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Ostprignitz-Ruppin Geschichtsstunde über die Dosse
Lokales Ostprignitz-Ruppin Geschichtsstunde über die Dosse
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00:15 19.04.2017
So sah es hier also mal aus: Vergrößerungen von alten Fotos und auch Karten halfen den Gästen bei der Orientierung. Quelle: Wolfgang Hörmann
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Wusterhausen

Auf knapp 100 Kilometern fließt ein Flüsschen vom Nordrand der Prignitz in südlicher Richtung über Wittstock und durch eine Niederung bis nach Neustadt, um danach gen Westen abzuschwenken. Dann ist sein Weg zu Ende. Es mündet bei Vehlgast in die Havel. Auf der Strecke dorthin verhilft es auch dem Stadtnamen Wusterhausen hinter einem Schrägstrich zu der genaueren Beschreibung seiner Identität. Der Ort liegt „an der Dosse“, wie jeder lesen kann. Wer sich mit der Geschichte der Kommune an der Bundesstraße 5 näher beschäftigt, dabei alte Fotoaufnahmen aus den vergangenen 100 Jahren nutzen kann, dem schwant: Wusterhausen war einst von der Dosse nahezu „umzingelt“.

Dem einstigen Flusslauf folgend ging es durch die Dossestadt

Mitglieder des örtlichen Kulturvereins taten am Ostersonntag einiges dafür, diesen Eindruck noch zu verstärken. Bei ihrem 6. Osterspaziergang, der nach dem Gottesdienst an der Stadtkirche begann und in nördliche Richtung führte, wurden Spuren der einstigen Flussverläufe aufgenommen. „Stadtführer“ Roland Tille, Martin Freuling als „Müller Martin“ und als Salzfrauen gewandete Frauen aus dem Verein legten immer mal wieder Stopps ein, um über „so war’s damals an der Dosse“ zu informieren.

Roland Tille bewährte sich auch in diesem Jahr als Stadtführer durch Wusterhausen und erschien standesgemäß gekleidet. Quelle: Wolfgang Hörmann

Halt gemacht wurde zunächst am Mühlengang, einem einst wichtigen Gässchen, danach auf dem Schulgelände. Dort erinnerte Bärbel Hartwig an einen der wichtigsten archäologischen Funde, die je in Wusterhausen gemacht wurden: Beim Schachten für den Neubau der heutigen Astrid-Lindgren-Grundschule entdeckte Bodendenkmalpfleger Manfred Teske jenen Einbaum, der heute als ein Kernstück das Wegemuseum ziert.

„Müller Martin“, alias Martin Freuling, und Lieselotte Bolle. Quelle: Wolfgang Hörmann

Nebenbei fielen am Sonntag bewundernde Blicke auf den roten Backsteinbau der ehemaligen Schule nebenan, errichtet 1905. Wenn das Rathaus umgebaut wird, ist es vorübergehend Heimstatt der Gemeindeverwaltung und perspektivisch als Depot für das Museum vorstellbar. Die etwa 60 „Osterwanderer“ hatten es vom Schulhof nicht weit bis zum Hotel „Mühlenhof“. Dort empfingen sie „Müller Martin“ und seine „Magd“ Lieselotte Bolle nicht nur mit kleinen fiesen Staubwolken aus Mehl, sondern vor allem interessanten Details über die Arbeit der einstigen Vierradmühle, die natürlich mit Dossewasser angetrieben wurde. Damit schloss sich der Kreis an diesem Vormittag gerade noch rechtzeitig, um vor dem nächsten Regenschauer im Herbst’schen Haus zu einem kleinen Imbiss einzukehren. Für Kinder gab es in den Bibliotheksräumen die Möglichkeiten, Ostereier anzumalen und zu basteln.

Im Anschluss gab es einen Imbiss von Marianne Golde (l.) ausgeschenkt. Quelle: Wolfgang Hörmann

Die Erwachsenen hatten sich bei Suppe, Kuchen, Würstchen und warmen Getränken noch so manches zu erzählen, zum Beispiel über das, was ihnen am Beginn des Spaziergangs Pfarrer Alexander Bothe berichtet hatte. „In Häppchen“ erzählt der Pfarrer traditionell bei den österlichen Anlässen immer über die altehrwürdige Kirche. Aktuell ging es diesmal um die drei Glocken aus dem Jahr 1765 und darum, weshalb davon gegenwärtig nur zwei läuten dürfen.

„Bei der mittleren Glocke muss die Aufhängung erneuert werden. Das soll noch in diesem Jahr geschehen, hängt aber vom Beschluss des Gemeindekirchenrates ab“, sagte Bothe, um gleich noch eine zweite gute Nachricht hinterherzuschicken: Von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz habe er die Nachricht bekommen, dass die Erneuerung beider Turmportale finanziell abgesichert sei. „Wir bekommen die dafür benötigten 25 000 Euro, ohne einen Eigenanteil beisteuern zu müssen.“ Solche frohen Botschaften könnte es häufiger geben, war man sich später beim Mittagsmahl einig. Dafür müsste es nicht erst Ostern werden.

Von Wolfgang Hörmann

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