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Ostprignitz-Ruppin Edeka-Betreiber hängen weiter in der Luft
Lokales Ostprignitz-Ruppin Edeka-Betreiber hängen weiter in der Luft
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18:34 11.08.2014
Dirk Brehme, Orta Brehme, Friederike Brehme und Marco Voßler vor einem Jahr vor dem abgebrannten Rheinsberger Edeka-Markt. (v.r.n.l.) Quelle: C. Aniol (Archiv)
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Rheinsberg

Sie sind frustriert. Richtig frustriert. "Sind wir überhaupt noch gewollt in Rheinsberg?" Dirk und Orta Brehme, die Betreiber des einstigen Edeka-Marktes in der Stadt, fühlen sich "wie im falschen Film". Der Markt war vor einem Jahr abgebrannt - und sollte so schnell wie möglich wieder aufgebaut werden. Es gab viele Zusagen von Helfern. Doch bis heute ist kaum was passiert.

"Wir sind von sämtlichen öffentlichen Stellen im Stich gelassen worden", sagt Dirk Brehme. 15 von 30 Mitarbeitern, die in Rheinsberg beschäftigt waren, musste die Familie Anfang Juni entlassen. "Dadurch haben wir immerhin 15 Arbeitsplätze gerettet", sagt Brehme. Für die hat die Familie neue Aufgaben in ihren Märkten in Neuruppin und Flecken Zechlin gesucht - obwohl da keine zusätzlichen Kräfte benötigt wurden.

"Denen kann man doch nicht einfach so kündigen"

Mehrfach hat das Arbeitsamt versichert, dass Kurzarbeit möglich ist. Darauf haben sich die Brehmes verlassen. Bis der Gebietsleiter für Brandenburg Nord-Ost nach Neuruppin kam und der Familie mitteilte, dass daraus nichts wird. Die wirtschaftliche Schieflage sei schließlich im August vergangenen Jahres eingetreten, Anspruch auf Kurzarbeit bestehe aber nur in den ersten sechs Monaten nach Eintritt der Schieflage. "Dass für uns die wirtschaftlich schwierige Lage erst jetzt eintritt, das hat ihn nicht interessiert. Er hat nur mit den Schultern gezuckt", sagt Dirk Brehme. Die Folge: Brehmes mussten die Hälfte ihrer Leute entlassen. Das Ehepaar ging nach Länge der Betriebszugehörigkeit. "Wir haben einige, die sind 20 Jahre dabei. Denen kann man doch nicht einfach so kündigen", sagt Orta Brehme.

Ein Bild aus besseren Tagen: Damals dachten noch alle, dass der neue Edeka-Markt im September 2014 eröffnet werden kann. Quelle: C. Aniol (Archiv)

Die Familie hat das Gefühl, dass in Rheinsberg einige Leute den Neubau von Edeka verhindern wollen. So haben sich Einzelhändler mit einem Brief an die Stadtverordneten gewandt. Grund: Sie befürchten, dass sie Personal entlassen müssten, wenn Edeka wieder aufmacht.

Will der Einzelhandel den Neuaufbau verhindern?

"Viele sagen, dass in dem Neubau der Backstand und die Fleischerei viel größer sein werden und dass wir dadurch die Kleinhändler gefährden", sagt Unternehmenssprecher Marco Voßler. "Das ist aber Quatsch. Die Verkaufsfläche der Stände bleibt gleich groß."

Sämtliche Unterlagen sind längst bei den zuständigen Stellen. Und doch tut sich nichts. Da helfen auch die aufmunternden Gespräche mit Rheinsbergs Bürgermeister Rau oder Vize-Landrat Nüse nichts. "Herr Nüse sagte uns, dass der Kreis nur auf das Okay der Rheinsberger Stadtverordneten wartet", so Voßler. Doch die lassen sich Zeit. "Das Beteiligungsverfahren ist nicht abgeschlossen, weil noch nicht alle Stellungnahmen vorliegen", sagt Kreissprecherin Britta Avantario.

"Die Drogeriegeschichte wird uns zum Verhängnis", glaubt Dirk Brehme. Denn das ist die einzige in der Sortimentspalette, die erweitert werden soll - auf Bitten der Stadt. "Jetzt fällt uns das auf die Füße, weil alle sagen, dass wir unser ganzes Sortiment vergrößern. Und weil in der Zwischenzeit eine Drogerie in Rheinsberg eröffnet hat."

Knackpunkt Drogeriesortiment

Die Ängste der Händler können die Edeka-Betreiber gut nachvollziehen. "Als der Aldi einen Backstand eröffnete, brach bei uns der Umsatz bei den Backwaren um bis zu 30 Prozent ein. Wir haben mit denselben Problemen zu kämpfen wie die anderen." Doch Jammern hilft nicht. Stattdessen versuchen die Brehmes, ein Alleinstellungsmerkmal zu entwickeln. So haben sie sich nach dem Aldi-Einbruch bewusst einen Bäcker aus der Region gesucht.

Welche Ängste ein Fahrrad- oder ein Buchhändler, die den Brandbrief ebenfalls unterschrieben haben, mit dem neuen Edeka haben, dass verstehen die Brehmes nicht. "Wir haben zwar ein paar Bücher oder auch Fahrradflickzeug - aber wir sind ganz klar Lebensmittelhändler." Zudem: Die Bücher hatten die Brehmes auch schon vor 20 Jahren im Sortiment, als der Buchladen noch nicht existierte. Auch der Fleischer Andreas Endler, der die Kritiker anführt, habe seinen Laden nach Edeka aufgemacht.

Unternehmen ist auf den Standort angewiesen

Wann der neue Markt eröffnet wird, ist unklar. Erst war von September die Rede, nun von März 2015. Aber selbst der Termin ist offen. Klar ist für Brehmes nur eines. "Das gesamte Unternehmen Edeka Brehme kann so nur mit einem Markt in Rheinsberg existieren." Der Neuruppiner Laden wäre zwar ohne den Rheinsberger nicht unmittelbar gefährdet, aber der Markt in Flecken Zechlin müsste geschlossen werden. "Das ist ein reiner Saisonmarkt", sagt Orta Brehme. Allein das Bestücken des kleinen Ladens, in dem viele Touristen einkaufen, funktioniere ohne den Standort in Rheinsberg kaum. "Ich brauche dort nicht die Mengen an Eiersalat. Welcher Lieferant fährt aber wegen zehn Päckchen Eiersalat nach Flecken Zechlin?"

Von Celina Aniol und Andreas Vogel

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