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Ostprignitz-Ruppin Grit Poppe: Rheinsbergs neue Stadtschreiberin
Lokales Ostprignitz-Ruppin Grit Poppe: Rheinsbergs neue Stadtschreiberin
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10:47 27.02.2018
Grit Poppe ist derzeit Stadtschreiberin in Rheinsberg Quelle: Regine Buddeke
Rheinsberg

Mit etwas Glück wird sie auch Wölfe sehen – ein Thema, das Grit Poppe derzeit schwer beschäftigt. Gerade ist ihr Kinderbuch „Joki und die Wölfe“ erschienen. Eine Abenteuergeschichte. Die liegen der Potsdamerin, die gerade als 47. Rheinsberger Stadtschreiberin im Dunstkreis des Schlosses Domizil bezogen hat, seit frühester Zeit im Blut.

„Ich habe als Kind ‚Wolfsblut‘ von Jack London verschlungen“, erzählt sie über die Faszination. „Es war also naheliegend, dass ich irgendwann selber mal darüber schreibe.“ Grit Poppe ist nicht nur von Kindesbeinen an Leseratte – das Bücherfutter inspirierte sie auch zum Selber-Schreiben.

Die Initialzündung war ein dreibändiger Schmöker von Liselotte Welskopf-Henrich. Man erinnere sich an „Die Söhne der großen Bärin“. Grit Poppe stöberte sie in einem Koffer im Keller eines Bekannten auf – da war sie gerade acht – und las es in einem Rutsch, wieder und wieder.

Grit Poppe hat sich für ihre Zeit in Rheinsberg viel vorgenommen

„Ich habe es nicht gezählt – habe als Kind in Indianer-Fantasien gelebt“, erinnert sie sich. „Wir hatten eine Bande und Tipis auf dem Friedhof Stahnsdorf. Ob die Kinder heute so was auch noch machen?“, sinniert sie und rührt in ihrem Cappuccino. Für sie war jedenfalls damals schon klar: Sowas will sie auch schreiben.

Sie studierte am Leipziger Johannes-R.-Becher-Institut, ein Jahr später erschien mit dem Erzählband „Der Fluch“ ihr Erstling. Das Debut kam gut an. Auch ihr 2006 erschienener Roman „Andere Umstände“. „Ein Presseerfolg“ sagt sie. Dann folgte gleich ein Kinderbuch – überhaupt schreibt die Potsdamerin, die selbst zwei inzwischen erwachsene Kinder hat, viel für den Nachwuchs.

Etwa die Reihe „Dragid Feuerherz“, „Alabusch oder Das Herz des Vulkans“, „Anderswelt“ oder „Das Geheimnis der Saurierinsel“. Grit Poppe liebt es, realistisch-spannende Handlungen mit Fantasy-Elementen zu verweben. So wie Michael Ende, den sie sehr schätzt. Sie selbst liest Jugendromane, hatte immer das Ohr an ihren Kindern.

Sie will an einem Jugend-Abenteuerroman schreiben

Ihr Ziel: gute Literatur, mit schöner Sprache. „Das geht auch bei Jugendbüchern. Die Sprache macht was mit den Kindern“, weiß sie. Und ihre eigenen haben ihr immer Impulse für Bücher gegeben. „Wir reden viel über ihre Themen. Auch über DDR-Geschichte“, sagt sie. Mit „Weggesperrt“ und den Nachfolgern „Abgehauen“ und „Schuld“ hat sie sich in den Sumpf der DDR-Jugendwerkhöfe begeben. Nach Torgau, wo zu DDR-Zeiten missliebige Jugendliche unter schlimmsten Bedingungen quasi inhaftiert waren.

Grit Poppe hat nachgeforscht – sie ist ein politischer Mensch. Zu Wendezeiten engagierte sie sich als Brandenburger Geschäftsführerin der Bürgerbewegung „Demokratie Jetzt“ (später Bündnis 90). „Eine so lebendige Zeit, mit so vielen Ideen“, sagt sie. Immerhin gebe es heute wenigstens noch den Runden Tisch. Ein Hauch Bitterkeit schwingt zwischen den Worten.

Sie recherchiert viel für ihre Bücher: „Mir ist es wichtig, dass jedes Detail stimmt“, sagt sie. Deshalb recherchiere sie oft lange – wie beim Wolfsbuch. „Manchmal zu viel“, sagt sie mit einem kleinen Lächeln. Mit den Zeitzeugen aus dem Torgauer Jugendwerkhof hat sie heute noch Kontakt. Mit einigen besucht sie Schulen, liest aus „Weggesperrt“ und lässt dann die Betroffenen sprechen. „Das kommt bei den Kindern an. Die Betroffenen machen es sehr authentisch“, sagt sie.

Auch die Idee für einen Psychothriller steht noch im Raum

Rheinsberg scheint ihr ein idealer Ort, um ihr neues Kinderbuch zu verwirklichen: „Eine Überlebensgeschichte“, verrät sie. Das Abenteuer spielt im Ausland. „Aber in ähnlicher Natur.“ Sie will demnächst mit dem Rad die Region erkunden, mögliche Schauplätze aufspüren, sich inspirieren lassen. Auch für ihr zweites Projekt, einen Mystery-Thriller. In Rheinsberg fühlt sie sich genau richtig: „Die Landschaft hier könnte besser kaum sein.“

Wenn sie von ihrer Stadtschreiberwohnung aus die Enten vorm Schloss beobachtet, staunt sie. „Die sind viel munterer als die in Potsdam.“ Sie freut sich darauf, die Stadt zu entdecken, hat schon Kontakt zum Verein Stadtgeschichte geplant. „Ich habe so einen Drang nach draußen“, sagt sie.

Eine Wolfsführung will sie mitmachen, vielleicht auch eine Wolfsnacht erleben. „Das ist ein Thema, das man nicht einfach beendet – auch jetzt nach dem Buch nicht“, sagt sie. „Ist ja gerade sehr aktuell: Da wird dem Menschen mal wieder bewusst, dass er auch nur Teil der Natur ist.“

Grit Poppes Abschlusslesung ist Ende Juni in Rheinsberg

Ob sie die beiden Ideen bis Ende Juni, wenn die Rheinsberger Zeit endet, verwirklicht hat? Eher nicht, sagt sie. Ein Exposé für das Kinderbuch immerhin wäre schön. Der Verlag will dann schon das Ende wissen. Für Grit Poppe schwierig: Die Geschichte wächst bei der Arbeit erst so richtig. Die Figuren werden durch das Schreiben lebendig. „Da tauchen auf einmal neue Personen auf, die alles verändern. Dann verselbstständigt sich die Geschichte. Und endet oft ganz anders, als ich dachte.“

Grit Poppe ist froh über die kreative Auszeit in Rheinsberg. „Hier biste richtig“, habe sie gedacht, als sie an ihrem ersten Tag die Wildgänse überm Schloss ziehen sah. „Und so viele Seen“, schwärmt sie, „der Wahnsinn.“

Von Regine Buddeke

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