Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Ostprignitz-Ruppin Gutachter hält Kyritzer für schuldfähig
Lokales Ostprignitz-Ruppin Gutachter hält Kyritzer für schuldfähig
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 07.03.2016
Der Verteidiger Ansgar Aigner und der Angeklagte. Quelle: Dagmar Simons
Anzeige
Kyritz

Aus „allgemeiner Unzufriedenheit“ hat Christoph M. zwischen September 2014 und Juni 2015 in Kyritz Brände gelegt. Immer in den Nachtstunden gingen Autos, ein Bus und Mülltonnen in der Abnahmestelle „Strüwe“ in Flammen auf.

Wegen Brandstiftung in sieben Fällen muss sich der 31-Jährige seit Montag vor dem Landgericht Neuruppin verantworten. Der ehemalige Feuerwehrmann hat von Anfang an reinen Tisch gemacht und gleich nach seiner Festnahme am 5. August vergangenen Jahres die Taten gestanden. „Er hätte sich gern weiter gesehen in seinem Alter“, sagte der Vernehmungsbeamte Björn H. gestern. Wenn der Angeklagte den Abend im Kreis seiner teilweise erheblich jüngeren Freunde verbracht hatte und auf dem Heimweg war, kam die Ernüchterung. Aus Enttäuschung über das Leben hat er dann spontan Brände gelegt, dieses Bild ergaben seine Angaben gegenüber der Polizei.

Unzufrieden mit dem eigenen Leben

„Im Alter um die 30 zieht man so die erste Lebensbilanz. Was war bisher, wo will ich hin“, sagte der psychiatrische Gutachter Matthias Lammel. Das Fazit bei Christoph M. fiel nicht gut aus. Der gelernte Metallbauer arbeitete Berufsfremd als Lagerist. Sein Wunsch, Berufskraftfahrer zu werden, scheiterte seinen Angaben nach am Geld, genauso wie eine eigene Wohnung. Dass er weder einen Auszug aus der elterlichen Wohnung noch den Erwerb eines LKW-Führerscheins in Angriff genommen hat, schob er immer auf seinen geringen Verdienst.

Die langjährige Beziehung zu seiner Freundin scheiterte im Spätsommer 2014, kurz bevor die Brandserie begann. „Innerlich hatte er sich nicht von der Freundin gelöst“, sagte der Gutachter. Christoph M. besaß aber auch nicht die Entschlusskraft, die Beziehung zu festigen. Probleme aktiv und konstruktiv zu lösen, war noch nie so seine Sache. Im Hinterkopf hatte er immer die Idee, „Ich müsste mal was ändern“, doch die Realisierung blieb Zukunftsmusik.

Angeklagter ist für seine Taten verantwortlich

„Christoph M. ist normal intelligent, etwas passiv. Er hat wenig Selbstbewusstsein und schiebt Dinge vor sich her“, so der Gutachter. Im Alkohol habe der Angeklagte Entspannung gesucht. Das alles sei keine Krankheit. „Das sind Persönlichkeitsbesonderheiten, die der eine mehr, der andere weniger hat“, so Lammel. Die einzige Diagnose, die er stellen könne, sei, dass der Angeklagte regelmäßig zu viel Alkohol trinke. Aber auch darin sah der Sachverständige keinen Anhaltspunkt für eine verminderte Schuldfähigkeit oder gar eine Schuldunfähigkeit zu den Tatzeiten.

Der Kyritzer wurde bei der letzten Tat beobachtet

Das letzte Mal zündelte Christoph M. am 21. Juni 2015. Nach einer Feier im Garten seiner Eltern brachte er die Mädchen nach hause. Auf dem Rückweg kam er in der Stephanusstraße an der, wie er sagte, zusammengefallenen Baracke vorbei, stellte sein Auto ab und versuchte mit seinem Feuerzeug die Dachpappe anzuzünden. Dabei wurde er von einer Anwohnerin erwischt. Sie war gegen drei Uhr morgens wach geworden und hatte gehört wie ein Auto anhielt. Beim Blick aus dem Fenster sah sie jemanden, an den Garagen entlang schleichen, der etwas aus seiner Tasche zog. Dann habe es ein bisschen gelodert. „Ich war entsetzt, sauer und wütend“, sagte die Zeugin am ersten Verhandlungstag. Als sie ihn rief, sei der Mann losgerannt, ins Auto gestiegen und mit Vollgas abgerauscht. Das Kennzeichen konnten sie und ihr Lebensgefährte nicht erkennen, jedoch eine vage Personenbeschreibung abgeben. Christoph M. hatte bei seiner überstürzten Flucht eine Radkappe verloren. So kam ein Teil zum anderen, bis sich ein vollständiges Puzzle ergab und die Polizei am Morgen des 5. August vor der Tür von Christoph M. stand. „Wir haben die Wohnung durchsucht und einiges sicher gestellt“, sagte der Polizeibeamte Björn H.

Mit der Festnahme von Christoph M. endete die Brandserie, die ganz Kyritz in Atem hielt. Ein Urteil wird für den 8. März erwartet.

Von Dagmar Simons

Ostprignitz-Ruppin Don Quichotte in der Prignitz - Große Oper in Klein Leppin

Diese Oper ist eine Rarität und in Deutschland wahrscheinlich noch nie aufgeführt worden: Don Quichotte, 1743 geschrieben von Joseph Bodin de Boismortier, ist im Juli im Leppiner Festspielhaus zu sehen. Bei den derzeitigen Vorbereitungen helfen auch Flüchtlinge aus dem Heim in Glöwen mit.

07.03.2016
Ostprignitz-Ruppin Schüler gestalten einen Abend - Kunstfest am Kyritzer Gymnasium

Seit mehr als zehn Jahren schon lädt das Kyritzer Friedrich-Ludwig-Jahn-Gymnasium zum Kunstfest ein. Es steht jedes Mal unter einem anderen Motto. Diesmal lautet es „Unterwegs“. Andere Länder und Städte sind dann an der Schule zu Gast und können einen Abend lang hautnah erlebt werden.

07.03.2016

Nach dem Erfolg für eine Nachtzugverbindung von Berlin über das Havelland in die Prignitz ist der Kampf für die Bürgerinitiative längst nicht beendet. Schließlich handelt es sich ab April nur um eine weitere, wenngleich längere Testphase. Daher soll der Zusatzzug publik gemacht werden. Und die Vision für solche Bahnstrecken geht ohnehin sehr viel weiter.

07.03.2016
Anzeige