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Gesine Lötzsch las im Bürgerhaus

Blumenthal Gesine Lötzsch las im Bürgerhaus

Die Linke Bundestagsabgeordnete plauderte aus dem Nähkästchen.

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Gesine Lötzsch erzählte und las aus ihrem Buch.

Quelle: Christamaria Ruch

Blumenthal. Wenn der Haushaltsausschuss des Bundestages tagt, kann es schnell so voll werden wie in der Berliner S-Bahn. Doch einen Unterschied gibt es: In der S-Bahn ist der Geräuschpegel geringer. Diese und andere Details brachte die Bundestagsabgeordnete Gesine Lötzsch (Die Linke) am Donnerstagabend im Bürgerhaus in Blumenthal zu Gehör.

Seit 2002 vertritt sie mit einem Direktmandat ihren Wahlkreis Berlin Lichtenberg und ist seit 2014 Vorsitzende des Haushaltsausschusses. In Blumenthal stand Gesine Lötzsch im Gespräch mit Heiligengrabes Bürgermeister Holger Kippenahn (Die Linke) und las einige Passagen aus ihrem Buch „Immer schön auf Augenhöhe bleiben.“ „Es wird sehr offen zugehen, ohne Netz und doppelten Boden“, stellte Kippenhahn in Aussicht. Allerdings folgten nur 14 Besucher der Einladung. Außerdem fehlte die richtige Atmosphäre im Raum, da sich im Hintergrund des Podiums Tische und Stühle stapelten.

Quelle: Christamaria Ruch

Zum Warmwerden holte Kippenhahn das DDR-Kinderbuch „Das Mädchen hieß Gesine“ hervor und spielte auf die Namensgleichheit an. „Ja, das Buch habe ich heiß geliebt“, so Gesine Lötzsch. Schon leitete sie den Ursprung her: Gesine stammt von Gertrud, was so viel wie die Speertragende heißt und von Kampfesfreude zeugt. Kurz vor dem Mauerbau im Jahre 1961 kam sie in Berlin zur Welt. Die ausgebildete Lehrerin für Englisch und Deutsch besetzte außerdem ein Nischenfach beim Studium. Sie gehört zu den wenigen, die in den 1980er Jahren Niederlandistik lernte. In diesem Zuge konnte sie bereits vor dem Mauerfall nach Holland und Belgien reisen. Sie parierte die Frage Kippenhahns nach den Versuchungen der Coffeeshops: „Nein, das habe ich gemieden, das war mir zu riskant.“

Seit 1984 Parteimitglied

Seit 1984 ist Gesine Lötzsch Parteimitglied „und durchlief von der SED bis zu Die Linke alle Zeiten und Parteinamen.“ Gerade erst holte sie zum fünften Mal in Folge das Direktmandat in Berlin Lichtenberg. Lang und breit ging sie auf Rituale, Gewohnheitsrechte oder Umgangsformen im Bundestag ein.

Tomatenpflanzen der Sorte „Harzfeuer“

Dabei sparte sie nicht mit Kritik an den anderen Parteien, und wie sie vor allem gemeinsam mit einer Genossin die Zeit als fraktionslose Abgeordnete von 2002 bis 2005 überstand. „Das Ausgrenzen unserer Partei war das Ziel, aber es wurde das Gegenteil erreicht.“ Die Balance zwischen parlamentarischer Arbeit und Wahlkreisaufgaben hält sie gut aus. „Bei mir sind das kurze Wege innerhalb von Berlin.“ Seit 2007 verteilt sie im Wahlkreis öffentlichkeitswirksam Tomatenpflanzen der Sorte „Harzfeuer.“ Damit spielt sie auf soziale Probleme und die Hartz-Gesetze an. „Ich wünsche mir, dass linke Politik schnell Früchte trägt“, fasste sie zusammen.

Parteilehrjahr in anderer Form

Beim Gespräch mit den Besuchern in Blumenthal landeten die Fragen schnell bei der großen Politik und wie es nun in dem neuen und erstmals sechs Parteien umfassenden Bundestag weiter geht. Ein Gast wollte zunächst wissen, ob es noch heute das Parteilehrjahr gibt und welche Klassiker die Genossen lesen. Erstes wird heute in anderer Form angeboten und spätestens beim Beginn der Finanzkrise 2008 war auf einmal der Parteiklassiker „Das Kapital“ von Karl Marx ausverkauft.

Von Christamaria Ruch

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