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Ostprignitz-Ruppin Glyphosat-Debatte in Menz
Lokales Ostprignitz-Ruppin Glyphosat-Debatte in Menz
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00:19 29.02.2016
Das Pestizid ist für viele Landwirte unentbehrlich geworden. Quelle: dpa
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Menz

Es konnte nicht besser passen. Wer am Donnerstagabend mit dem Auto nach Menz fuhr, um sich den Film über die unterschätzte Gefahr des Unkrautvernichters Glyphosat anzusehen, konnte die brandheiße Nachricht im Autoradio hören: Das Umweltinstitut München hat Glyphosat in den 14 meistverkauften deutschen Biersorten nachgewiesen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sieht keine Gefahr. Die Weltgesundheitsorganisation hält das meist genutzte Pestizid aber für toxisch und krebserregend. Für viele Landwirte ist Glyphosat mittlerweile unentbehrlich. Mit den Folgen für Mensch und Tier, für die Böden und die biologische Vielfalt beschäftigt sich der Film „Gift im Acker“, der am Donnerstagabend in der Reihe Ökofilmtour in der Regionalwerkstatt Stechlin in Menz gezeigt wurde. Unter den 50 Besuchern waren auch Landwirte.

Seit vielen Jahren warnen Wissenschaftler vor den Langzeitschäden des Unkrautvernichters. Hersteller ist der Chemieriese Monsanto. Glyphosat ist billig und kann in jedem Gartengroßhandel erworben werden. Das BfR bewertet den Einsatz bislang als risikofrei und sieht auch beim Lieblingsgetränk der Deutschen keinen Handlungsbedarf.

Auch in zahlreichen Biersorten ist jetzt Glyphosat nachgewiesen worden. Quelle: dpa

In dem Dokumentarfilm besucht ein Reporterteam Landwirte, Tierärzte und Wissenschaftler, die diese Einschätzung anzweifeln. Im Film wird gezeigt, dass viele Bauern Zweifel an der angeblich harmlosen Wirkung des Mittels haben. Ein Schweinezüchter erzählt von zahlreichen Fehl- und Totgeburten in seinem Stall und holt aus der Kühltruhe die Beweisstücke. Er begann selbst zu experimentieren, verzichtete auf glyphosathaltiges Futter und stieg wieder auf Futter mit hohem Gehalt um. Das Ergebnis war für ihn eindeutig: Je höher die Dosis, desto größer war die Anzahl der Fehlgeburten. Zweifel sind inzwischen vielen Bauern gekommen, doch nicht alle bringen den Mut auf, darüber vor der Kamera zu sprechen. Ihre Einwände werden als unwissenschaftlich abgetan oder ihnen wird gedroht. Für den mächtigen Konzern Monsanto geht es schließlich um viel Geld. Langzeitstudien von Wissenschaftlern, die belegen, dass immer mehr Pflanzen Resistenzen entwickeln, dass Böden verseucht werden und das Wurzelwachstum zurückgeht, werden als unwissenschaftlich abgetan.

Naturschutzbund fordert Langzeitstudien

„Wir brauchen dringend Langzeitstudien“, sagte der Biologe Werner Kratz, zweiter Vorsitzender des Naturschutzbundes Brandenburg, im Filmgespräch nach der Vorführung. „Wir wollen nicht wissen, wie die Chemikalien innerhalb von 48 Stunden wirken, sondern wie sie die Lebensspanne eines Organismus beeinträchtigen.“ Er forderte zuverlässigere Zulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel.

Auch Frank Stieldorf, Geschäftsführer der Rheinsberger Preussenquelle, sieht die vielen Chemikalien auf den Äckern als Bedrohung der Artenvielfalt an. „Wenn ich bedenke, dass man ökologische Produkte heute als etwas Besonderes verkauft, dann ist doch irgendwo etwas schief gelaufen.“ Harald Zehmke, Geschäftsführer der Neugro-Agrarfirma, sieht im Glyphosat keine große Gefahr, wenn es richtig angewendet wird. Das bestätigten ihm Landwirte aus der Region, die sich im Gespräch zu Wort meldeten. Für die Bauern ist das Pestizid unentbehrlich geworden. Es ist preiswert, vernichtet Unkräuter, und dient zur Abreifebeschleunigung der Kulturpflanzen. Es kann mehrmals im Jahr ausgebracht werden.

Besucher äußern sich besorgt

Ursula Fricke aus Wolfsruh hat erhebliche Bedenken. Ihr Haus steht in unmittelbarer Feldnähe. „Dort kann ich beim Frühstück im Garten beobachten, wie gespritzt wird. Ich finde das alles sehr besorgniserregend“, sagte sie am Donnerstagabend. Mario Schrumpf, Leiter des Naturparks Stechlin-Ruppiner Land, verweist auf den ausgestopften Seeadler: „Er ist das beste Beispiel dafür, was passiert, wenn Wirkstoffe nicht richtig bewertet werden. Durch das Insektizid DDT sind seine Eier so weich geworden, dass sie beim Brüten zerdrückt wurden. Wir können den Landwirten keinen Vorwurf machen, aber wir müssen dafür sorgen, dass Zulassungsverfahren besser werden.“

Von Cornelia Felsch

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