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Ostprignitz-Ruppin Grab mit geheimnisvoller Geschichte
Lokales Ostprignitz-Ruppin Grab mit geheimnisvoller Geschichte
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10:46 27.02.2018
Grabungsleiter Jens May erklärt den faszinierten Besuchern das Vorgehen bei den Grabungen am Königsgrab im vergangenen Jahr. Quelle: Marcus J. Pfeiffer
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Perleberg

Unerklärbare Zusammenhänge und spektakuläre Funde machen das Königsgrab von Seddin zu einem mysteriösen Ort der bronzezeitlichen Rituale. Über den aktuellen Stand der Forschung berichtete Gebietsarchäologe Jens May vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und dem Archäologischen Landesmuseum am Donnerstagabend im Perleberger Stadt- und Regionalmuseum.

Seit vielen Jahren ist er in der Region unterwegs und hat tiefgründig das Königsgrab von Seddin und die nahegelegenen Wickboldschen Tannen untersucht. Dabei kamen viele interessante Fakten ans Tageslicht, worüber er anlässlich der Jahresvortragsreihe berichtete.

Astronomie, Mathematik, Geologie und Meteorologie

In den Untersuchungen habe man versucht, sich einen konkreten Überblick zu verschaffen. „Bei einem Großteil der Ergebnisse ist es mehr ein Ahnen als Wissen, da wir es aus heutiger Sicht unzureichend verstehen“, sagt Jens May. Er hat sich viele Gedanken und Ideen darüber gemacht und ist immer wieder über die Beziehungen zwischen den einzelnen Funden und Erkenntnissen überrascht und fasziniert. Astronomie, Mathematik, Geologie und Meteorologie: Vieles spielt in der Betrachtung ein Rolle.

Archäologen des Landes haben in ihrer Jahreskonferenz für 2017 am 19. und 20. Februar 2018 in Brandenburg/Havel über archäologische Entdeckungen und Funde im vergangenen Jahr berichtet. Quelle: Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege

Es sei ein langer Prozess. „Manchmal muss man erst einige Nächte darüber schlafen, bis man eine These aufstellen kann“, so May. Zwar sei der Großteil an Erkenntnissen nicht eindeutig belegt, aber durchaus interpretiert.

Funde schon 1888 erwähnt

Erstmals wurde das Königsgrab im Jahr 1888 schriftlich erwähnt, als man das erste Grab entdeckte. Über die gewaltigen Abmaße war man sichtlich erstaunt und hat so Interesse geweckt. Doch alle Funde gingen damals nach Berlin. Die Prignitz profitierte kaum. Hinzu kam das nicht allzu fachmännische Vorgehen bei den Ausgrabungen.

Das setzte sich auch elf Jahre danach fort, als man die Grabkammer entdeckte. Auch da gingen alle Funde, inklusive der Grabbeigaben, nach Berlin. Fast 50 Gegenstände hat man damals gefunden. „Man spricht von einem der reichsten Beigaben damaliger Zeit“, betont der Archäologe. Etwa 830 vor Christus hat man das Grab errichtet und hat all die Zeit im staatlichen Besitz überdauert.

Grabbeigaben im Museum Perleberg  Quelle: Museum Perleberg

Bis 1999 ruhten die Untersuchungen und Grabungen. „Seitdem haben wir eine Menge unternommen“, so der Grabungsleiter. Zunächst nahm man den aktuellen Bestand auf und weitete anschließend die Grabungen in das Umfeld aus. „Wir haben versucht, alles mögliche auszuschöpfen.“ Doch das Gelände war groß und die Grabungen sollten möglichst klein gehalten werden. Das war für alle eine Mammutaufgabe.

Tongefäße gefunden

Die Ergebnisse können sich allerdings sehen lassen, besonders in den nahegelegenen Wickboldschen Tannen. Handelt es sich dabei womöglich um einen nahen Verwandten, der dort begraben wurde? Eine Beziehung zum Königsgrab kann jedenfalls nicht ausgeschlossen werden. Unter anderem fand man an dieser Stelle 238 Teile eines Bronzegefäßes, 15 weitere Scherben und Teile von Tongefäßen.

Außerdem fand man eine Tonscherbe, die sich als Teil einer Türurne herausstellte, die man 129 Jahre nach dem Erstfund wiederentdeckte. 1888 habe man sich dafür nicht interessiert. Auch der 2,7 Kilogramm schwere Leichenbrand (die Asche von Toten nach der Brandbestattung Anm. d. Red.) spielt eine wichtige Rolle – denn der des Königsgrabes gilt als verschollen. Der nun gefundene könnte die Forschung weiter voranbringen.

Die Ausgrabungen 2015. Quelle: Ulrich Fischer

Viele Details am Bau des Königsgrabes geben Rätsel auf: Die Anordnung der Steine, die Decke der Kammer, das Gefäß der Urne mit eventuell kosmischen Spuren. Ganz lösen wird man das Rätsel vermutlich nie. Spannend ist auch die beachtliche Leistung, die hinter dem Bau steckt. 8700 Tonnen Steine sind verbaut, das entspricht 16 200 Tonnen Baumaterial. Alles errichtet ohne heutige Maschinen – in passgenauer Handarbeit.

Ganz in der Nähe fand man eine scheinbar isolierte Steingrubenreihe. „Das war zunächst nichts Spektakuläres, doch deren Nutzen ist nicht geklärt. Aus meiner Sicht bildet die Reihe im weitesten Sinne eine Grenze“, so Jens May. Die Gruben enthalten gebrannte Steine. Nur selten fand man Schädelteile von Tieren oder eine starke Verdichtung von Holzkohle darin.

Seddin- Königsgrab: fein aufgereiht liegen die gefundenen Steine. Quelle: Ulrich Fischer

Teilt man die 150 aneinander gereihten Gruben in Abschnitte, lässt sich geometrisch ein Zusammenhang erkennen, allerdings kein zeitlicher. „Die Grabkammer am Königsgrab ist nicht Mittelpunkt des Hügels, der Durchmesser beider Punkte beträgt genau einviertel der Steingrubenreihe“, so May.

Immer noch gebe es viel zu erforschen und Ergebnisse abzuwarten. Noch in diesem Jahr möchte man die Arbeit vom vergangenen Jahr am Königsgrab und in dessen Umfeld fortsetzen. Dafür wird es eine dreiwöchige Hauruck-Aktion in den Wickboldschen Tannen geben, verrät Jens May.

Von Marcus J. Pfeiffer

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