung ist bis zum 27. November im Kurt Tucholsky Literaturmuseum Rheinsberg zu sehen. Geöffnet ist dienstags bis sonntags von 10 bis 17.30 Uhr (bis zum 30. Oktober) und ab 1. November von 10 bis 16.30 Uhr.

Von Cornelia Felsch

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