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Gewerkschaft drängt auf Tarif bei Euromar

Fehrbellin Gewerkschaft drängt auf Tarif bei Euromar

Einen Vorstoß für eine bessere Bezahlung in der Fehrbelliner Kakaofabrik gab es schon einmal. Jetzt will die Gewerkschaft nach dem Verkauf des insolventen Unternehmens den neuen Besitzern etwas Zeit geben, um die wichtigsten Dinge zu regeln – dann aber erneut zur Aufnahme von Tarifverhandlungen drängen.

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2015 wollten Euromar-Mitarbeiter den Tarifvertrag erkämpfen.

Quelle: foto: Vogel

Fehrbellin. Das Hauptziel sei mit dem Verkauf des Fehrbelliner Unternehmens Euromar an die Schweizer Ecom-Gruppe zwar erreicht, sagt Funda Uygur von der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG). Denn damit ist nicht nur die Sicherung des Standorts, sondern auch die Übernahme aller 121 Arbeitnehmer gelungen. Die Gewerkschafterin sieht aber weiteren, dringenden Handlungsbedarf in Fehrbellin.

Denn die Beschäftigten bekommen in der Kakaofabrik auch unter der Flagge des neuen Eigentümers viel weniger Geld als andere Arbeitnehmer der Branche. „Sie verdienen etwa 20 Prozent unter dem, was sonst in der ostdeutschen Süßwarenindustrie gezahlt wird“, berichtet Uygur. „Da muss was passieren.“

Der Grund dafür: In der Kakaofabrik gibt es nach wie vor keinen Tarifvertrag. 2015 wollten viele Euromar-Beschäftigten wegen der ihrer Ansicht nach schlechten Bezahlung die Chefetage zur Aufnahme von Tarifverhandlungen zwingen und sind dafür lautstark auf die Straße gegangen. Viel gebracht hat das nicht: Statt einer einheitlichen Anpassung gab es interne Verhandlungen mit dem Betriebsrat und individuelle Verträge mit den Mitarbeitern – ohne eine offizielle Tarifzusage (die MAZ berichtete). Danach kam im Dezember 2016 die Insolvenz – und die Tariffragen standen nicht mehr an erster Stelle, berichtet Funda Uygur.

Stattdessen habe sich die Gewerkschaft gemeinsam mit dem Betriebsrat daraufhin gemeinsam mit dem Insolvenzverwalter Rolf Rattunde um die Rettung von Euromar bemüht. Dass so schnell ein neuer Investor gefunden wurde, lag daran, dass die Firma über seltene Zertifizierungen und spezielle Maschinen verfügt, nicht zuletzt aber auch am Engagement der Mitarbeiter, so die Gewerkschafterin. Diese haben zum einen den Produktionsstillstand genutzt, um Resturlaub oder Überstunden abzubauen. Zum anderen haben sie sich um die Anlagen gekümmert und waren immer zur Stelle, wenn es Zusatzaufgaben gab, lobt Uygur. Unentgeltlich mussten die Beschäftigten diese Arbeit nicht verrichten: Drei Monate lang haben sie das sogenannte Insolvenzgeld von der Arbeitsagentur erhalten, danach vom Insolvenzverwalter Lohn ausgezahlt bekommen. Dass die Zahl der Mitarbeiter seit dem Insolvenzantrag von 130 auf 121 geschrumpft ist, hält die Gewerkschafterin nicht für außergewöhnlich. „Das ist eine ganz normale, eher geringe als hohe Fluktuation.“

Bevor die Gewerkschaft nun die neuen Euromar-Eigentümer, die sich in Fehrbellin bereits vorgestellt haben, zu Tarifverhandlungen auffordert, will sie ihnen „Zeit zum Ankommen“ lassen, kündigt Funda Uygur an. Aus ihrer Sicht sollten einige Wochen dafür reichen.

Von Celina Aniol

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