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Ostprignitz-Ruppin Gritt Maruschkes Peer-Gynt-Choreografien
Lokales Ostprignitz-Ruppin Gritt Maruschkes Peer-Gynt-Choreografien
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00:18 30.07.2016
Gritt Maruschke bei den Proben zum Tanz der Burkas. Quelle: Regine Buddeke
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Netzeband

Die Reihe der Tänzer ist gleichgeschaltet. Wie ein Tausendfüßler windet sie sich nach vorn, die Arme biegen sich in orientalischer Manier, noch ein Stück vor, dann zieht sie sich zurück, jeder den Vordermann um die Hüfte fassend. Alles wirkt wie aus einem Guss. Fast. „Können wir Musik haben?“, ruft Gritt Maruschke. Trommelrhythmen branden auf, ein paar persische Melodiefetzen erklingen – die Burkas tanzen. Die Choreografie stammt von Gritt Maruschke – wieder und wieder lässt sie ihre Tänzer die Abläufe probieren. Manche Geste wird diskutiert. Etwa wie hoch die Arme bei der Anbetung des Propheten nach oben gerissen werden dürfen, ohne dass die Burka verrutscht. Wieder und wieder die gleichen Abläufe – bis jeder Schritt, jede Armbewegung, jede Blickrichtung punktgenau auf die Musik passt. Bis das Ensemble absolut synchron ist. Bis zur Peer-Gynt-Premiere ist nur wenig Zeit.

Der Tanz der Burkas – nun mit Kostümen. Quelle: Peter Geisler

Es ist schon das fünfte Jahr, in dem die Tänzer der Neuruppiner Jugendkunstschule, deren Fachbereichsleiterin Gritt Maruschke ist, die Aufführung des Theatersommers bereichern – eine Kooperation, die jetzt zu Netzeband gehört. „Es fing mit dem Faust an“, erinnert sich die Tanzpädagogin, die in Neuruppin Kinder und Erwachsene in Jazzdance und Modern, Ballett, Gesellschaftstanz, Steppen und Folklore unterrichtet. Insofern ist das Repertoire reich, aus dem sie für die Synchrontheater-Inszenierungen schöpfen kann. „Bisher haben wir aber immer nur die Tänzer in externen Einlagen auf der Bühne gehabt“, sagt die 44-Jährige.

In diesem Jahr sei der Fall ganz anders gelagert. Beim Tanz der Burkas etwa tanze das komplette Ensemble mit – nicht nur die Tanzeleven, sondern auch die Profischauspieler und die sogenannten „semiprofessionellen“ Darsteller – Laien der Region, die nach oftmals jahrelanger Netzeband-Erfahrung nicht mehr wirklich Laien sind. „Schauspiel und Tanz sind in diesem Jahr viel mehr verzahnt“, so Maruschke. Auch einzelne Bewegungsabläufe hätten choreografiert werden müssen. Zu kompliziert dürfe das aber nicht sein – sonst würden die Tanz-Laien oder die älteren Darsteller aussteigen.

Die Netzebander Crew kennengelernt

„Wir haben im April einen Workshop für alle Darsteller veranstaltet“, erzählt Maruschke. Schon dass das neue Team – Regisseur Andree Solvik sowie Masken- und Kostümbildnerin – die Netzeband-Crew kennenlernt. Da war Gritt Maruschke schon eher ein „alter Hase“. Schon bei diesem ersten Treffen haben viele ihre Lust am Mittanzen bekundet. Manchmal indes auch andersherum. „Hanna wollte nur mittanzen und ja keine Rolle übernehmen“, erzählt die Tanzlehrerin schmunzelnd. Dann hatte die Elevin auf einmal mehrere Rollen. „Ich hatte gar keine Theatererfahrung“, bekennt Hanna Horstmann, die seit drei Jahren bei Gritt Maruschke tanzt. Aber mit Andree und Tobi (Peer-Gynt-Darsteller) habe sie sich auf Anhieb verstanden. „Wenn ich mich heute entscheiden soll zwischen nur tanzen oder der Rolle, dann würde ich die Rolle wählen“, sagt die 17-jährige Schülerin. An Gritt Maruschke schätzt sie sehr, „dass wir uns mit unseren Ideen immer einbringen können“.

Tänzer der Jugendkunstschule Neuruppin sind in den Gruppenszenen zu sehen. Quelle: Peter Geisler

Die Musik zum Peer Gynt bietet ein breites Spektrum: Natürlich wird Edvard Grieg erklingen, aber auch norwegische Folklore, Base-Drums und für Peer Gynt ganz ungewöhnliche Rhythmen. Da die Inszenierung im Brandenburgischen – auch vor der Wende – angesiedelt ist, wird der alte Trollkönig mit einem Oktoberklub-Song musikalisch untermalt. Das Lied hat Gritt Maruschke in ihrer Laufbahn begleitet, erzählt sie. Das erste Mal habe sie es verwendet, als sie 1998 in einer Hamburger Tanzpädagogikschule ihren Abschluss als staatlich geprüfte Tanzpädagogin machte. „Ich war in der Schule die bis dahin erste Choreografie-Studentin aus dem Osten.“ In einer Prüfung erarbeitete sie mit ihren Kommilitonen eine Choreografie auf eben dieses FDJ-Lied. „Die hatten null Ahnung, was das ist. Deshalb habe ich immer schon davon geträumt, das einmal mit DDR-Frauen zu machen.“ Das ging in Erfüllung, als sie 2015 an der Berliner Universität der Künste eine Zusatzausbildung für kreatives Tanzen machte. Und verarbeitete es zeitgleich in der Neuruppiner Tempelgarten-Revue. „Andree Solvik hörte davon, war begeistert und wollte es für den Peer Gynt. Also habe ich es noch einmal umgearbeitet.“

Gritt Maruschke feilt mit Herzblut an der Choregrafie

Dass die tänzerischen Elemente die Inszenierungen bereichern, davon ist nicht nur Gritt Maruschke überzeugt, die mit viel Herzblut an den Choreografien feilt. „Synchrontheater basiert ja ohnehin sehr auf Bewegung“, sagt sie. Da man unter den Masken keine Mimik sieht, ist Körperarbeit angesagt. „Es ist nur logisch, auch Choreografien für die Gruppenszenen zu entwickeln.“

Ob sie selbst mittanzt? „Ich habe während der Probe immer wieder Darsteller vertreten“, sagt sie. Als Joker wäre sie fast in jeder Figur einsetzbar. Tatsächlich spielt sie in den beiden ersten Aufführungen als Zweitbesetzung mit, weil eine Darstellerin im Urlaub ist. „Die hätte sonst nicht mitmachen können“, sagt sie und trommelt ihr Team zusammen für den Tanz der Trolle.

Hinweis: Die Aufführung Peer Gynt feiert am 29. Juli um 20.30 Uhr Premiere. Weitere Aufführungen sind zu sehen: Am 30. Juli, 5.,6., 12., 13., 19., 20., 26., 27. August, jeweils ab 20.30 im Gutspark Netzeband. Tickets gibt es unter anderem im Kundencenter der MAZ in Neuruppin, Karl-Marx-Straße 64, Tel. Tel. 03391-457540.

Von Regine Buddeke

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