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Ostprignitz-Ruppin Goldbecker Weg wird zur Gefahr
Lokales Ostprignitz-Ruppin Goldbecker Weg wird zur Gefahr
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02:15 03.08.2015
An sich ist der Europäische Biber (Castor fiber) harmlos. Doch ab und an kann seine Bauwut zum Problem werden. Quelle: dpa
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Sieversdorf

„Sei bloß vorsichtig!“ Das ist der Rat, den in Sieversdorf jeder erhält, der den Goldbecker Weg nutzen will. Der mit Betonsteinen gepflasterte Feldweg wirkt auf den ersten Blick ganz komfortabel. Doch er birgt Gefahren. „Es bilden sich Riesenlöcher. Da kann man sich sogar mit dem Traktor überschlagen“, warnte Uwe Rutter bei der jüngsten Gemeindevertretersitzung. Der Gemeindevertreter ist Landwirt.

Bürgermeister Hermann Haacke kann ihm nur recht geben. Bis zu mannstiefe Einbrüche mit zwei Metern Durchmesser habe man schon beobachtet. Ohne Vorwarnung tun sich die Löcher auf, weil unter dem Pflaster einfach das Erdreich verschwunden ist.

Die Ursache dafür ist zweifelsfrei bekannt: Biber. Die Nagetiere haben sich seit Jahren häuslich im Graben eingerichtet, der parallel zum Goldbecker Weg verläuft. Nur zwei, drei Meter trennen das Wasser von der Fahrbahn. Die Böschung gilt den Bibern offenbar als beste Wohnlage.

Immer wieder tun sich neue Löcher auf

Mit möglicherweise fatalen Folgen, fürchten die Sieversdorfer. „Wir dürfen es nicht so weit kommen lassen, dass sich da einer mit dem Motorrad überschlägt und zu Tode kommt“, sagt Bürgermeister Hermann Haacke. Immer wieder habe man Absenkungen aufgefüllt. In den vergangenen zwei Jahren über ein Dutzend Mal. Und immer wieder tun sich neue Löcher auf. „Wir sind nicht in der Lage, da alle paar Stunden Kontrollgänge zu machen.“ Ganz davon abgesehen, gehen die ständigen Reparaturen richtig ins Geld.

Für die Sieversdorfer steht fest: „Das Tier ist ja lieb und nett, aber für uns wird das zu einem echten Problem.“ Auf eigene Faust etwas gegen die Biber zu unternehmen, ist kaum legal möglich. Die Tiere stehen europaweit unter Schutz. „Da müssen sich die Behörden was einfallen lassen“, findet ­Haacke. Ein Anfang wären Warnschilder am Weg, die auf die Gefahr hinweisen.

Landwirt Uwe Rutter bleibt skeptisch: Wenn unter einem seiner schweren Traktoren die Böschung wegbricht, dann nutzt auch Schritttempo nichts. Dann könne man froh sein, wenn niemand verletzt wird.

Die Tiere stehen unter Schutz

Der Biber hat sich in den vergangenen Jahrzehnten wieder flächendeckend überall in der Region angesiedelt. Das natürliche Verhalten der Tiere – Erdbauten, Dämme in Gewässern und abgenagte Gehölze – sorgt auch anderswo für Konflikte, beispielsweise im Oderbruch.

Aus diesem Grund gilt im Land Brandenburg seit dem vergangenen Mai erstmals eine spezielle Biberverordnung. Allerdings legt sie ihren Schwerpunkt auf den Schutz wasserwirtschaftlicher Anlagen. Das nutzt den Sieversdorfern wenig. Immerhin soll es im Land aber ab September mit den sogenannten Bibermanagern direkte Ansprechpartner für Probleme geben, die zumindest Beratung und Vermittlung leisten können.

Natürlich ist es auch den Sieversdorfern schon in den Sinn gekommen, die Biber am Goldbecker Weg zu vertreiben, wegzufangen oder gar zu töten. Doch zum einen steht dem der Schutzstatus der Tiere entgegen. Zum anderen bezweifeln Experten die Wirksamkeit solcher Schritte: Angesichts der flächendeckenden Verbreitung der Biber wäre ein frei werdendes Revier schnell wieder besetzt, zumal die intensive landwirtschaftliche Nutzung beispielsweise mit Mais den Tieren beste Nahrungsquellen bietet. Das ist auch bei Sieversdorf der Fall. Als Alternative regen Naturschützer die Schaffung von Gewässerschutzstreifen an. So etwas könnte im Fall des Goldbecker Weges die Straßenböschung weniger attraktiv für den nächsten Biberbau machen. Nachteil: So ein Grünstreifen auf der anderen Grabenseite wäre landwirtschaftlich nicht mehr nutzbar.

Von Alexander Beckmann

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