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Granaten auf dem Flugplatz gesprengt

Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin) Granaten auf dem Flugplatz gesprengt

Auf dem ehemaligen Flugplatz von Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin) wurde am Dienstag sowjetische Munition gesprengt, die bei der systematischen Absuche seit dem Sommer gefunden wurde. Und niemand weiß, wie viel noch in der Erde liegt. Bis in die 90er Jahre wurde der Flugplatz von der Sowjetarmee genutzt.

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Munitionssprengung auf dem ehemaligen Flugplatz

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. „Sicherheit?“, fragt Gerd Fleischhauer in sein Funkgerät. Manfred Dabbert von der Munitionsbergungsfirma Eurovia bestätigt: „Sicherheit.“ In der Fachsprache der Munitionsexperten heißt das: Der Sperrkreis ist frei; rund um die Stelle, an der es gleich einen lauten Knall geben wird, befindet sich kein Mensch mehr. Gerd Fleischhauer traut dem Frieden nicht. Aus dem Augenwinkel glaubt der Truppführer vom Kampfmittelbeseitigungsdienst der Polizei noch eine Bewegung gesehen zu haben. Irgendwo da von auf einem der Firmengelände am Rand des alten Flugplatzes von Neuruppin. Eigentlich sollte sich dort niemand mehr befinden. Aber war da noch doch noch eine orangefarbene Jacke? Dabbert geht gucken: Nichts.

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Kurz nach zehn Uhr auf dem ehemaligen Militärflugplatz in Neuruppin: Ein dumpfer Knall, Erdboden fliegt durch die Luft, dann Stille. Mehrere Munitionsstücke aus russischer Produktion waren nicht transportfähig und mussten vor Ort gesprengt werden. Das Gelände, auf dem ein Gewerbegebiet entsteht, war in den letzten Monaten auf Munition abgesucht worden.

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Einen Sperrkreis von 300 Metern hat Gerd Fleischhauer für die Sprengung angeordnet. Innerhalb dieses Radius musste am Dienstag Morgen alles geräumt sein. Mitarbeiter des Neuruppiner Ordnungsamtes haben die Nutzer der benachbarten Flugzeughangars informiert und auch die Bewohner der Häuser, die gut hundert Meter entfernt stehen.

Viel haben die Munitionssucher der Firma Eurovia in den vergangenen Monaten nicht gefunden. Seit dem Sommer waren sie im Auftrag der Brandenburgische Boden-Gesellschaft (BBG) dabei, die Flächen am Gewerbegebiet nach Bomben, Granaten oder anderen gefährlichen Hinterlassenschaften abzusuchen. Im Zweiten Weltkrieg hatten die Alliierten den Flugplatz mehrfach bombardiert. Nicht alle Bomben sind detoniert. Etwa jede fünfte bis jede zehnte dürfet ein Blindgänger gewesen sein, schätzen Fachleute heute. Wie viele liegen davon noch in der Erde? Das kann niemand sagen. Aufzeichnungen aus DDR-Zeiten gibt es kaum, schon gar nicht von den Flächen, die 1945 von der Sowjetarmee in Beschlag genommen wurden. Dazu gehört der Neuruppiner Flugplatz.

Nach dem Abzug der Sowjetarmee fiel das Land an die BBG. Die hat inzwischen einige Flächen verkauft – in dem Glauben, dass die Grundstücke frei sind von alter Munition. Erst im Nachhinein stellte sich heraus, dass das ein Missverständnis war: Eine tatsächliche Bestätigung hat es für diese Angabe nie gegeben. Also hat die BBG jetzt veranlasst, dass die Flächen noch einmal gründlich überprüft werden.

Und tatsächlich wurden die Kampfmittelräume fündig. „Aber hier lag längst nicht do viel, wie man bei der Größe der Fläche annehmen würde“ sagt Gerd Fleischhauer. Die Männer der Firma Eurovia waren für die eigentliche Suche zuständig. Mit speziellen Sonden habe sie die Erde bei in mehrere Metern Tiefe nach Metallgegenständen überprüft. jeder einzelne wurde ausgebuddelt und überprüft. Fleischhauer musste immer dann aktiv werden, wenn etwas Gefährliches gefunden wurde. „Hier lag wirklich jede Menge Schrott“, sagt er. Aber dazwischen fanden sich auch immer wieder Granaten oder Patronen – gefährlich,auch nach Jahrzehnten im Boden. Üblicherweise bringt Fleischhauer die solche Funden auf den zentralen Sprengplatz des Landes nach Kummersdorf südlich von Berlin. Doch manche sind dafür zu gefährlich.

Im Fall des Flugplatzes waren es ein paar Granaten, alle sowjetischer Bauart. Vielleicht von den abziehenden Soldaten verbuddelt, um sie nicht mitnehmen zu müssen, oder irgendwann einmal einfach verloren. Sagen kann das heute niemand mehr.

Ein dumpfes Donnern zog am Dienstagvormittag über den Flugplatz, als Fleischhauer die rostigen Stücke mit etwas Sprengstoff per Fernzünder in einer extra ausgehobenen Grube unschädlich machte. Erde Flog dutzende Meter in die Luft und verteilte sic in einer dichten Wolke rund um die Sprengstelle. Nach wenige Minuten war alles vorbei. Am frühen Vormittag gab Gerd Fleischhauer Entwarnung. Die Suche auf dem BBG-Gelände ist vorbei. Wie anders auf dem riesigen Flugplatzgelände könnte aber immer noch Munition im Boden stecken. Niemand kann das sicher sagen.

Von Reyk Grunow

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