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Ostprignitz-Ruppin Gewalttätige Familie ist ein Problem in Wittstock
Lokales Ostprignitz-Ruppin Gewalttätige Familie ist ein Problem in Wittstock
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14:53 20.03.2018
Hier auf dem Marktplatz Wittstock hatten vier junge Tschetschenen deutsche Jugendliche angegriffen. Quelle: Björn Wagener
Wittstock

„Es ist ein Problem. Hier ist der Rechtsstaat gefordert“, sagt Polizei-Sprecher Toralf Reinhardt. Denn das, was da kürzlich in Wittstock passierte, gehe nicht nur die Polizei etwas an. Was war geschehen? Am Samstagabend hatten vier junge Tschetschenen – zwei Jungen und zwei Mädchen – eine vierköpfige Gruppe von deutschen Jugendlichen auf dem Wittstocker Marktplatz angegriffen, weil sich die Tschetschenen nach Polizeiangaben „durch ein Räuspern“ provoziert gefühlt hätten. Der Versuch einer Vergeltungsaktion der Deutschen am Wohnort der Tschetschenen sei zwar ins Leere gelaufen, jedoch kam es später noch einmal zu einem Zusammentreffen mit dem Vater der Tschetschenen auf dem Marktplatz, bei der dieser seinem Gegenüber eine „Kopfnuss“ verpasst habe, so die Polizei. Das ist nicht die erste Auseinandersetzung dieser Art auf dem Wittstocker Marktplatz. Bereits am 21. Oktober 2017 hatten sich Tschetschenen, die dort eine Hochzeit feierten, von einem betrunkenen Mann gestört gefühlt und ihm ins Gesicht geschlagen.

Achtköpfige Familie macht Probleme

Immer wieder Tschetschenen – was ist los in Wittstock? „Es geht dabei konkret um eine achtköpfige Familie mit Kindern im jugendlichen Alter von 14 bis 21 Jahren, die der Polizei schon länger bekannt ist“, sagt Sprecher Toralf Reinhardt. Sie habe zunächst in Wusterhausen, dann in Rheinsberg gelebt – und sei nun in Wittstock angekommen. Gegen die Mitglieder liefen mehrere Strafverfahren – gefährliche Körperverletzung, Körperverletzung, Ladendiebstähle, Hausfriedenbruch. Zu einer Abschiebung haben diese laut Polizei insgesamt „minderschweren“ Delikte jedoch bisher nicht geführt.

Polizeisprecher: „Nicht länger ein Auge zudrücken“

Toralf Reinhardt appelliert an die Politik, Behörden und die Justiz, nicht länger „ein Auge zuzudrücken“, damit eine langfristige Lösung gefunden werden kann. Denn die Polizei habe lediglich die Möglichkeit, Straftäter so lange in Gewahrsam zu nehmen, wie sie eine unmittelbare Gefahr darstellen. Spätestens am Tag danach müsse man sie wieder laufen lassen. Die Tschetschenen-Familie in Wittstock habe einen starken sozialen Zusammenhalt und würde sich bei Problemen auch rasch mit Ihresgleichen solidarisieren. Sie seien zudem „gewalterfahren“ und ein „anderes System“ von Zuhause gewöhnt. „Permanenter Druck“ und ein koordiniertes Zusammenwirken mit der Ausländerbehörde seien nötig, so Reinhardt. Die Mitglieder der Gruppe von Deutschen, die angegriffen wurde, seien allerdings ebenfalls „zum Teil polizeibekannt“.

Bürgermeister: „Gleiches Recht und gleiche Strafe für alle“

„Wer in Deutschland lebt, muss sich gegebenenfalls auch der Strafverfolgung aussetzen“, sagt Wittstocks Bürgermeister Jörg Gehrmann dazu. Dabei gelte „gleiches Recht und gleiche Strafe für alle. Wer sich hier nicht nach unseren Normen verhält, muss bestraft werden, egal, welcher Herkunft er ist“. Der Fall zeige aber auch, dass eine schnelle Entscheidung zum Aufenthaltsstatus von Asylbewerbern dringend nötig sei.

Superintendent: „Sache der Ermittlungsbehörden“

„Wenn Straftaten mit körperlicher Gewalt passieren, dann ist das zunächst einmal Sache der Ermittlungsbehörden“, sagt Matthias Puppe vom Aktionsbündnis „Wittstock bekennt Farbe“. „Ich maße mir nicht an, das in irgendeiner Weise zu beurteilen. Wer weiß, was da im Detail gelaufen ist.“ Es sei „relativ egal“, wer gegenüber wem gewalttätig wird. „Wir treten als Bündnis dafür ein, dass man jede Art von Auseinandersetzung gewaltfrei löst.“

Sozialarbeiterin: „Nicht alle über einen Kamm scheren“

Hille Heinecke ist Sozialarbeiterin an der Wittstocker Waldring-Grundschule. Sie kenne nur einen einzigen tschetschenischen Jugendlichen. Er besuche die Polthier-Oberschule und einen Deutsch-Kurs an der Waldring-Grundschule. Sie beschreibt ihn als „ganz unauffällig“. Allerdings habe sie bei Zusammenkünften mit anderen Sozialarbeitern aus der Region gehört, dass es mit Tschetschenen „mehr Probleme als mit anderen“ gebe. Sie wolle aber keinesfalls, dass nun mit Fingern auf Tschetschenen gezeigt werde oder sich aus den Vorfällen gar eine Angriffsfläche für Rechtsradikale ergebe. Man dürfe „nicht alle über einen Kamm scheren“. Das betont auch Toralf Reinhardt: „Es gibt viele andere Tschetschenen, die keine Probleme machen“.

Polizei warnt: „Nicht den Helden spielen“

Grundsätzlich rät die Polizei: Wer tätlich angegriffen wird, sollte möglichst „Abstand zum Angreifer“ wahren und die Polizei über den Notruf 110 wählen, so Reinhardt. Auch ein lauter Hilferuf sei empfehlenswert. Man solle immer versuchen, einer Schlägerei aus dem Weg zu gehen und „nicht den Helden zu spielen“. Sollte eine Konfrontation dennoch unvermeidlich sein, sei Notwehr zulässig. Sie dürfe „in Maßen“ sogar die Intensität des Angriffs übersteigen.

Von Björn Wagener

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