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Grundwasser in Neustadt (Dosse) vergiftet

Brunnen-Verbot Grundwasser in Neustadt (Dosse) vergiftet

Neustadt (Dosse) hat mit Altlasten im Boden zu kämpfen. Beim Umbau der alten Mühle wurde Quecksilber und Arsen im Boden entdeckt. Arsen ist bereits ins Grundwasser gelangt. Es ist ein schleichendes Gift. Deshalb hat der Kreis Ostprignitz-Ruppin umgehend betroffene Anwohner informiert. Ab sofort gibt es ein Brunnen-Verbot.

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Beim Umbau der Mühle Spiegelberg zum Internat für Reitschüler wurde das Gift im Boden entdeckt.
 

Quelle: FoTo: André Reichel

Neuruppin.  Erneut hat die Kreisverwaltung in Neuruppin das Nutzen von Gartenbrunnen untersagt – diesmal aber nicht für einen Bereich in der Fontanestadt, sondern für die Anwohner des Spiegelberges in Neustadt (Dosse). Dort wurden zwischen 1685 und 1840 in einer Manufaktur Spiegel hergestellt. „Die waren seinerzeit weltberühmt“, sagte am Mittwoch Micaela Lorenz von der Unteren Bodenschutzbehörde in Neuruppin.

Jedoch haben die Behörde und vor allem die Anwohner die Folgen der Spiegelproduktion noch heute auszubaden. Denn beim im Jahre 2008 begonnenen Umbau der alten Mühle zu einem Reitinternat wurde Quecksilber in hoher Konzentration im Boden gefunden – knapp 170 Jahre nach dem Aus für die Manufaktur. 2000 Tonnen verseuchtes Erdreich mussten entsorgt werden.

Von dem Quecksilber, das sich noch im Erdreich befindet, „geht im öffentlichen Bereich keine Gefahr aus“, versicherte Lorenz. Es könne durch die Grasnarbe und die Straßen nicht ausdampfen. Allerdings hat die Behörde bei den folgenden Untersuchungen zur eigenen Überraschung festgestellt, dass das Grundwasser in hohem Maße mit Arsen belastet ist. Der Kreis hat die Anwohner darüber informiert und ihnen jetzt auch untersagt, dass sie ihre Brunnen nicht nutzen dürfen.

Schadstoffe auf Neuruppiner Flugplatz

In Ostprignitz-Ruppin gibt es aktuell 337 sogenannte Altlastenverdachtsflächen. Davon befinden sich 198 auf Gebieten, die einst von der sowjetischen Armee genutzt wurden.

Es dauert meist Jahre , um den Boden und das Wasser von Schadstoffen zu befreien. So wird auf dem einstigen Neuruppiner Flugplatz schon seit dem Jahr 2001 versucht, das Gift im Untergrund unter dem dort entstandenen Wohngebiet zu beseitigen: Boden wurde ausgetauscht, eine Grundwasserreinigungsanlage installiert, mit der 70 000 Kubikmeter Wasser gereinigt und 180 Kilo Schadstoffe, zumeist Benzolverbindungen, entnommen werden konnten.

 
Im Juli 2016 sollen die vom Land finanzierten Arbeiten eingestellt werden. Ob dann die Gartenbesitzer Brunnen nutzen dürfen, ist aber offen.

„Arsen ist ein schleichendes Gift“, betonte Lorenz. Es war bei der Spiegelglasproduktion eingesetzt worden, um die Glasschmelze zu entgasen. Die Bodenschutzexpertin geht aber davon aus, dass bei diesem Prozess lediglich zehn bis 50 Prozent des eingesetzten Arsens verdampft sind. Der Rest gelangte durch Niederschläge ins Grundwasser. „Wir haben bisher aber kein Arsen in der Dosse feststellen können“, sagte Lorenz. Die Dosse fließt direkt neben dem Spiegelberg. Der Kreis will nun bis 2018 das Grundwasser am Spiegelberg regelmäßig prüfen und analysieren, ob sich das Gift auf natürliche Weise abbaut oder das Grundwasser saniert werden muss.

Veranstaltungen wegen Geruchsbelästigung nicht möglich

In Kyritz wird bereits saniert. Dort hatte der evangelische Kirchenkreis 1993 von der Treuhand das Grundstück erworben, auf dem sich seit den 1970er Jahren eine chemische Reinigung befand. Die Kirche baute auf dem Areal für ihre Superintendentur ein Verwaltungsgebäude samt Veranstaltungsraum – kann diesen aber nicht nutzen. „Es gab dort erhebliche Geruchsbelästigungen“, sagte Micaela Lorenz. Der Grund: In der chemischen Reinigung waren jahrelang leicht flüchtige Kohlenwasserstoffe eingesetzt worden (LHKW), die nun austreten. Zwar wurden zum Schutz der Mitarbeiter der Kirche Luftaktivkohlefilter aufgestellt. Dennoch kann der eigentliche Veranstaltungsraum derzeit nur als Archiv genutzt werden.

Mehrere 100.000 Euro zur Beseitigung investiert und kein Ende in Sicht

Die Kirche versucht seit einiger Zeit, den Schaden unter ihren Füßen zu beheben. Dazu wurde bereits 2012 Natriumpermanganat in die Erde gespritzt. Dieses soll die Schadstoffe im Boden zerstören. Allerdings war die Dosis wohl zu gering, weshalb im vergangenen Jahr nochmals in drei Anläufen jeweils 1000 Liter dieser Lösung nachgelegt wurden.

„Zum Anfang sahen die Ergebnisse auch ganz gut aus“, sagte Lorenz. Aber jetzt steigen die LHKW-Werte wieder – vermutlich, weil sich noch so viele Schadstoffe im Boden befinden. Deshalb muss im nächsten Jahr wohl erneut gespritzt werden. Die Kosten dafür hat der evangelische Kirchenkreis zu tragen. Schon jetzt beläuft sich der Aufwand auf mehrere 100 000 Euro.

Von Andreas Vogel

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