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Ostprignitz-Ruppin Gisela Oechelhaeuser in Rheinsberg
Lokales Ostprignitz-Ruppin Gisela Oechelhaeuser in Rheinsberg
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17:36 05.04.2018
Gisela Oechelhaeuser bei ihrem Kabarett-Abend in Rheinsberg. Quelle: Regine Buddeke
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Rheinsberg

„Das ist heute die Entjungferung“, sagt die Kabarettistin Gisela Oechelhaeuser über den Abend, an dem sie ihr allerneuestes Programm voraufführt. Mit im Gepäck sind denn auch das Textbuch und eine Souffleuse, die dann und wann das Stichwort geben muss. 50 Gäste sind in die Musikbrennerei gekommen, um der ehemaligen „Distel“-Chefin zu lauschen.

„Hallo, ich bin die Gisela, 71 Jahre alt und mache Kabarett“, stellt sie sich vor und lässt den Satz lustvoll noch einige Male folgen, bis das Publikum kichert. Es habe ihr schon zu denken gegeben, dass ihr einmal der Saal entgegengebrüllt habe: „Hallo Gisela.“ Das war in einer Entzugsklinik und ihr dämmerte schnell, dass das wohl anerzogen ist in einer solchen Runde. Klar werde sie oft gefragt, ob es denn nicht langsam reiche mit dem Kabarett, die Jüngste sei sie schließlich auch nicht mehr und andere in diesem Alter schon längst tot, plaudert sie frisch von der Leber weg, wie alles, was im Laufe des Abends noch zu hören sein wird. Gisela Oechelhaeuser spricht nicht, sie denkt laut – das allerdings in wohldosiertem Mix aus fein akzentuiert und volkstümlich von der Zunge gehüpft.

Polonaise und Punkte-Saufen will sie nicht

Nun grübelt sie über Alternativen nach: etwa den Ruhestand auf einem Kreuzfahrtschiff. Nicht etwa jedoch mit Polonaise und Punkte-Saufen, wie sie vehement sagt. Heutige Ü-70er seien allesamt Best-Ager und somit nur mit Hochkultur zu locken. Heino? Geht gar nicht – da müsse schon Helene Fischer ran. Und zwischendurch kollektives Fettabsaugen. Dann würden die silbersträhnigen Alt-68er im Fitness-Studio mit der Wasserflasche im Halfter wenigstens die sorgsam kultivierten Muskeln wieder sehen. „Alt werden ist klasse“, giggelt Oechelhaeuser. Fast scheint es, als hätte sie es noch gar nicht recht geschafft, ihr neues Programm so sacken zu lassen, dass sie es ohne Losprusten vortragen kann – sehr oft lächelt sie breit oder schüttet sich schier aus vor Lachen.

Eizellen hätte sie bestenfalls einwecken können

Dem Publikum gefällt’s und alle lachen fröhlich mit, wenn sie darüber sinniert, ob nun ein spätes Mutterglück noch in Frage käme. Eizellen habe sie damals leider nicht einfrieren können – das „social freezing“ sei zu ihrer Zeit noch nicht en vogue gewesen. „Ich hatte nicht mal ’nen Kühlschrank“, wettert sie. „Ich hätte meine Eizellen höchstens einwecken können.“ Und Spenden aus der Ukraine kämen nicht infrage. „Nachher hat man einen Separatistenführer im Buggy.“

Oechelhaeuser lässt nichts aus, das Thema Flüchtlinge kommt genauso dran wie Helikoptermütter. „Meinen Sie das wirklich ernst?“, werde sie oft gefragt. Das mache sie wahnsinnig. „Wieso gehen die Leute denn ins Kabarett, wenn ich bei jedem Satz erklären muss, wie ich den meine“, ereifert sie sich und ruft nach ihrer Gummizelle.

Von Regine Buddeke

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