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Geschichte im Schutt

Archäologen legen in Kyritz die Vergangenheit des einstigen Franziskanerklosters frei Geschichte im Schutt

Seit drei Wochen graben sich die beiden Archäologinnen Annett Dittrich und Kerstin Geßner zusammen mit ihrem Kollegen Boris Freytag auf dem Gelände des ehemaligen Kyritzer Franziskanerklosters Stück für Stück in die Geschichte der Stadt hinein.

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Quelle: André Reichel

Kyritz. Genauer gesagt legen sie die Nordseite der Nordwand der einstigen Klosterkirche frei. Der Bereich soll danach vor dem weiteren Verfall gesichert werden. Die Restauratoren stehen schon in den Startlöchern.

Die bis heute mehrere Meter aufragende Mauer aus Feld- und Ziegelsteinen ist der einzige erhaltene Rest des zur Klosteranlage gehörenden Gotteshauses, das Ende des 13. Jahrhunderts erbaut wurde und somit zu den ältesten heute noch sichtbaren Bauwerken von Kyritz zählen dürfte.

Von der wechselhaften Geschichte der Klosterkirche konnte Kerstin Geßner berichten: „Am Mauerwerk lässt sich die gesamte Geschichte von den Anfängen bis heute sehr gut ablesen. In der ersten Bauphase war die Kirche ein einfacher schmuckloser Granitbau. Das der damals verputzt war, wissen wir, weil davon ganz unten auf Höhe des Fußbodens noch etwas erhalten ist.“ Im 14. Jahrhundert sei der spätgotische Ausbau mit Ziegelsteinen erfolgt. In der Zeit entstand auch der Kreuzgang. „Nach der Reformation wurde das Kloster aufgegeben und später als Garnisonskirche, Lagerhaus und sogar als Brauerei genutzt. „Im Jahr 1781 wurde die Kirche an einen Gastwirt verkauft, der sie als Steinbruch verwendete“, so Kerstin Geßner.

Bevor die Archäologen mit Akribie ans Werk gehen konnten, musste zunächst die Bühne weichen, auf der die Knattermimen vor großem Publikum ihre Theaterstücke aufführen. Außerdem standen auch einige Büsche und Bäume im Weg.

Dann erst konnte es für die Archäologen in die Tiefe gehen. Mit einem Minibagger trugen sie auf 26 Meter Länge an der Kirchenwand rund einen Meter Erde ab, bevor die ersten wirklich interessanten Befunde zutage traten. Hierbei handelt es sich um eine Schuttschicht aus dem 18. Jahrhundert, aus der Zeit also, in der die Kirche als Steinbruch genutzt wurde. Dies erklärt auch die vielen Ziegelsteine, die die Archäologen mit Kelle und Pinsel Stück für Stück freilegten. Auch etliche sogenannte Formsteine aus dem Gewölbe des Kreuzganges, der sich einst genau dort befand, wo jetzt gegraben wird, kamen mit ans Tageslicht. „Natürlich wollten wir wissen, wie breit der Kreuzgang einmal war, und legten dafür einen schmalen Suchschnitt vor der Kirchenmauer an. Jetzt haben wir das Ergebnis: Er war 2,5 Meter breit“, erklärt Kerstin Geßner.

Unterhalb von etwa 30 Zentimetern Ziegelschutt kam schließlich zutage, woran die Ausgräber kaum zu hoffen gewagt hatten: der ursprüngliche Fußboden des Kreuzganges, oder besser gesagt, was davon noch übrig geblieben ist. Nur wer vom Fach ist, wie das Archäologenteam aus Berlin, erkennt in den wenigen Ziegelsteinen in 1,30 Meter Tiefe den einstigen Bodenbelag.

Wenn die Befunde an der Kirchenmauer sorgsam vermessen, gezeichnet und fotografiert sind, steht gleich nebenan in der sogenannten „Brautkapelle“ bereits die nächste Untersuchung an. „Eigentlich handelt es sich hierbei um ein Pfortenhaus mit Zugängen aus allen Richtungen. Unter einer Schicht Erde entdeckten wir ein Steinpflaster aus dem 18. Jahrhundert. Besonders spannend ist für uns, was wir darunter finden werden “, erklärte Kerstin Geßner.

Von André Reichel

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