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Gysi und Schorlemmer in Wusterhausen

Literarischer Bilderbogen Gysi und Schorlemmer in Wusterhausen

Eine Erfolgsgeschichte ist der „Literarische Bilderbogen“ der Bibliotheken im Landkreis Ostprignitz-Ruppin: Die Veranstaltungen mit prominenten Autoren wurden von insgesamt 2200 Gästen besucht. Dazu zählte als Abschluss der Reihe jetzt auch die Podiumsdiskussion mit Gregor Gysi und Friedrich Schorlemmer in der Wusterhausener Dossehalle.

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Friedrich Schorlemmer (l.), Bilderbogen-Bücherfee Mathilda Schroeder und Gregor Gysi.

Quelle: Renate Zunke

Wusterhausen. Mit einer beeindruckenden Veranstaltung wurde am Freitagabend der diesjährige, nunmehr 20. Literarische Bilderbogen der Bibliotheken des Landkreises Ostprignitz-Ruppin beendet. Zu Gast waren Gregor Gysi, Jahrgang 1948, und Friedrich Schorlemmer, Jahrgang 1944. Die Resonanz war groß: Zu der Podiumsdiskussion, moderiert vom Publizisten Hans-Dieter Schütt, waren etwa 400 Leute aus dem Ruppiner Land und der Prignitz, aber auch von weiter her, in die Dossehalle gekommen.

Grundlage der Diskussion war das Buch „Was bleiben wird“. Hier erinnern sich Gysi und Schorlemmer in einem sehr persönlichen Gespräch mit Schütt an die DDR, ein verschwundenes und schwieriges Land, das 17 Millionen Menschen prägte. Und es ist auch der Versuch, zwei Leben zu erklären. Denn beide Autoren lebten vor der Wende in verschiedenen Welten: Gregor Gysi als Sohn des einstigen Kulturministers Klaus Gysi und Anwalt, Friedrich Schorlemmer als Pfarrerssohn und oppositioneller Pfarrer. Während er als Mitinitiator der Bürgerrechtsbewegung „Schwerter zu Pflugscharen“ der DDR und ihren Oberen immer kritisch gegenüber stand, gehörte Gregor Gysi eher zu den systemnahen Persönlichkeiten.

Gysi stellte gleich am Anfang klar: „Die DDR musste scheitern und ist auch zu Recht gescheitert.“ Trotzdem würde es Dinge geben, die man von der DDR hätte übernehmen müssen. Er zählte dazu unter anderen die Kita-Betreuung und die Polikliniken.

Friedrich Schorlemmer bezeichnete die Wiedervereinigung sogar als „in vielen Fällen feindliche Übernahme“. Er prangerte die Schwachsinnigkeit mancher Fernsehsendungen an und meinte dazu: „Ein Pioniernachmittag zu DDR-Zeiten war für junge Leute nicht so schlimm wie ein Nachmittag bei den heutigen privaten Sendern.“

Die Podiumsdiskussion in der Wusterhausener Dossehalle wurde vom Publizisten Hans-Dieter Schütt moderiert

Die Podiumsdiskussion in der Wusterhausener Dossehalle wurde vom Publizisten Hans-Dieter Schütt moderiert.

Quelle: Renate Zunke

Beide Protagonisten waren sich darin einig, dass sich Kultur in der DDR jeder leisten konnte. Heute würden Menschen wegen fehlender finanzieller Mittel ausgegrenzt von Kunst und Kultur. „Wir hatten tolle Theater. Das geschriebene Wort hatte Wert. Das Gespräch hatte Wert“, sagte Gregor Gysi.

Warum er nicht wie andere Pfarrer nach der Wende in die Politik gegangen sei, wollte Schütt von Schorlemmer wissen. Der meinte schlicht: „Ich hätte nicht mehr schlafen können.“

Gregor Gysi wurde deutlicher: „Schorlemmer hat sich nicht angebiedert, obwohl er zu DDR-Zeiten immer mit einem Bein im Gefängnis stand. Die DDR mochte ihn nicht und die Bundesrepublik auch nicht.“

Heutige Probleme wie die Flüchtlingssituation wurden nicht ausgelassen. „Was hat die Vielzahl der Flüchtlinge gebracht?“, diese Frage stellte Gysi in den Raum, um sie sogleich zu beantworten: „Neu ist, dass es auf einmal soviel ehrenamtliche Hilfe gibt. Neu ist, dass wir plötzlich mit einer Weltproblematik konfrontiert werden, von der wir bisher verschont blieben. Unterschätzt haben wir die weltweite Digitalisierung, denn jetzt wissen die Menschen in Afrika, wie wir in Europa leben. Und wir können nicht damit umgehen.“ Beide Männer waren sich darin einig, dass ein militärischer Einsatz gegen den islamischen Staat eine Fehlentscheidung ist, weil damit nicht die Probleme beseitigt werden. Gysi warnte: „Wenn wir jetzt nicht die Weltpolitik ernsthaft angehen, kann eine unberechenbare Situation entstehen und die Entwicklung in Europa geht nach rechts.“

Von Renate Zunke

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