Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Ostprignitz-Ruppin Großer Andrang bei Fachärzten im Nordwesten
Lokales Ostprignitz-Ruppin Großer Andrang bei Fachärzten im Nordwesten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
02:15 19.02.2017
Viele Fachärzte – wie hier die Hautarztpraxis Kreutzer/Dullin in Neuruppin – sind mehr als sehr gut ausgelastet. Quelle: fotoS: Peter Geisler/Archiv, KVB
Anzeige
Neuruppin

Die Recherche für diesen Artikel hat zunächst etwas von einer verschleppten Erkältung. Der Autor steht am Dienstag kurz nach 14 Uhr an der Rezeption einer HNO-Praxis, will nur eine kurze Frage am Empfang loswerden. Das Wartezimmer ist gut gefüllt, auch auf den Stühlen im Flur warten Patienten auf ihre Behandlung. So weit, so normal, könnte man sagen – nur: Die Empfangsdame ist nirgends zu sehen. Die Minuten verstreichen, eine Mutter zieht ihren Kindern schon mal die Jacken aus und platziert sie auf zwei freien Stühlen, eine alte Dame wippt von einem Bein auf das andere. Doch auch sie muss fast eine Viertelstunde warten, ehe die Frau am Empfang wiederauftaucht und die Patienten aufgenommen werden. Immerhin, könnte man auch sagen, diese Menschen haben es bis in die Praxis geschafft und einen Termin bekommen – das ist im Ruppiner Land und in der Prignitz keineswegs eine Selbstverständlichkeit, wie die Umfrage zeigen wird. Das Gesundheitssystem scheint zu kränkeln.

Die Frauenärztin Ines-Manuela Engelmann, die in einem Ärztehaus an der Neuruppiner Karl-Marx-Straße praktiziert, spricht von einer „sehr prekären Situation“. Wer eine Routinekontrolle benötige, müsse mit einer Wartezeit von vier bis fünf Monaten auf einen Termin rechnen, insbesondere wenn die Patientin nur nachmittags könne. Die meisten Kapazitäten würden Schwangere, Akut- und Tumorpatienten binden, sagt Engelmann. Diese bekämen auch zügig eine Behandlung, aber grundsätzlich ist die Situation in den letzten anderthalb Jahren „immer schlechter geworden“, so Engelmann, dabei behandele man im Osten schon jetzt mehr Patientinnen als im bundesdeutschen Durchschnitt. In Rheinsberg und in Wittstock sei die frauenärztliche Versorgung zurückgegangen, gleichzeitig würden zugezogene Frauen beispielsweise aus Berlin eine neue Ärztin als Ansprechpartnerin in der Region suchen. Durch den langfristigen krankheitsbedingten Ausfall eines Kollegen habe sich die Lage in Neuruppin weiterverschärft. Entsprechend rate man Frauen, die nach einer neuen Praxis suchen, bei ihrem alten Arzt zu bleiben, auch wenn dies sehr weite Wege bedeute.

Anderes Fachgebiet, gleiches Bild: In der benachbarten Augenarztpraxis Kaspar heißt es sechs bis neun Monate warten auf einen Termin – für die bereits Bestandspatienten. Für dringende Fälle gibt es morgens von 8 bis 9.30 Uhr eine Akutsprechstunde und „wenn ein Arbeitsunfall am Nachmittag reinkommt, kümmern wir uns darum natürlich auch“, sagt eine Sprechstundenhilfe erklärt. Aber ansonsten werden neue Patienten an andere Praxen verwiesen. Das sorge bei den Patienten verständlicherweise für Frust, so die Mitarbeiterin. „Da heißt es dann schon mal: ’Ich bin jetzt zum dritten Mal hier und bekommen immer noch keinen Termin’“, berichtet sie.

Der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Berlin-Brandenburg sind die Zustände im Nordwesten Brandenburgs bekannt. Die KV kümmert sich um die Zuweisung von Ärzten in einzelne Regionen. Allerdings, sagt der Vorstandsvorsitzende Hans-Joachim Helming, kommen die Vorgaben von der Bundesebene. Und diese seien noch dazu antiquiert. „Die heutige Bedarfsplanung arbeitet mit Zahlen, die grundsätzlich Anfang der neunziger Jahre entstanden sind“, erklärt Helming. „Damals gab es angeblich statistisch zu viele Ärzte und der damalige Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer führte zur Begrenzung dieses rein rechnerisch-statische System der Bedarfszahlen ein. Mit dem „tatsächlichen, objektiven medizinischen Versorgungsbedarf und somit auch mit der vom Patienten wahrgenommen Versorgung vor Ort“ hätten diese Zahlen häufig wenig zu tun.

Laut aktueller Zahlen der KV aus dem Dezember 2016 hat OPR beispielsweise acht Augenärzte – und damit einen Versorgungsgrad von „112 Prozent“. Das bedeutet, das ärztliche Angebot ist in dieser Disziplin den Vorgaben entsprechend ausreichend. Mehr noch: Es können sich keine weiteren Augenärzte in der Region ansiedeln. Bei den Hautärzten sieht es ähnlich aus, hier liegt der Versorgungsgrad bei 118,9 Prozent. Dahinter stehen drei Ärzte im gesamten Landkreis Ostprignitz-Ruppin, zwei davon in Neuruppin und einer in Wittstock. Dies bedeutet weite Anfahrten, insbesondere wenn sich die Versorgung in der Urlaubszeit verschärft.

In der Prignitz stehen nicht einmal laut – der aus Sicht von KV-Chef Helming veralteten – Vorgaben genügend Hautärzte zur Versorgung. Hier praktizieren zwei Dermatologen, womit der Versorgungsgrad knapp unter 100 Prozent liegt. Bei den Hausärzten in der Region „Pritzwalk-Wittstock“ sieht es sogar noch schlechter aus, die Quote liegt hier bei nur noch 96,6 Prozent. Hier hatte die Pritzwalker Allgemeinmedizinerin Sabine Harwig erst vor kurzem angekündigt, zum 31. März die Außenstelle Meyenburg zu schließen. Zwar soll eine Lösung gefunden werden, doch laut Meyenburgs Amtsdirektor Matthias Habermann „wird dies sicher erst im dritten Quartal dieses Jahres etwas werden“.

Die allgemeine Lage ist schlecht und KV-Chef Helming macht den Bürgern in Prignitz und Ruppiner Land wenig Hoffnung auf baldige Besserung: „In den vergangenen zwölf Monaten haben sich die Arztzahlen im Nordwesten Brandenburgs nur wenig verändert. Generell bleibt Brandenburg das Land mit der geringsten Arztdichte bundesweit.“ Hinzu kommt: Die Vorgaben sind das eine, die Attraktivität einer Region für junge Ärzte das andere. Dass es schwierig ist, sie von einem Job in den ländlichen Regionen zu überzeugen, ist kein Geheimnis. Vor diesem Hintergrund wurde vor drei Jahren die Medizinische Hochschule Brandenburg gegründet. Sie soll Studenten anlocken, die sich insbesondere für die ländliche Versorgung erwärmen können. Durch ein Abkommen mit der Hochschule, wonach sie für die anschließende Ausbildung zum Facharzt im Land Brandenburg bleiben, bekommen sie einen großen finanziellen Zuschuss. Nur wird es noch einige Jahre dauern, bis sie fertig ausgebildet sind.

Von Mischa Karth

Andrea Voß aus Wustrau bekam im April 2014 die Diagnose Brustkrebs. Die Tumore hatten bereits gestreut, die Krankheit gilt nach heutigem Stand als unheilbar. Dennoch hat sich Voß ihren Lebensmut bewahrt. Sie zieht viel Kraft aus den Begegnungen mit anderen Menschen. Und aus der Leidenschaft fürs Schreiben. Voß findet, das Thema Krebs müsse öffentlicher werden.

19.02.2017

Amtstierärztin Simone Heiland berichtet über weitreichende Auswirkungen der Geflügelpest auf betroffene Betriebe. Der jüngste Fall in Heiligengrabe ist erst eine Woche her. Dort mussten 4200 Puten getötet werden. Doch das allein reicht nicht.

19.02.2017

Die Stadt Wittstock will ihr Tourismus-Team verstärken und sucht einen Helfer für die bevorstehende Saison.

19.02.2017
Anzeige