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Ostprignitz-Ruppin Giesenhorster Afro-Briten
Lokales Ostprignitz-Ruppin Giesenhorster Afro-Briten
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00:27 15.01.2016
Bock „Waldi“ ist Dreiviertel-Amerikaner, ein (ziemlich streng riechender) Schmusebär und Karin von Amelunxens ganzer Stolz. Quelle: Beckmann
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Giesenhorst

Sie heißen Eline, Clair und Hinde, Hannibal oder Wild Wind, genannt Waldi. Sie sind hierzulande echte Exoten und der ganze Stolz von Karin von Amelunxen in Giesenhorst (Amt Neustadt). Anglo-Nubier heißt die Ziegenrasse, deren Zucht sich die Giesenhorsterin auf ihrem „Capricorn-Hof“ voll und ganz verschrieben hat.

Vor wenigen Wochen kamen die ersten beiden Lämmchen der neuen Saison putzmunter auf die Welt – mitten im Winter. Die afro-britischen Paarhufer sind auch bei so etwas eigen. „So um den 20. Januar herum geht das Ablammen richtig los“, weiß die Züchterin.

Vor gut 15 Jahren übernahmen Karin und Hilmar von Amelunxen das damals recht heruntergekommene Gehöft in dem Dreetzer Ortsteil. Lange waren die beiden Sauerländer auf der Immobiliensuche gewesen. Die gelernte Pferdewirtschaftsmeisterin träumte von Platz für Pferde. Als Diplom-Agraringenieur hat auch ihr Mann eine enge Verbindung zur Landwirtschaft. „Eigentlich war Mecklenburg-Vorpommern geplant“, erzählt Karin von Amelunxen. „Aber dann ist es eben Brandenburg geworden. Und wir sind glücklich hier“, setzt sie hinzu. „Wir sind hier sehr gut aufgenommen worden.“

Eine Leidenschaft für Ziegen hegte die 60-Jährige schon seit langem. „Wir hatten im Sauerland schon Ziegen. Ich fand sie einfach toll.“ Über Jahre stand aber anderes im Vordergrund.

Die Ziegen-Lämmer sind putzmunter. Quelle: Alexander Beckmann

„Wir mussten auch mal Geld verdienen.“ In Giesenhorst wurde die Passion endlich zur Realität – wenn auch als reines Hobby. „Wenn man damit Gewinn machen wollte, könnte man die Tiere nicht so halten, wie wir das wollen“, sagt Hilmar von Amelunxen.

Der Begriff „Hobby“ verleitet zu einem falschen Eindruck. In Giesenhorst stehen nicht einfach mal ein paar Ziegen auf der Weide. Rund 40 Tiere nennen die beiden Landwirte inzwischen ihr Eigen. So ganz genau haben sie die Zahl selbst nicht parat – obwohl Karin von Amelunxen versichert, dass jede Ziege einen Namen trägt. Das Futter bauen die Giesenhorster selbst an. Die Halle eines ehemaligen Sägewerkes haben sie zum Unterstand umfunktioniert: Ziegen sind grundsätzlich recht robust, aber Feuchtigkeit bekommt ihnen nicht.

Außerdem handelt es sich um eine zumindest regional wirklich seltene Rasse. In Berlin und Brandenburg widmen sich vielleicht fünf Züchter den Anglo-Nubiern. „Als ich anfing, war es sehr schwierig, Herdbuchtiere zu bekommen“, erzählt die Züchterin. Sie bereut es nicht, sich auf die Exoten eingelassen zu haben. „Sie sind schön und sie sind nett.“

Und wirklich: Menschen gegenüber erweisen sich die für ihre Art sehr großen Tiere als äußerst aufgeschlossen. Sie fordern Aufmerksamkeit und Streicheleinheiten. Selbst mit den drei riesigen Herdenschutzhunden des Hofes pflegen sie ausgesprochen vertrauten Umgang.

Im Grunde sei die Wahl der Rasse eine rein persönliche Entscheidung, versichert Karin von Amelunxen. „Es ist ein bisschen wie mit Hunden: Warum gefällt dem einen der Dackel und dem anderen der Schäferhund?“

Gefragt sind die Tiere vom Amelunxen’schen „Capricorn-Hof“ aber durchaus. Die Anglo-Nubier gelten als hervorragende Milchlieferanten und werden gern in andere Bestände eingekreuzt. „Bisher hätten wir immer mehr verkaufen können, als da waren“, sagt Karin von Amelunxen. Die Zucht befinde sich im Aufwind. „Ziegenprodukte sind sehr gefragt.“

Allerdings bergen die Anglo-Nubier auch spezielle Herausforderungen. Weil die Rasse in Deutschland so selten ist, kann die Auffrischung des Genpools zum Problem werden. „Wir haben schon versucht, Tiere aus Kanada oder Australien zu importieren, aber das scheitert momentan am EU-Recht.“ Auch aus England oder Holland sei der Import aufgrund von Formalitäten schwierig. „Deshalb haben wir mit dem Sonnenhof in Wiesenaue im Havelland auch eine Züchtergemeinschaft gebildet“, berichtet Karin von Amelunxen. So könne man zumindest untereinander jederzeit Zuchtböcke austauschen.

Und die haben in der vergangenen Decksaison richtig gute Arbeit geleistet. Die Züchterin rechnet in den nächsten Wochen mit rund 30 Lämmern. Bringt eine Ziege mehr als zwei zugleich auf die Welt – bei den Anglo-Nubiern ist das keine Seltenheit – dann muss Karin von Amelunxen von Hand zufüttern. „Ich hatte hier schon mehrfach am Tag 15 Flaschen stehen.“ Eine Menge Arbeit für ein Hobby. Und offenbar eine Menge Glück.

Von Alexander Beckmann

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