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Grenzenloses Gruseln in der Prignitz

Lenzen Grenzenloses Gruseln in der Prignitz

Spuk nur am Abend vor Allerheiligen? Nicht so in der Prignitz. Neben Halloween-Kürbissen gibt es in der ländlichen Gegend jede Menge unheimlicher Erscheinungen, die das ganze Jahr über spuken und mitunter sogar am Tage zu sehen sind. Zu Halloween gibt die MAZ eine Übersicht über Geistererscheinungen zwischen Lenzen und Freyenstein.

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Ein Spukort erster Güte nicht nur am Abend vor Allerheiligen: die Burg Lenzen – jetzt im Herbstnebel besonders trist.

Quelle: Kerstin Beck

Lenzen. Die Geschäfte sind schon seit Wochen voll damit: Halloween-„Zubehör“ aller Couleur. Dekorationen wie ausgehöhlte, von innen leuchtende Kürbisse werden längst ergänzt durch schauerlich anzusehende Artikel wie etwa der Abbildung eines menschlichen Gerippes, damit es am Abend vor Allerheiligen auch richtig gruselig werden kann.

Der Ursprung der Bräuche liegt bei den Kelten, bei denen das Jahr im November mit einem Totenfest begann. Das begingen sie, indem sie große Feuer anzündeten. Damit wurde der im Geisterreich abgebliebenen Verblichenen gedacht, mit denen man sich auf jeden Fall für das kommende Jahr gut stellen und ihnen das Licht zum Geleit geben wollte.

Die Prignitz ist zwar niemals von Kelten bewohnt gewesen, aber das verhindert nicht, dass auch dort Spuk und Gespenster ihr Unwesen treiben – und zwar das ganze Jahr hindurch. Dutzende alter Sagen geben davon Zeugnis.

Augenzeugen ist der Tod in der Löcknitz gewiss

Des Nachts sowie am hellen Tage sollen christlich ungetauft verstorbene Slawen am Kreuzweg Groß Gottschow-Rambow-Kleinow-Krampfer als Unglücksboten erscheinen – desgleichen zwischen Lenzen und Seedorf, wo in hellen Nächten schwertgegürtete Krieger aus der Schlacht von 929 erscheinen, den Kopf unter dem Arm. Augenzeugen soll der Tod in der Löcknitz gewiss sein.

Manchmal soll nachmittags zwischen Moor, Eldenburg und Lenzen auch ein alter Priester zu sehen sein, der natürlich nichts Böses im Sinn hat, sondern nur seine heilige Messe. Und in der Gegend um Eldenburg selbst ist manchmal der ruhelose Geist des Brudermörders Kurt Dietrich von Quitzow zu sehen – wer ein reines Gewissen hat, kommt nicht zu Schaden, wenn er den Geist erblickt. Der letzte Quitzow dagegen, der damals allseits beliebte Kuno Hartwig, gestorben 1716 und beerdigt in der Seedorfer Kirche, soll in der Johannisnacht feierliche Familienandachten abhalten.

Auch in Mellen ist es nicht geheuer

Einmal im Jahr ist es auch in Mellen nicht geheuer: Am Todestag Siegfrieds, des Sohnes eines Stavenower Burgherrn, der am „Hünengrab“ ums Leben kam, soll dort seine Geliebte Roswitha im Totengewand und mit bleichem Gesicht zu sehen sein.

Ähnlich erging es einst einer Tochter des Burgherrn zu Fretzdorf, die mit einem jungen Ritter verlobt war, der jedoch von einer Schlacht nicht mehr zurückkehrte. An dem Hügel, an dem sich das Paar verabschiedet und der Dame alsbald das „Herz brach“, entstand das Dorf Herzsprung. Die Jungfrau soll noch immer nachts nach dem Geliebten Ausschau halten.

Auch im Freyensteiner Schloss ging jahrelang in einem bestimmten Zimmer ein Spuk um: Hier hatte in der Franzosenzeit ein französischer General eifersüchtig seine Frau erstochen.

Perleberger Ratsherr mit Erde im Schuh

Ein Perleberger Ratsherr dagegen soll oft in der Geisterstunde zwischen Perleberg und Weisen umherirren. Er hatte seine Schuhe mit Sand aus der Perleberger Feldmark gefüllt und vor Gericht behauptet, auf Perleberger Grund zu stehen. Mit diesem Meineid gelang es ihm, bei einem Streit den Weisenern zu Unrecht ein Stück Land wegzunehmen.

Ein prominenter „Geist“ ist der des Admirals Gysels von Lier, der vor drohenden Flutkatastrophen aus seinem Sarg an der Mödlicher Kirche steigt und, angetan in seiner prunkvollen Rüstung, den Deich entlanggeht und damit die Mödlicher warnt. Vielleicht wurde der Holländer von der Burg Lenzen inspiriert, einem besonderen Spukort, an dem er von 1651 bis zu seinem Tode 1676 als Amtmann residierte: Nachdem dort in der Fehdezeit 13 Ritter gefangengenommen und kopfüber am Burgturm aufgehängt worden waren, sollen bereits ab dem Mittelalter in stürmischen Oktobernächten 13 krächzende Raben den Turm umflattern. Der Dänenkönig Waldemar, der dort im Jahre 1223 kurz inhaftiert wurde, verfluchte die Burg – sodass in dunklen Nächten immer mal wieder eine schwarze Kutsche, gezogen von vier pechschwarzen Rappen, die Auffahrt herunterrumpelt. Und letztlich hält hier des Nächtens noch immer der Generalfeldmarschall Wichard Joachim Heinrich von Möllendorff – gestorben 1816 in Havelberg – ausgedehnte Trinkgelage samt Gläserklirren und Gesang mit Kriegskameraden von einst ab. Wie man sieht: Der „Spuk“ besteht in der Prignitz nicht aus irgendwelchen Schauergestalten, sondern es sind die Prignitzer selbst, die hier umgehen. Denn: Zu sehr blendete man sich im Leben an irdischem Schein.

Was man dagegen tun kann? In etlichen deutschen Gegenden, zum Beispiel in Bayern, gehört „Halloweens“ Folgetag, Allerheiligen, zu den sogenannten „stillen Tagen“: Und da möge man stille Einkehr halten und sich der Endlichkeit des Lebens auf der Erde bewusst werden.

Von Kerstin Beck

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