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Geschimpft und gekontert

Wittstock Geschimpft und gekontert

Ein Argumentationstraining gegen Stammtischparolen sollte den Teilnehmern in Wittstock mehr Selbstvertrauen in Gesprächssituationen vermitteln. Referent Moritz Kirchner war 2015 immerhin Deutscher Vize-Meister im Debattieren.

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Der Meister des gesprochenen Wortes: Verhaltens- und Kommunikationstrainer Moritz Kirchner.

Quelle: Björn Wagener

Wittstock. Plötzlich entsteht eine Pause. Nichts geht mehr. „Also, ich bin jetzt irgendwie raus“, gibt Moritz Kirchners Gegenüber zu. Er war im Gespräch mit der Frau zuvor aber auch nicht zimperlich gewesen. Flüchtlings- und Merkelfeindliche Parolen sprudelten nur so aus ihm heraus. Vor Beginn seiner Tirade hatte er sich vorsorglich entschuldigt, dass diese Meinungen nicht seine persönlichen Auffassungen wiedergäben, sondern nur der Übung dienten.

Schließlich ging es am Dienstagnachmittag im Wohngebietstreff in der Clara-Zetkin-Straße in Wittstock vier Stunden lang darum, wie man in Diskussionsrunden auf Stammtischparolen angemessen reagieren kann. Denn in solchen Gesprächen halten sich Menschen, die anderer Meinung sind, oft zurück oder verzichten ganz auf eine Widerrede.

Für mehr Selbstvertrauen

Um in derartigen Situationen mehr Selbstvertrauen zu gewinnen, war Moritz Kirchner auf Einladung des Verbandes Der Paritätische nach Wittstock gekommen. Er ist nicht nur Diplom-Psychologe, Verhaltens- und Kommunikationstrainer, sondern auch Deutscher Meister im Debattieren 2015 – oder „Quatschen“, wie er selbst sagt.

Dass dieses „Quatschen“ aber so manche Fallstricke bereit halten kann, wurde spätestens deutlich, als eine Diskussion um die Unterbringung von Flüchtlingen in Senftenberg angeschaut und analysiert wurde. Sie war aus dem Ruder geraten und daher ein Paradebeispiel für Fehler bei der Gesprächsführung, die schon damit begannen, dass es keinen Moderator gab. Da kochten Emotionen und Ängste hoch. Es kam sogar zu einer spontanen Abstimmung darüber, wer gegen die Unterbringung von Flüchtlingen sei.

Aber wie macht man es denn nun richtig, wenn man mitten in einer solchen Situation steckt oder auch nur einem Gesprächspartner im Bekannten- oder Kollegenkreis gegenübersitzt, der sich mächtig in Rage geredet hat? Eine wichtige Grundregel laute dann: Erst mal einen allgemeinen Grundkonsens herstellen und den Gesprächspartner beim kleinsten gemeinsamen Nenner „abholen“. Beispiel: Auf die Aussage: „Also, was da in Köln letztes Jahr Silvester passiert ist, man müsste das ganze Negerpack rausschmeißen“, wäre eine gute Antwort: „So etwas ist natürlich unentschuldbar und darf nicht passieren. Das ist klar.“ Erst dann Fakten im Detail folgen lassen.

Selektive Umarmung

Gerade wenn es um Ängste geht, etwa um die persönliche Sicherheit oder die der eigenen Kinder, sei dieser kleine Schritt des Entgegenkommens, die sogenannte selektive Umarmungsstrategie, sehr wichtig, um Spannung und Schärfe herauszunehmen und den Gesprächspartner emotional aufnahmebereit zu halten. Was passiert, wenn genau das nicht geschieht, wurde während der Diskussion in Senftenberg deutlich. Ein Lokalpolitiker hatte alle vorgebrachten Ängste ignoriert und war in einen schlichten Informationsmodus gewechselt, wodurch sich die Besucher nicht ernst genommen fühlten und weiter Öl ins Geschehen gegossen wurde.

Auch Körpersprache entscheidend

Aber auch die Körpersprache sei oft entscheidend, so Moritz Kirchner. Verschränkte Arme oder eine Geste mit der nach innen abgewinkelten vorgestreckten Hand seien deutliche Zeichen der eigenen Abgrenzung. Und: Auch wer pro Flüchtlinge argumentiert, bringt eine Diskussion nicht unbedingt voran, wenn er es in aggressiver Weise tut. Denn das provoziere immer auch die Aggression der Gegenseite. Außerdem sollte nie länger als 90 Sekunden gesprochen werden. Die Teilnehmer in Wittstock gingen bei den praktischen Diskussionsübungen ganz unterschiedlich vor – von zurückhaltend über sachlich bis eloquent. In einem Fall fühlte sich Kirchner sogar „totgequatscht.“

Von Björn Wagener

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