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Gutachter hält Kyritzer für schuldfähig

Prozess gegen Brandstifter Gutachter hält Kyritzer für schuldfähig

Der Kyritzer, der mit einer Brandserie in Kyritz von September 2014 bis Juni 2015, die Stadt im Atem hielt, ist laut Aussage des psychiatrischen Gutachters voll Schuldfähig. Der normal intelligente 31-Jährige sei mit seinem Leben unzufrieden gewesen. Den Antrieb, etwas zu ändern, habe er nicht aufbringen können. Aus Frust habe der Angeklagte dann feuer gelegt.

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Der Verteidiger Ansgar Aigner und der Angeklagte.

Quelle: Dagmar Simons

Kyritz. Aus „allgemeiner Unzufriedenheit“ hat Christoph M. zwischen September 2014 und Juni 2015 in Kyritz Brände gelegt. Immer in den Nachtstunden gingen Autos, ein Bus und Mülltonnen in der Abnahmestelle „Strüwe“ in Flammen auf.

Wegen Brandstiftung in sieben Fällen muss sich der 31-Jährige seit Montag vor dem Landgericht Neuruppin verantworten. Der ehemalige Feuerwehrmann hat von Anfang an reinen Tisch gemacht und gleich nach seiner Festnahme am 5. August vergangenen Jahres die Taten gestanden. „Er hätte sich gern weiter gesehen in seinem Alter“, sagte der Vernehmungsbeamte Björn H. gestern. Wenn der Angeklagte den Abend im Kreis seiner teilweise erheblich jüngeren Freunde verbracht hatte und auf dem Heimweg war, kam die Ernüchterung. Aus Enttäuschung über das Leben hat er dann spontan Brände gelegt, dieses Bild ergaben seine Angaben gegenüber der Polizei.

Unzufrieden mit dem eigenen Leben

„Im Alter um die 30 zieht man so die erste Lebensbilanz. Was war bisher, wo will ich hin“, sagte der psychiatrische Gutachter Matthias Lammel. Das Fazit bei Christoph M. fiel nicht gut aus. Der gelernte Metallbauer arbeitete Berufsfremd als Lagerist. Sein Wunsch, Berufskraftfahrer zu werden, scheiterte seinen Angaben nach am Geld, genauso wie eine eigene Wohnung. Dass er weder einen Auszug aus der elterlichen Wohnung noch den Erwerb eines LKW-Führerscheins in Angriff genommen hat, schob er immer auf seinen geringen Verdienst.

Die langjährige Beziehung zu seiner Freundin scheiterte im Spätsommer 2014, kurz bevor die Brandserie begann. „Innerlich hatte er sich nicht von der Freundin gelöst“, sagte der Gutachter. Christoph M. besaß aber auch nicht die Entschlusskraft, die Beziehung zu festigen. Probleme aktiv und konstruktiv zu lösen, war noch nie so seine Sache. Im Hinterkopf hatte er immer die Idee, „Ich müsste mal was ändern“, doch die Realisierung blieb Zukunftsmusik.

Angeklagter ist für seine Taten verantwortlich

„Christoph M. ist normal intelligent, etwas passiv. Er hat wenig Selbstbewusstsein und schiebt Dinge vor sich her“, so der Gutachter. Im Alkohol habe der Angeklagte Entspannung gesucht. Das alles sei keine Krankheit. „Das sind Persönlichkeitsbesonderheiten, die der eine mehr, der andere weniger hat“, so Lammel. Die einzige Diagnose, die er stellen könne, sei, dass der Angeklagte regelmäßig zu viel Alkohol trinke. Aber auch darin sah der Sachverständige keinen Anhaltspunkt für eine verminderte Schuldfähigkeit oder gar eine Schuldunfähigkeit zu den Tatzeiten.

Der Kyritzer wurde bei der letzten Tat beobachtet

Das letzte Mal zündelte Christoph M. am 21. Juni 2015. Nach einer Feier im Garten seiner Eltern brachte er die Mädchen nach hause. Auf dem Rückweg kam er in der Stephanusstraße an der, wie er sagte, zusammengefallenen Baracke vorbei, stellte sein Auto ab und versuchte mit seinem Feuerzeug die Dachpappe anzuzünden. Dabei wurde er von einer Anwohnerin erwischt. Sie war gegen drei Uhr morgens wach geworden und hatte gehört wie ein Auto anhielt. Beim Blick aus dem Fenster sah sie jemanden, an den Garagen entlang schleichen, der etwas aus seiner Tasche zog. Dann habe es ein bisschen gelodert. „Ich war entsetzt, sauer und wütend“, sagte die Zeugin am ersten Verhandlungstag. Als sie ihn rief, sei der Mann losgerannt, ins Auto gestiegen und mit Vollgas abgerauscht. Das Kennzeichen konnten sie und ihr Lebensgefährte nicht erkennen, jedoch eine vage Personenbeschreibung abgeben. Christoph M. hatte bei seiner überstürzten Flucht eine Radkappe verloren. So kam ein Teil zum anderen, bis sich ein vollständiges Puzzle ergab und die Polizei am Morgen des 5. August vor der Tür von Christoph M. stand. „Wir haben die Wohnung durchsucht und einiges sicher gestellt“, sagte der Polizeibeamte Björn H.

Mit der Festnahme von Christoph M. endete die Brandserie, die ganz Kyritz in Atem hielt. Ein Urteil wird für den 8. März erwartet.

Von Dagmar Simons

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