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Ostprignitz-Ruppin Große Oper in Klein Leppin
Lokales Ostprignitz-Ruppin Große Oper in Klein Leppin
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02:15 07.03.2016
Flüchtlinge Bauen für die Oper (v.l.): Mahmoud Abdulak, Shamsaldin Abdin, Ali Alibraheem und Fareed Mahaini. Quelle: Andreas König
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Klein Leppin

Bevor es Frühstück gibt, hat Christina Tast ihre Helfer bereits eingeteilt. Mal in Englisch mal in Deutsch, oft mit erläuternden Gesten. Das Klein Leppiner Festspielhaus ist mehr denn je ein multikultureller Ort. Seit dem vergangenen Jahr helfen vier bis fünf Flüchtlinge aus Glöwen dabei mit, die nächste Aufführung vorzubereiten. Die Vorsitzende des Vereins „Festland“ übernimmt den Fahrdienst, holt jeden Morgen Mahmoud Abdulak, Shamsaldin Abdin, Ali Alibraheem und Fareed Mahaini mit ihrem Pkw von Glöwen ab und bringt sie zum Festspielhaus nach Klein Leppin. Immer wieder muss Christina Tast den ausländischen Helfern sagen, wo sie was finden, und auch langjährige Weggefährten wie Julia Pankow müssen sich hier und da erkundigen, was mit diesem oder jenem Requisit geschehen soll. „So geht das dauernd“, stöhnt Christinas Mann Steffen halb im Scherz.

Doch die Mitglieder des Vereins Festland wären nicht die kreativen Improvisationskünstler, die sie sind, wenn sie nicht auch die neuen Gegebenheiten im Sinne der Aufführung nutzen würden.

Cervantes Ritter: weit mehr als nur der Kampf gegen die Windmühlen

„Don Quichotte“ wird in diesem Jahr aufgeführt. Cervantes’ Ritter von der traurigen Gestalt ist Weltliteratur, jeder kennt die Geschichte. „Aber wenn man einmal richtig überlegt, ist es meist nur der Kampf gegen die Windmühlen, *der im Gedächtnis geblieben ist“, sagt Steffen Tast. Musikalisch umgesetzt wurde der Schelmenroman mehrfach. Daher mussten die Klein Leppiner Opernmacher eine ganze Weile recherchieren, bis sie auf die Komposition Joseph Bodin de Boismortier stießen. Der französische Komponist schrieb sein Werk 1743 und legte es als fantastische Reise an. Genau so etwas schwebte den Organisatoren vom „Festland“-Verein für die diesjährige Auflage von „Dorf macht Oper“ vor. „Diese Oper ist eine echte Rarität und in Deutschland wahrscheinlich noch nie aufgeführt worden“, sagt Steffen Tast.

„Im Roman ist es ja oft so, dass Don Quichotte mit seiner kauzigen, dennoch kompromisslosen Art auf Unverständnis stößt“, erklärt Stefan Tast. „Meist setzt es dann Prügel für ihn und seinen treuen Begleiter Sancho Panza.“

Doch es gibt eine Szene, die völlig anders verläuft: Die beiden treffen eine Gruppe von Hirten, werden freundlich aufgenommen, und sowohl die beiden Reisende als auch die Hirten erzählen einander ihre Geschichten beim gemeinsamen Essen. „Das passt natürlich besonders gut in die jetzige Zeit“, sagt Christina Tast. Das „Gastmahl“ wird daher auch eine der Schlüsselszenen der Klein Leppiner Aufführung. Natürlich darf auch die berühmte Windmühlenszene nicht fehlen.

Kinder gestalten die Puppenbühne als Teil der Oper

Laut Handlung der Oper verfolgen die beiden Helden, wie ihre Abenteuer von anderen erzählt werden. Also sehen sie auch den Kampf mit den vermeintlichen Riesen, bei denen es sich in Wirklichkeit am Windmühlen handelt. „Wir zeigen dieses Szene als Puppentheater mit großen Puppen“, sagt Christina tast. Dabei kommen die Kinder zum Zuge. Hatten sie in den vergangenen Jahren eher Rollen im Vorprogramm, bekommen sie diesmal einen eigenen großen Auftritt. Die Kinder erarbeiten sowohl eine eigene Puppenbühne mit verschiedenen Hintergrundbildern, den Prospekten, als auch die Puppen selbst und natürlich die Windmühlen. Es gibt phantastische Begegnungen mit Riesen, Zwergen. Immer mit dabei sein werden Flüchtlinge aus Glöwen. Ob sie noch da sein werden, wenn die Oper aufgeführt wird? Wer weiß. „Wir nutzen jedenfalls die Zeit sehr intensiv“, sagt Christina Tast. Zum Ensemble gehört auch eine syrische Chorsängerin, die in Kunow lebt.

Don Quichotte wird schließlich für seine Standhaftigkeit belohnt und zum Schluss in seinem Anderssein anerkannt. Vieles ist noch im Fluss, noch mehr ist zu tun. Aber was Don Quichotte gelingt, schaffen die Klein Leppiner locker.

Die Termine: Es gibt in diesem Jahr vier Aufführungen, am Freitag, 15. Juli eine, zwei am 16. Juli und eine am 17. Juli. Eine Opernwerkstatt findet am 19. März ab 10 Uhr statt. Der Kartenvorverkauf beginnt am 18. April.

Von Andreas König

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