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Glanzvolle Operngala in Rheinsberg

Kammeroper Schloss Rheinsberg Glanzvolle Operngala in Rheinsberg

Ob Tenor oder Bass, Sopran oder Alt, Solo oder Quartett – die jungen Sängerinnen und Sänger der diesjährigen Festivalsaison der Kammeroper Rheinsberg haben am Donnerstagabend ein Konzert der Extraklasse vorgelegt, das mit stürmischen Ovationen geehrt wurde.

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Eine Rheinsberger Premiere Yvonne Friedli, Graciela Rivera-Quiroz und Elizabeth Magnor als „Die drei Rheinsberger Soprane“.

Quelle: Peter Geisler

Rheinsberg. Der Name „(Un)erhörte Liebe“ trifft den Nagel auf den Kopf. Es ist im positiven Sinne unerhört, was die jungen Sänger der Kammeroper Schloss Rheinsberg bei der alljährlichen Operngala leisten. Es ist auch unerhörte Liebe zur Musik, die von den Akteuren auf der Bühne ausgeht und den Funken sofort überspringen lässt ins Publikum. So dass die Liebe gleichsam erhört wird. Ein unerhörter Glücksfall, dem am Donnerstagabend 600 Gäste im Rheinsberger Schlosshof, vor den zauberisch illuminierten Säulengängen lauschen durften.

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Die Liebe steht im Mittelpunkt aller Aufführungen der Saison 2015 der Kammeroper Schloss Rheinsberg. In der Operngala geht es um „(Un)erhörte Liebe“. Besungen werden Treue und Verrat, Leidenschaft und Moral, Liebesglück und verschmähte Liebe. Neben Arien und Ensembles aus großen, bekannten Werken, sind Raritäten der Opernliteratur zu hören.

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Bei der Operngala nach dem Empfang zu 25 Jahre Kammeroper stellen sich die jungen, schönen Stimmen der verschiedenen Kammeroper-Inszenierungen wie „Adriana“, „La Traviata“ oder „Der singende See“ vor, als ein Vorgeschmack auf die Kammeroper-Hörgenüsse der kommenden Wochen. Es sind die Besten der Besten aus dem internationalen Gesangswettbewerb, in dem jährlich die begehrten Rollen für die anstehende Opernsaison vergeben werden.

Den Reigen eröffnet Ilya Lapich mit der berühmten Figaro-Arie Rossinis. Allerdings muss er dafür mit Hilfe des Dirigenten des Brandenburgischen Staatsorchesters Frankfurt (Oder), David Marlow, der in Rheinsberg seinen Einstand gibt, den neuen Festivalchef Frank Matthus von der Bühne drängen. Matthus jun. bestreitet seine erste Saison als künstlerischer Leiter der Kammeroper. Er tritt in die Fußstapfen seines Vaters. Siegfried Matthus, einer der bedeutendsten zeitgenössischen deutschen Komponisten, hat die Kammeroper Schloss Rheinsberg 1991 gegründet und war seitdem ihr künstlerischer Leiter. Nun, inzwischen 81 Jahre alt, will er etwas kürzer treten.

Ilya Lapich als Figaro, hinten Dirigent David Marlow

Ilya Lapich als Figaro, hinten Dirigent David Marlow.

Quelle: Peter Geisler

Nun steht Sohn Frank als Moderator der Operngala auf der Bühne vor der zauberhaften Kulisse der Rheinsberger Schlosskolonaden und will dort einfach nicht wieder abgehen. Aufgebracht wedelt er mit seinem mehrseitigen Redemanuskript, empört darüber, dass das Orchester einfach anfängt zu spielen, und Figaro ihn von der Bühne drängt. Schnell wird klar: Alles nur Theater. Der neue Kammeroper-Chef, von Beruf Schauspieler und Regisseur, hat noch einige künstliche Pannen eingebaut, die das Publikum amüsieren.

Nach der koketten Svetlana Zlobina, die eine Rossini-Arie zwitschert, brilliert Alexander Babik als nachdenklicher Hoffmann mit Offenbachs Lied von „Klein Zack“. Ebenso brilliert das Publikum, das als Chor mitwirken darf. „So einen Riesenchor kann sich kein Staatstheater leisten“, frohlockt Matthus und der Dirigent lobt am Ende: „Sie sind engagiert.“ Dann kündigt der inzwischen wieder beruhigte Theaterdirektor Elizabeth Magnor als Gräfin an, auch das nicht ohne Schnitzer. Der im Programm angezeigte Cherubino sei nicht erschienen, haspelt er entschuldigend, während der Frauenküsser schon auf der Bühne steht und seine – pardon: ihre – Arie singt.

Ihr komödiantisches Talent beweist Daria Rositskaya noch einmal mehr im nachfolgenden Duett mit der Gräfin. Einen Geschlechtertausch gibt es auch danach, bei der berühmten „Habanera“ von Bizet. Die Carmen wird vom Countertenor Viktor Andriichenko gesungen – ein Vorgeschmack auf den Farfallino-Abend im Spiegelsaal. Nicht genug damit spielt er auch hinreißend Violine – und das, obwohl Matthus vorher versichert hat, dass ausschließlich Sänger und kein Instrumentalist die Bühne betreten werden. „Ich kann so nicht arbeiten“, ruft er augenrollend. „Eika, ich möchte jetzt endlich den genauen Programmablauf haben“, ruft er und rennt einmal mehr ins Off. Die Bühne ist frei für Guillermo Valdés, später J. Warren Mitchell mit einer Puccini-Arie. Ah und Oh-Rufe von Seiten der Zuhörer, in das sich das ein oder andere „Wahnsinn“ oder „Unwahrscheinlich“ mischt.

Kraftvoll und voll überschäumender Leidenschaft will sich der Tenor aus Amerika gerade mit Yvonne Friedli in einem Duett vereinen, als Frank Matthus‘ Pannen-Moderation ihren Höhepunkt erlebt: in Form eines Notfall-Hubschraubers, der die wunderbare Arie mit seinem ohrenbetäubenden Geknatter praktisch lahmlegt. „In Netzeband wollte ich mal einen Helikopter auf der Bühnenwiese landen lassen. Damals habe ich es nicht geschafft. Heute habe ich es nicht gewollt“, scherzt Matthus nach der notgedrungen vorgezogenen Pause.

Dann strahlen sie wieder: die Wiederholung der Tosca-Arie ist zum Niederknien, auch Alejandro Lárraga-Schleske beschwört mit seinem Don Carlo Jubelstürme herauf. „Den würde ich, so wie er ist, auf die Bühne stellen“, raunt ein Zuhörer seinem Nachbarn zu. Streng genommen könnte man das über alle Mitwirkende des Abends sagen – auch die folgenden Arien, Duette und Quartette sind Perlen und ganz große Oper. Nach den „drei Sopranen“ – die hat Frank Matthus sich gewünscht – folgt ein „magischer Moment“: traditionell singen alle Akteure gemeinsam „Der Mond ist aufgegangen“ – unter der Leitung des Kammeroper-Gründers Siegfried Matthus.

Von Regine Buddeke

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