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Gottesdienst zum 7. Jahrestag Freie Heide

Gadow Gottesdienst zum 7. Jahrestag Freie Heide

17 Jahre währte der friedliche Protest gegen die militärische Nutzung der Kyritz-Ruppiner Heide. 113 Protestwanderungen später verzichtete der Verteidigungsminister am 9. Juli 2009 auf das Gebiet. Zum 7. Jahrestag trafen sich mehr 70 Mitstreiter zum alljährlichen Gottesdienst in Gadow. Doch der Künstler Wolfgang Dicks konnte nun nicht mehr dabei sein.

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Das Pfarrerehepaar Linda und Nikolai Jünger hielt gemeinsam den Gottesdienst in Gadow.

Quelle: Christamaria Ruch

Gadow. Die sieben Kerzen leuchten auf dem Altar, umrahmt von roten Rosen und zwei weiteren Leuchtern. Dann stellen die beiden Pfarrer Linda und Nikolai Jünger weitere Kerzen hinzu – Erinnerungslichter. „Für alle, die heute hier fehlen und doch Vorbild für andere sind“, so Linda Jünger.

Beim Gottesdienst zum 7. Jahrestag „Die Heide ist frei“ kamen am Sonnabend mehr als 70 Menschen nach Gadow. Dabei stand das Erinnern an die lange Zeit der Proteste gegen die militärische Nutzung der Kyritz-Ruppiner Heide ebenso im Mittelpunkt wie der Blick in die Zukunft. „Erinnert euch und sprecht darüber, sonst bleichen die Erinnerungen aus“, sagte Nikolai Jünger in seiner Predigt. Er hatte dabei ein Bild vor Augen: An den Ortseingängen der Dörfer rund um die Heide stehen Schilder mit der Aussage „Diese Gemeinde wehrt sich“. Doch seit dem 9. Juli 2009 klebt dort der Satz „Die Heide ist frei“.

Das Triptychon des gerade verstorbenen Künstlers Wolfgang Dicks hängt seit 2011 in der Kirche

Das Triptychon des gerade verstorbenen Künstlers Wolfgang Dicks hängt seit 2011 in der Kirche.

Quelle: Christamaria Ruch

Die vergilbt wirkende Schrift steht sinnbildlich für die Gefahr, dass die Erinnerungen auch verblassen können. Jünger ermutigte die Gemeinde: „Tragt die Erinnerungen voran, auch für die nachfolgenden Generationen.“ In dem alljährlichen Gedenken zum Jahrestag der freien Heide sieht er kein Selbstverständnis. „Die Hoffnung hat sich erfüllt für Frieden und Freiheit“, so der Pfarrer. In dem 17 Jahre währenden friedlichen Protest sieht er zugleich „den Sinn bürgerschaftlichen Engagements, das an weitere Generationen weitergegeben und zur Verfügung gestellt wird.“ 1992 beanspruchte die Bundeswehr das Gelände der Kyritz-Ruppiner Heide zum Bombenabwurfplatz. Daraufhin erfolgte am 15. August 1992 die erste Demonstration und kurz danach gründete sich die Bürgerbewegung „Freie Heide“: 17 Jahre und 113 Protestwanderungen später verzichtete der Verteidigungsminister auf die militärische Nutzung des Areals.

Der Jahrestag ist immer auch Treffpunkt für die „Freie Heide“-Aktivisten, die sich mit Freude an ihren Erfolg erinnern

Der Jahrestag ist immer auch Treffpunkt für die „Freie Heide“-Aktivisten, die sich mit Freude an ihren Erfolg erinnern.

Quelle:

Monika und Ulrich Weiß aus Alt Ruppin sind jedes Jahr bei dem Gedenkgottesdienst in Gadow dabei. „Es war ein Wunder und wir hatten nicht damit gerechnet, dass die Heide frei wird“, so Monika Weiß. „Viele Protestwanderungen haben wir mitgemacht und heute herrscht bei uns weitgehend Freude darüber, dass Ruhe am Himmel herrscht“, ist Ulrich Weiß zufrieden. Und seine Frau ergänzt: „Wenn ich daran zurückdenke, wie viel Arbeit das gemacht hatte und was die Organisatoren alles geleistet haben.“

Auch die 90-jährige Hildegard Sokolowski aus Gadow kam zum Gottesdienst: „Ich war immer mit dabei und wir haben darum gekämpft, aber nicht geglaubt, dass die Heide frei wird.“ Einer, der am Sonnabend nicht mehr dabei sein konnte, ist der Künstler Wolfgang Dicks aus Rägelin. Er starb im Juni und auch für ihn zündete Nikolai Jünger eine Kerze an. Dicks schuf die acht Mahnsäulen für die Freie Heide. Im April 2011 übergab er der Kirche in Gadow ein Triptychon. Auf diesem dreiteiligen Ölgemälde hielt er seine Lebenserinnerungen an die Heide fest. Dicks bewies schon immer einen langen Atem. Egal ob er sich für die Freie Heide engagierte oder neue Ideen beim Malen umsetzte.

Von Christamaria Ruch

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