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Grüne Brüder: Gutsgärten von Garz und Vichel

Tag der Parks Grüne Brüder: Gutsgärten von Garz und Vichel

Über Jahrhunderte wurden sie entwickelt, in der DDR-Zeit vernachlässigt, nun erleben die Gutsparks von Garz und Vichel eine Art Wiedererweckung – allerdings jeder der beiden Brüdergärten auf seine eigene Art. Obwohl beide denselben Ursprung haben, wirkt der eine nun stark mondän, der andere noch stärker verwunschen – beide haben aber ihren Charme.

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Klassisch schön: Der Blick auf das Garzer Gutshaus und einen kleinen Teil des Landschaftsgartens.

Quelle: Celina Aniol

Garz/Vichel. Wie zwei Brüder muten sie an: so verschieden und sich doch sehr nahe. Schick und schnieke, mit einem exakt geschnittenen Rasen, vielen eleganten Ecken, exquisiten Blüten und noblen Schwänen auf dem zurechtgestutzten See ist der eine. Verwunschen und verwildert, mit einem Hauch Wachgeküsstsein, kräftig farbigen Kunstwerken, dem Charme des Ursprünglichen und einer Dosis verträumter Unaufgeräumtheit erscheint der andere. Malerisch und idyllisch sind sie beide. Beiden sieht man auch die Familienähnlichkeit trotz aller Unterschiede an: Die Gutsparks von Garz und Vichel, die zu den wichtigen, aber jenseits der Dorfgrenzen kaum bekannten Gartendenkmalen gehören, können ihre Ursprünge, die auf einer engen Beziehung zweier Quast-Brüder fußen, nicht leugnen.

Ein neuer Garten für das klassizistische Haus

Seit dem Mittelalter war die Adelsfamilie von Quast in Garz ansässig. Vermutlich erbauten sie dort schon im 13. Jahrhundert den ersten Wohnturm. Damit ging auch die erste Umgestaltung der Landschaft einher. Das vermutet zumindest der Ortschronist und Gartenbauexperte Ulrich Dressel. Ein richtiger Park rund um das Gut entstand allerdings später. Dressel geht davon aus, dass das kurz nach der Fertigstellung des aktuell noch stehenden Herrenhauses 1705 passierte. „So ein klassizistisches Haus schreit ja nach einem anderen Garten als der Wohnturm, in dem die Familie bis dahin lebte.“ Ein Karpfenteich wurde angelegt und die ersten Wege, wie Karten und Gemälde vom Anfang des 19. Jahrhunderts belegen. Die gestalterische Verbindung zu dem nicht einmal zwei Kilometer entfernten Gut Vichel fehlte aber in dem Barockgarten.

Direkter Weg von der Garzer Veranda zum Herrenhaus Vichel

Erst die Brüder Hermann von Quast (1812 bis 1888), Gutsherr in Garz, und Albrecht von Quast (1813 bis 1871), Hausherr in Vichel, die eine enge Beziehung verband, schufen auch landschaftlich ein Band zwischen den beiden Herrenhäusern: „Es entstand ein direkter Weg von der Veranda des Herrenhauses in Garz, durch den Park bis zur Brücke über die Temnitz, weiter entlang einer Baumreihe über die Koppel bis an den Gutspark und das Herrenhaus in Vichel“, schreibt Anke Matthesius in ihrer Diplomarbeit über den Gutspark in Garz.

Hermann von Quast trieb die Umgestaltung des Garzer Parks aber auch sonst weiter voran: Er pflanzte exotische Bäume, schuf ein Denkmal im Park für seine Frau, erweiterte den Teich, schuf neue Wege und schüttete einen Aussichtshügel auf.

Nach 1945 verwilderten die beiden Parks

Ein Großteil seiner Bemühungen ist noch erlebbar – und das, obwohl nach einer folgenden Pflegephase der als Landschaftsgärten angelegten Parks nach 1945 eine fast völlige Verwilderung der Flächen in der DDR-Zeit einsetzte. In Garz, wo das Gutshaus samt Park schnell in private Hände überging, begann die Wiederinstandsetzung der Anlage, die 1968 nur noch als „ungepflegter Waldbestand“ aufgeführt wird, bereits 1992. Seitdem wird der Park, der zum großen Teil trotzdem öffentlich zugänglich ist, meistens streng nach historischem Vorbild weiterentwickelt. Nur kleinere Spielereien wie das Anlegen eines Naschgartens oder die im Volksmund „Liebermanngärten“ genannten, durch Hecken getrennten und mit klaren Sichtachsen versehenen, höchst artifiziellen Bereiche erlaubt sich der heutige Hausherr André Schmitz, der ehemalige Kulturstaatssekretär von Berlin.

Kulturverein rettete den Vicheler Landschaftsgarten

In Vichel blieb der Park viel länger unberührt. Erst in den späten 1990er Jahren wiedererwachte dort das Bewusstsein für das Kleinod am Rande des Ortes. Damals erforschte Johannes Küchler von der TU Berlin das Gelände, es gründete sich der „Kulturverein Temnitztal“, der den Park kaufen wollte. „Wir haben 80 000 Mark zusammengekratzt und den Park von der Treuhand 2000 erworben, damit er nicht in private Hand fällt“, erzählt Annegret Koch vom Vereinsvorstand. Danach kümmerten sich immer wieder Studenten, Vereinsmitglieder, aber auch ABM- und MAE-Kräfte um die Flächen. Kurz nachdem 2005 die „Gesellschaft zur Förderung musischer Erziehung und Lebensgestaltung in der sozialen und therapeutischen Arbeit“ (GZF) das Schloss kaufte, verpachtete der Verein den Park an diese. „Wir waren immer so um 20, 25 Mitglieder und die Arbeit unendlich“, sagt Annegret Koch, die beim GZF arbeitet. „Man muss ja alles ständig freischneiden, sonst wächst es im Nu wieder zu.“ Seitdem habe sich das Areal prächtig entwickelt – und tue es immer wieder ein Stück mehr. Auch in dieser Woche wollen Freiwillige drei alte Eiche freilegen. „Unser Gutspark wird nie der Garzer Park werden – das ist aber auch nicht unser Ziel.“ Mehr Verbrüderung würde sich Annegret Koch aber doch wünschen: Der Verein würde gern eine Brücke über die Temnitz gen Garz bauen. Denn das vom Garzer Eigentümer errichtete Bauwerk über dem Fluss ist nicht frei zugänglich. „Das Holz liegt dort schon bereit.“

Von Celina Aniol

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