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Golze im Wusterhausener Flüchtlingsheim

Sozialministerin spricht mit Ehrenamtlern Golze im Wusterhausener Flüchtlingsheim

Brandenburgs Sozialministerin Diana Golze (Die Linke) traf sich am Mittwochabend mit Ehrenamtlern, Lokalpolitikern und Betreuern im Wusterhausener Übergangswohnheim für Flüchtlinge. Thema der Runde: Willkommenskultur in der Praxis.

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Diana Golze (l.) auf dem Rundgang durchs Heim.

Quelle: Alexander Beckmann

Wusterhausen. Eine ganze Reihe Wusterhausener setzt sich dafür ein, dass sich Flüchtlinge in ihrer Stadt willkommen fühlen. Aber leicht ist es nicht. Und es herrscht beileibe nicht nur eitel Sonnenschein. Das ist das Fazit einer Gesprächsrunde, zu der sich Wusterhausener am Mittwochabend mit Brandenburgs Sozialministerin Diana Golze (Die Linke) im örtlichen Übergangswohnheim trafen. Ehrenamtler, professionelle Betreuer, Experten und Politiker tauschten sich aus.

Rund 100 Menschen sind derzeit in der Einrichtung untergebracht. OPR-Landrat Ralf Reinhardt stellte erneut klar, dass sich diese Zahl mehr als verdoppeln werde. Der Landkreis Ostprignitz-Ruppin werde in Wusterhausen die erste größere Aufnahmeeinrichtung außerhalb Neuruppins errichten – einfach weil die baulichen Voraussetzungen es hergeben. Bis Ende des Jahres erwarte man im Kreis rund 1100 Flüchtlinge. Vor einem Jahr sei noch von 331 die Rede gewesen, so Reinhardt. „Mit dieser Zahl wäre alles viel geordneter verlaufen.“ Mit höchster Intensität arbeite man an der Unterbringung. „Wir werden praktisch in jedem Ort Menschen unterbringen müssen, auch in kleineren.“

Sozialministerin Diana Golze bestätigte das. Brandenburg rechne für 2015 inzwischen mit rund 25 000 Flüchtlingen. „Die Menschen kommen, weil alles, was sie am Ende ihrer Flucht erwarten, besser ist, als das, was sie zu Hause erleben.“ Krisen und Kriege prägten das Weltgeschehen. Golze äußerte Verständnis für die Flüchtlinge: „Wenn ich die gesundheitliche Versorgung meiner zwei Kinder nicht mehr gesichert sähe, würde ich mich auch auf den Weg dahin machen, wo es sowas gibt.“

Ausdrücklich dankte die Politikerin allen ehrenamtlich auf diesem Gebiet tätigen Wusterhausenern: „Ohne Sie wäre die Thematik nicht zu bewältigen.“ Erste Voraussetzung für jegliche Integration von Flüchtlingen sei, dass man sie willkommen heiße. Deshalb habe das Land im Juli einen speziellen Topf für die ehrenamtliche Arbeit gebildet: etwa zur Finanzierung von Lehrmaterialien oder fürs Benzingeld. Jeder könne Anträge stellen. „Wir haben das so einfach wie möglich gestaltet. Aus dem Landkreis Ostprignitz-Ruppin sind bisher landesweit die meisten Anträge eingegangen.“ Geld für Deutschkurse und Fahrradwerkstätten sei besonders gefragt.

Wusterhausens Bürgermeister Roman Blank nahm das mit Überraschung zur Kenntnis. Von dem Programm hatte man in Wusterhausen noch gar nichts gehört, obwohl diese Hilfe sehr willkommen gewesen wäre. „Den Helfern fehlt ein Kontaktvermittler, ein Ansprechpartner für beide Seiten.“ Wusterhausen habe dadurch sozusagen ein „Luxusproblem“: „Wir haben viele Leute, die helfen wollen, aber nicht wissen wie.“

Diana Golze empfahl in dem Zusammenhang das Ehrenamtsportal des Landes (http://ehrenamt-in-brandenburg.de, Stichwort „Asyl“): „Das ist in den letzten Wochen extrem gewachsen.“ Außerdem arbeite man an einem Fortbildungsangebot für Ehrenamtler, das Grundlagen zu Flucht und Asylrecht und weitere Kenntnisse vermittel. „Das Gute: Diese Fortbildung kommt hierher zu Ihnen.“

Trotzdem machte Bürgermeister Blank aus seinen Sorgen keinen Hehl: „Es ist nach wie vor eine große Unruhe in der Bevölkerung.“ Und: „Wir müssen unsere Bürger irgendwie mitnehmen, aber als kleine Gemeinde haben wir nicht die Kapazitäten dafür.“

Kritisch wurde die bundesweite Regelung bewertet, nach dem Flüchtlinge erst nach Abschluss ihres Asylverfahrens überhaupt Anspruch auf Integrations- und damit Sprachkurse haben. Zur Not wolle Brandenburg da einen eigenen Weg gehen, kündigte Diana Golze an.

Von Seiten der Wusterhausener Grundschule nahm die Ministerin die Forderung nach interkulturellen Weiterbildungsangeboten mit. Klären will sie auch die Frage nach dem Versicherungsschutz für Unternehmer, die Flüchtlingen Praktikumsplätze anbieten. Offenbar scheitert diese Form der Integration häufig an der Angst vor dem juristischen Risiko.

Von Alexander Beckmann

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