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Götz Alsmann lädt an den Broadway ein

Neuruppin Götz Alsmann lädt an den Broadway ein

Sakko, Brille, Tolle: das ist Götz Alsmann, Deutschlands „König des Jazzschlagers“. Der einst dem französischen Chanson huldigte, auf deutsch, versteht sich. Und sich nun auf die großen Broadway-Evergreens gestürzt hat, die er ins Alsmann-Deutsche übertrug und in seinem Stil arrangiert hat. Das Ergebnis, eine perfekte Glamour-Show, stellte er in Neuruppin vor.

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Mit Brille und Tolle: Götz Alsmann liefert die perfekte Show.

Quelle: Regine Buddeke

Neuruppin. Man nennt ihn den König des deutschen Jazzschlagers. Er erhielt in dieser Kategorie Preise wie den Echo, den Louis-Armstrong-Gedächtnispreis, den Grimme-Preis oder die Goldene Stimmgabel. Er war Brillenträger des Jahres 2000 und Krawattenmann des Jahres 2004. Letztere trägt er zwar nicht bei seiner Donnerstagabend-Show in der Neuruppiner Kulturkirche – aber sonst ist alles so, wie man es kennt von Götz Alsmann, dem galant-charmanten Entertainer. Die Tolle sitzt, das Sakko auch. Die Stimme ist geölt und vor der Bühne drängen sich die Menschen – das Konzert ist ausverkauft.

Broadway – so heißt das Motto des Abends. Alsmann geht gern auf musikalische Weltreise – waren es 2011 noch die großen französischen Chansons, die der Sänger sich auf die Fahnen schrieb, ist er 2014 über den großen Teich gewechselt, um sich der großen Broadway-Evergreens von der Mitte der Dreißiger bis Mitte der Fünfziger Jahre anzunehmen. Große Songs aus legendären Musicals – von Größen wie Cole Porter, George Gershwin und Jerome Kern. Alsmann setzt indes nicht auf pures Covern – sein Markenzeichen ist es, die Songs auf Deutsch zu singen. Er dreht und wendet sie, verpasst ihnen den typischen Alsmann-Sound, den er scheinbar locker-fluffig aus Tasten und Kehle holt. Ihm zur Seite ein bewährtes Instrumentalisten-Team: Altfrid Sicking an Vibrafon und Trompete, Ingo Senst am Bass, Rudi Marhold am Schlagzeug und Percussionist Markus Paßlick. Alle fünf beeindrucken durch inspiriert-pointiertes Zusammenspiel – da passt jede Note bis aufs i-Tüpfelchen, jeder Trommelschlag ist akzentuiert, jedes Duett zwischen Alsmanns Piano und dem Vibrafon ist passgenau.

Götz Alsmanns beschwingtes Pianospiel ist das Salz in der Suppe

Götz Alsmanns beschwingtes Pianospiel ist das Salz in der Suppe.

Quelle: Regine Buddeke

Auch fürs Auge wird viel geboten. Alsmann, dessen geschmeidiger Stimme man auch gern zuhört, wenn er nicht singt, sondern zwischen den Titeln die Gäste mit Sprachgewalt und zungenbrecherischer Geschwindigkeit besoffen quatscht, erklärt das Outfit des Abends mit einer Kindheitserinnerung. Einstmals habe seine Mutter ihn zu einer Versandhaus-Modenschau geschleppt. Fasziniert habe ihn indes nur der Sänger, der in der Pause „mit sanfter Stimme Broadway-Perlen in deutscher Sprache sang“, so Alsmann. Am meisten habe ihn fasziniert, wie der Mann namens Big Bobby Bingo aussah: „Bonbonfarbenes Sakko mit schwarzem Samtkragen, frechem Samtschleifchen statt Krawatte – „Ich war begeistert! Und wollte fortan jeden Tag zur Modenschau“,
erinnert sich Alsmann und das Publikum lacht. Sein erster Gang in New York sei dann folgerichtig der zum besten Broadway-Schneider gewesen, um sich just dieses Outfit nähen zu lassen. „Wir behielten es gleich an“ – auch wenn schon bald die Bauarbeiter hinter der Band herpfiffen.

Das Publikum saugt die Anekdoten ein wie die Songs – der Abend ist in Glamour getaucht. Götz Alsmanns Stimme ist wandelbar – vom leisesten Flüstern über geschmeidiges Knurren gibt er alles, um die Broadway-Perlen zu süffigen Cocktails zu machen. Ab und an spielt er das Piano stehend, mit lockerem Hüftschwung oder großen Gesten. Das Publikum wickelt er gnadenlos ein – da drückt er gerne auf die Tube bis zum Anschlag. „Ihnen hier in Neuruppin muss ich ja nicht erzählen, dass …“ raunt er ein ums andere Mal und grient verschwörerisch. Das kommt genauso gut an, wie wenn er erzählt: etwa übers New Yorker Hotel „Manhattan View“. „Man kann sich vorstellen, dass das bei diesem Namen nicht in Manhattan steht.“ Manhattan habe man allenfalls sehen können, wenn man sich „in orthopädisch bedenklicher Drehung bis zur Schamhaargrenze aus dem Fenster gewunden hätte“. Klar, dass man im Mutterland der Klimaanlagen das Fenster nicht habe öffnen können. Gelächter im Saal.

Das Zusammenspiel der Musiker ist perfekt abgestimmt

Das Zusammenspiel der Musiker ist perfekt abgestimmt.

Quelle: Regine Buddeke

Er zieht sich auch selbst durch den Kakao, denkt laut über eine Tagträumerei im New Yorker Aufnahmestudio nach, in der er bei einem Casting vor Cole Porter, George Gershwin und – tada – Dieter Bohlen steht. Gekicher im Saal. Er, dessen „diffizil gearbeitete Arrangements ihm so geschmeidig aus den Fingern ins Piano fließen. Der sich auf der Bühne bewege wie eine Mischung aus Ozelot und Feuersalamander. Der Alsmann, was muss das für ein Tänzer sein?“, schwärmt er sich selbst in Ekstase. „Leider nein!“, knallt er trocken heraus. „Ich tanze, als hätte ich Betonstiefel an.“ Abermals Gelächter. Und Alsmann probiert einen kleinen Steptanz mit angedeutetem Sakko-Lupfen, das die Hosenträger enthüllt. Wer hat, der hat.

Zwei kurzweilige Stunden singt sich Alsmann durch die Welt des Broadway – mit Songs wie „Nature Boy“, „Blue Moon“, „Whatever Lola wants“ und „Broadway“ – natürlich auf Deutsch. Das Publikum jubelt um Zugaben – Alsmann zückt das Minibanjo und wird zum Cowboy.

Von Regine Buddeke

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