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Gildenhall: Eltern wollen den Schulhort retten

Neuruppin verschiebt Sanierung seit Jahren Gildenhall: Eltern wollen den Schulhort retten

In Gildenhall machen sich immer mehr Eltern Sorgen um die Zukunft des Schulhortes. Seit Jahren verschiebt die Stadt Neuruppin die Sanierung des maroden Gebäudes immer wieder. Inzwischen ist das Haus sogar teilweise gesperrt. Ohne Hort wäre auch die Grundschule bedroht. Jetzt formieren sich Eltern zum Widerstand.

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Das Hortgebäude ist seit Jahren in einem schlechten Zustand.

Gildenhall. Die Angst der Eltern nimmt zu. In Gildenhall schließen sich gerade Mütter und Väter zusammen, um für den Erhalt ihres Hortes und für den Schulstandort zu demonstrieren. Grund dafür ist ein Gerücht, die Stadt Neuruppin habe die für 2017 geplante Sanierung des völlig heruntergekommenen Schulhortes überraschend abgesagt. Das würde die Zukunft der gesamten Grundschule infrage stellen. Elternvertreter wollen das nicht hinnehmen.

Aufgekommen ist das Gerücht offenbar, nachdem Mitarbeiter des Bau- und des Schulamtes sich vor einigen Tagen ein Bild von der Lage im Gildenhaller Schulhort gemacht hatten. Wie heruntergewirtschaftet der Hort am See ist, ist im Neuruppiner Rathaus seit Jahren bekannt. Mehrfach schon stand eine Sanierung im Haushalt, wurde dann aber doch wieder gestrichen, weil das Geld für andere Projekte dringender gebraucht wurde. Jetzt steht die Fontanestadt unter Druck: Der Hort hat in seiner jetzigen Form nur bis zum Sommer 2016 eine Betriebserlaubnis. Wenn Neuruppin nicht schnell einen Sanierungsplan vorlegt, gibt es keine Verlängerung (die MAZ berichtete). „Aber welche Eltern können sich eine Grundschule ohne Hort leisten?“, fragt Elternsprecherin Manuela Brauer. Viele Mütter und Väter sind darauf angewiesen, dass ihre Kinder auch nach dem Unterricht betreut werden.

100 Kinder nur per Ausnahmegenehmigung

Erst vor wenigen Wochen hatte Neuruppins Bildungsdezernent Thomas Fengler in einer Mitteilung für die Stadtverordneten angemahnt, dass in Gildenhall zwingend etwas passieren muss. Dass der Schulhort zurzeit überhaupt 100 Kinder aufnehmen darf, verdankt die Stadt einer Ausnahmeerlaubnis des Landes. Die hat das zuständige Landesamt allerdings nur für ein Jahr erteilt – beantragt hatte Neuruppin die Erlaubnis für drei Jahre. Doch darauf ließ sich das Land angesichts des Zustands in Gildenhall nicht ein.

Untergebracht ist der Schulhort in dem Gebäude, das in den 20er Jahren ursprünglich als hochmoderner Ausstellungspavillon für die Handwerkersiedlung Gildenhall errichtet wurde. Allerdings ist seitdem so wenig investiert worden, dass inzwischen nur noch ein Teil des Gebäudes überhaupt genutzt werden darf. Die oberste Etage ist gesperrt, weil die alten Fußböden nicht mehr sicher sind. Für den Schulhort stehen nur noch das Erdgeschoss und die erste Etage zur Verfügung. Und auch die sind heruntergewirtschaftet. Bis vor einem Jahr mussten die Kinder aus dem Anbau im Sommer wie im Winter über den Schulhof, um zur Toilette zu kommen. Jahrelang hatten Eltern dafür gekämpft, dass die Stadt eine Tür einbaut, die den einen Gebäudeteil mit dem anderen verbindet. Erst vor Kurzem hat das geklappt.

Zukunft von Hort und Schule ist ungewiss

Keiner weiß so richtig, was mit dem Hort und der Schule wird, und genau darin liegt das Problem. „Man erfährt von der Stadt nichts Genaues“, sagt Manuela Brauer. Die Eltern sind zunehmend verunsichert, jetzt gehen sie auf die Barrikaden. Für Dienstagabend ist eine außerordentliche Elternversammlung geplant. Von einer Unterschriftensammlung ist die Rede, von Plakaten, von Briefen an die Stadtverordneten. Oberstes Ziel ist, den Hort und die Schule in Gildenhall zu erhalten.

Beim Tag des offenen Denkmals vor zwei Wochen konnten sich die Besucher selbst ein Bild vom miserablen Zustand der Räume machen. Nur eine schmale Treppe führt nach oben, einen zweiten Fluchtweg gibt es nicht, obwohl der eigentlich zwingend vorgeschrieben ist in einem solchen öffentlichen Gebäude. Seit Jahrzehnten scheint das Gebäude nicht renoviert worden zu sein.

Geschätzte Sanierungskosten: eine Million Euro

Wie teuer eine Sanierung wäre, konnte bisher niemand sagen. Amtsleiter Maik Buschmann kann sich vorstellen, dass eine Million Euro nötig wären, um alles so zu sanieren, dass die Landesbehörde die Betriebserlaubnis auf Dauer verlängert.

Eltern fürchten, dass die Stadt wegen der enormen Kosten nicht nur auf die Sanierung des Hortes verzichtet. Einige glauben inzwischen sogar, dass die Schule Gildenhall möglicherweise ganz vor dem Aus steht.

Das dementiert Rathaussprecherin Michaela Ott. Die Stadtverwaltung werde die Sanierung in den Entwurf des Stadthaushalt schreiben, sagt sie: „Ziel einer umfassenden Sanierungsmaßnahme wäre eine Erweiterung der Raumkapazität, indem die zweite Etage wieder nutzbar gemacht und damit genügend Fläche für die pädagogische Arbeit zur Verfügung gestellt werden würde.“ Beschließen müssen das letztlich aber die Stadtverordneten.

Die Eltern wollen am 12. Oktober auch in der Stadtverordnetenversammlung für die Schule demonstrieren. „Wenn wir jetzt keinen Druck machen, fliegt das aus dem Haushalt wieder raus“, fürchtet Manuela Brauer. Das wäre aus ihrer Sicht „eine Katastrophe“.

Von Reyk Grunow

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