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Großes Geheimnis unter der Erde

Bunker in der Kyritz-Ruppiner Heide Großes Geheimnis unter der Erde

Die Bima will in der Kyritz-Ruppiner Heide Unterkünfte und Panzerhallen abreißen lassen, die als Weiße Stadt bekannt waren und seit gut 20 Jahren leer stehen. Die Kosten für Abriss und Entsorgen des Abfalls liegen wohl im zweistelligen Millionenbereich. Unklar ist bis heute, wozu ein riesiger Bunker gebaut wurde, der sich am Rande der Weißen Stadt befindet.

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Die Natur holt sich das Areal zurück. Foto: Peter Geisler

Neuruppin. Die Scheiben sind eingeschlagen, von den Wänden in den Räumen hängen die Tapeten in Streifen. Ansonsten sieht das dreistöckige Gebäude ganz passabel aus. „Hier war die Kommandantur der russischen Streitkräfte untergebracht, die in der Kyritz-Ruppiner Heide stationiert war“, sagt Forstoberrat Dietrich Hoyer. Gleichwohl sind die Tage für das Gebäude, das zum Kern der sogenannten Weißen Stadt in der Heide gehört, gezählt. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), der das insgesamt gut 12 000 Hektar große Heide gehört, will die Weiße Stadt in den nächsten Jahren abreißen lassen.

„Das wird ein Pilotprojekt für das Entsiegeln von Flächen“, sagt Hoyer. Allerdings ist noch nicht klar, wie teuer das wird. Derzeit gibt es nur eine Kalkulation, die gerade von der Bima-Zentrale geprüft wird. Über Zahlen will Hoyer deshalb nicht sprechen. Jedoch dürfte es sich um einen zweistelligen Millionenbetrag handeln, die die Bima in die Hand nehmen muss, um die Fläche dem Erdboden gleich machen zu können.

Besonders teuer ist dabei nicht etwa das Abtragen der maroden Bausubstanz. Vielmehr müssen viele der Baustoffe als Sondermüll entsorgt werden. Grund: Die Dächer wurden vielfach mit Asbestplatten gedeckt, beim Anstrich kamen zumeist bleihaltige Farben zum Einsatz. Die Bima will deshalb erst einmal ein Schadstoffkataster erstellen, um zu wissen, wie viel Müll gesondert entsorgt werden muss. Wann dieses vorliegen wird, ist offen. Gleichwohl rechnet Hoyer damit, dass der Abriss der mehr als 50 Gebäude und Bauwerksreste der Weißen Stadt innerhalb von fünf, sechs Jahren über die Bühne gehen wird. „Je länger wir warten, um so teurer wird es“, sagt auch Rainer Entrup von der Bima. Denn die Natur erobert sich das bebaute Areal zurück: Kleine Birken und Kiefern durchbrechen die Betonböden und wachsen ebenfalls auf Dächern, die noch nicht eingestürzt sind. Viele Gebäude wurden bereits in den 1950er Jahren errichtet und stehen nach dem Abzug der sowjetischen Truppen nun seit mehr als 20 Jahren leer.

Mehr als 800 Soldaten haben einst in der Weißen Stadt gelebt, viele Offiziere mit ihren Familien. Für sie wurden Drei-Raum-Wohnungen in Neubauten errichtet.

Die einfachen Soldaten hingegen hatten in ihren Mannschaftsquartieren kaum mehr Platz als ihre Pritsche, sagt Gerald Lemke. Der Förster, der heute für die Bima arbeitet, hatte bereits zu DDR-Zeiten immer wieder mal Kontakt zu russischen Soldaten und Offizieren in der Weißen Stadt. Heute kümmert sich Lemke mit anderen im Auftrag der Bima um das riesige Areal, in dessen Boden noch viel Munition lagert.

Das Erdreich in der Heide birgt jedoch weitere Geheimnisse, die bis heute nicht gelöst sind. So befindet sich am Rande der Weißen Stadt ein riesiger Bunker im Wald. Der knapp vier Meter hohe Raum unter der Erdoberfläche ist leer und fast so groß wie ein Fußballfeld. Eine Rampe deutet daraufhin, dass der Bunker zumindest mit Jeeps befahren werden konnte. Doch weder die Bima noch die Förster Lemke weiß bis heute, wann und von wem die Anlage gebaut und wofür sie eigentlich genutzt wurde. „Als Munitionslager ist der Bunker zu groß“, sagt Hoyer. Möglicherweise wurde dort anderes sensibles Material gelagert. Aber welches? „Das ist alles Kaffeesatzleserei“, wehrt Bima-Mann Entrup ab. Möglicherweise gibt es in einem Militärarchiv in Moskau Hinweise, ob der Bunker von den Russen gebaut oder genutzt wurde. Aber die Akten sind noch unter Verschluss. Der Bunker soll künftig Fledermäusen als Domizil dienen.

Klar ist indes, dass die Bima in einem anderen Bereich der Kyritz-Ruppiner Heide bereits in den nächsten Monaten einstige Kasernen, Panzerhallen und Garagen abreißen lassen wird, und zwar in Glashütte, südlich von Gadow. In dem einstigen Dorf, in dem bis etwa 1890 Glas hergestellt wurde, befand sich bis 1993 die alte Kommandantur der Luftwaffe der russischen Truppen, die in der Heide stationiert war. Bis Mai nächsten Jahres sollen die rund 30 Gebäude und Bauwerksreste von Glashütte verschwinden. Dazu gehören ebenfalls ein Heizhaus, eine selbst gebaute Sauna sowie zwei Invest­ruinen. Die Gebäude sollten wohl eigentlich mal als Unterkünfte für weitere Soldaten und Offiziere in Glashütte dienen. Doch die Wende und das damit verbundene Ende des kalten Krieges zwischen den damals zwei deutschen Staaten kamen dazwischen.

Von Andreas Vogel

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