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Gut integriert in Flecken Zechlin

Deutsch für Flüchtlingskinder Gut integriert in Flecken Zechlin

Die Grundschule in Flecken Zechlin hat neun Flüchtlingskinder aufgenommen. Die Neuankömmlinge sind bestens integriert, sagt die Schulleiterin. In Kürze könnten bis zu 15 weitere Flüchtlingskinder kommen – an der Rheinsberger Schule ist keine Platz mehr für sie.

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Beratung an der Tafel: Diana lässt sich einen Tipp geben. Die siebenjährige Afghanin geht in die erste Klasse. Quwllw: Herweg

Flecken Zechlin. Manchmal fließen im Unterricht auch Tränen. Als Margrit Jacobsen vor Kurzem mit den Flüchtlingskindern die Körperteile besprach, begannen die Jungen zu erzählen, wie ihrem Onkel die Unterschenkel weggeschossen wurden. Jacobsen musste schlucken. An Unterricht war erst mal nicht mehr zu denken. „Wenn die Kinder reden wollen, dann reden wir“, sagt die pensionierte Lehrerin.

Seit November vergangenen Jahres unterrichtet Margrit Jacobsen an der Grundschule in Flecken Zechlin Flüchtlingskinder. Neun Kinder aus Afghanistan, Syrien und Tschetschenien hat die Schule im vergangenen Jahr aufgenommen. Händeringend hatte das Schulamt nach einer Lehrerin gesucht, die mit diesen Kindern Deutsch lernen kann. Als die Sozialarbeiterin Romy Stark den Tipp gab, mal bei Margrit Jacobsen nachzufragen, rief das Schulamt gleich am nächsten Tag bei ihr an und stellte sie wenig später an.

Unterricht von der ersten bis zur fünften Klasse – eine Herausforderung

Zwei Stunden täglich besuchen Issra, Sidra, Mortaza und die anderen Flüchtlingskinder den Deutschunterricht bei der zierlichen Pädagogin. Danach wechseln sie in ihre eigentlichen Klassen. Margrit Jacobsen hat in Berlin 35 Jahre lang Oberschüler unterrichtet. Der Unterricht in Flecken Zechlin ist für sie nun eine Riesenherausforderung: Sie muss Kinder von der ersten bis zur fünften Klassen gleichzeitig unterrichten. Große Mädchen, die schon Liebesbriefe schreiben und kleine Jungen, die noch in dem Alter für die „Sendung mit der Maus“ sind. Ein Spagat.

Schwierig auch: Manche Kinder haben noch nie eine Schule besuchen können. „Schule peng-peng“, sagt einer der Jungs und deutet mit den Armen ein imaginäres Maschinengewehr an. Andere haben in den Jahren ihrer Flucht Unterricht in einer ihnen fremden Sprache gehabt.

Anfangs, als noch keines der Kinder Deutsch konnte, brachte Margrit Jacobsen ihnen Zettel mit, auf denen Wörter standen – „Tisch“, „Stuhl“ oder „Tafel“. Die Kinder sollten die Zettel an die richtigen Stellen legen. Schritt für Schritt eroberten sie sich den Klassenraum. Inzwischen können alle auf Deutsch von sich selbst erzählen.

„Meine Freunde heißen Joshua und Tobi “, erzählt Mortaza grinsend. „Wir spielen Fußball.“ Issra berichtet von den Hunden, vor denen die Kinder in Luhme anfangs Angst hatten. Als ihre Worte nicht mehr ausreichen, macht das Mädchen mit Zahnlücke vor, wie einer der Hunde versucht, die Kinder abzulecken.

Als Margrit Jacobsen den Kindern Begriffe zuruft, rennen sie zur Tafel und schreiben sie auf. „Der Bär“, „die Katze“, „der Hund“ stehen fehlerlos an der Tafel. Lediglich „der Nuwember“ braucht eine kleine Korrektur.

Bei deutschen Liedern sind die Flüchtlingskinder textsicher

Mit den beiden Teddybären Victor und Paula versuchen die Kinder die deutschen Personalpronomen zu lernen. „Ich“, „du“, „wir“ oder „ihr“ lässt sich in Rollenspielen mit den Bären erklären. Margrit Jacobsen hat zudem Keyboards mitgebracht. Das Instrument soll die Kinder bei deutschen Liedtexten begleiten. „Abc – die Katze lief im Schnee“ singen die Kinder – völlig textsicher.

Nach zwei Stunden verabschieden sich alle mit einem „Tschüss, bis morgen“ in ihre Klassen. Margrit Jacobsen findet es wichtig, dass die Kinder von Anfang an reguläre Klassen besuchen. „So lernen sie Deutsch auf Kinderniveau und können sich am schnellsten integrieren.“

Vielleicht schon Ostern kommen die nächsten Flüchtlinge

In Kürze – vielleicht noch Ostern – könnte die Grundschule Flecken Zechlin noch bis zu 15 weitere Flüchtlingskinder aus Rheinsberg bekommen. Die Schule dort hat keine Plätze mehr. Die Schulleiterin Karin Lieberenz sieht den Neuankömmlingen gelassen entgegen. Die Kinder aus dem Flüchtlingsheim in Luhme haben schon Riesenfortschritte in Deutsch gemacht. Einige werden demnächst gar keinen eigenen Sprachunterricht mehr brauchen – für neue Kinder wäre Platz. Jacobsen wie Lieberenz sind begeistert von der Lernlust der neuen Kinder. „Sie zeigen, dass man auch lernen kann, wenn man nur lernen will“, sagt Karin Lieberenz. Eine Bereicherung, findet sie. Bislang hat Karin Lieberenz von den deutschen Kindern „kein abwertendes Wort“ gehört. Vor der Ankunft der Flüchtlingskinder hatten die Lehrer in den Klassen erzählt, welche neuen Kinder kommen würden – Mädchen und Jungen, die vielleicht zusehen mussten, wie Menschen erschossen wurden oder wie Häuser einstürzten. „Wir haben erzählt, dass sie einen ruhigen Tagesablauf in der Schule brauchen würden“, sagt Karin Lieberenz. „Das haben unsere Kinder super verstanden.“

Von Frauke Herweg

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