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Häuserchronik birgt Geschichte der Vorfahren

Sewekow Häuserchronik birgt Geschichte der Vorfahren

Ortschronistin Heidi Kübler und weitere Einwohnern von Sewekow greifen in der Arbeitsgruppe Heimatgeschichte immer wieder neue Themen auf. Daran mangelt es nicht, wie das jüngste Beispiel zeigt. Es liegt eine Häuserchronik vor, für die bereits vor mehr als zehn Jahren der Grundstein gelegt wurde.

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Bilanz der Neubert-Ära: durchweg positiv

Die Mitglieder in der AG Heimatgeschichte heften sich an jede Spur und nehmen alte Dokumente unter die Lupe.

Quelle: Christamaria Ruch

Sewekow. Acht Straßen und mehr als 50 Haushalte gehören zu Sewekow. Doch hinter den Mauern und Fenstern stecken die Lebensgeschichten von ganzen Generationen und deren Vorfahren.

Ortschronistin Heidi Kübler und ihre zehn Mitstreiter in der Arbeitsgruppe (AG) Heimatgeschichte trugen seit Frühjahr vergangenen Jahres viele Unterlagen zusammen, sichteten sie und stellten Fragen. Damit knüpften sie an „ein Grundgerüst an, das schon seit mehr als zehn Jahren besteht“, so Kübler. All das füllt nun einen Aktenordner mit der Aufschrift „Häuserchronik.“ Diese Chronik gibt Auskunft, wer wann in welchem Haus gelebt hat und welche einschneidenden Ereignisse sich um die Häuser ranken. Dabei nutzen die Mitglieder der AG Heimatgeschichte auch den Musterbogen, der schon innerhalb von zwei Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) vor mehr als zehn Jahren entworfen und mit Fakten gefüllt wurde. Neben den Eigentümern und Mietern mit Jahresangaben ist dort die landwirtschaftliche, gewerbliche oder öffentliche Nutzung vermerkt. In einem weiteren Feld können außergewöhnliche Ereignisse, wie etwa ein Hausbrand oder andere Katastrophen, eingetragen werden.

Weiße Flecken nach Besuch im Landesarchiv getilgt

Weiße Flecken in den Hausbiografien füllte Heidi Kübler nach den Besuchen im Landeshauptarchiv in Potsdam. „In den alten Grundbüchern konnte ich alle Häuser finden und dabei die Eigentümer chronologisch ermitteln“, sagt die 65-Jährige. Nun beendeten die Mitglieder der AG Heimatgeschichte zunächst die Arbeit an diesem Mammutprojekt. „Das kann nie abgeschlossen werden, denn der Lauf der Zeit geht weiter und Häuser werden verkauft oder neu gebaut“, sagt Heidi Kübler. Dennoch fällt ihr Urteil bei aller Bescheidenheit positiv aus. „Jetzt stehen wir auf einem guten Sachstand.“

Der Weg dorthin konnte dank der Mithilfe aus dem Ort erfolgreich beschritten werden. „Wir haben teilweise sehr viel Zuarbeit von den Einwohnern bekommen“, sagt Heidi Kübler. Dabei blättert sie in den Unterlagen und bleibt beim Haus Nöhmke stehen. „Diese Biografie ist vollständig und lückenlos“, so Kübler. Ursprünglich trug das Haus die Nummer 2, heute steht dort Dorfstraße Nummer 18. Ferdinand Nöhmke erbaute das Haus im Jahre 1812. Anhand der Namen der Ehepaare und Jahreszahlen kann genau nachvollzogen werden, wer aus welcher Familie stammt und wie sich dadurch im Laufe der Zeit neue Familienbande knüpften. Am 15. Oktober 1965 zerstörte ein Großbrand Stall, Scheune und Unterstellschuppen – es handelte sich um Brandstiftung. Die drei Geschwister Erhard Nöhmke, Annemarie Bader und Ursula Utpott sind immer ihrem Heimatdorf treu geblieben. Erhard und Gudrun Nöhmke wohnen bis heute in diesem Haus.

Willi Metelmann kann anhand des alten Bildes sehen, wie sein Elternhaus vor 1930 aussah

Willi Metelmann kann anhand des alten Bildes sehen, wie sein Elternhaus vor 1930 aussah.

Quelle: Christamaria Ruch

Der 67-jährige Willi Metelmann hielt trotz seiner Arbeit als Bundestrainer für Sportschützen stets die Verbindung zu Sewekow. „Das ist meine Heimat und meine Eltern wohnten ja hier“, sagt er. „Ich habe nie daran gedacht, mir woanders ein Haus zu bauen.“ Seit 2011 wohnt er mit seiner Frau wieder in der Schulstraße 6. Sein Vater Fritz Metelmann kam 1936 über eine Annonce nach Sewekow. „Hier wurde ein Bäckergeselle gesucht“, so Willi Metelmann. Mit seiner Frau Elfriede übernahm der Vater dann 1939 oder 1940 die Bäckerei. Bis 1971 wurden dort Brötchen gebacken. Auch Willi Metelmann erlernte zunächst das Handwerk. Ein Bild aus der Zeit vor 1930 zeigt sein Elternhaus. Damals fehlte noch das Gebäude, in dem später die Bäckerei zu Hause war.

„Wir haben von jedem Haus in Seweow Fotos und Bilder, manche sind 50 oder 60 Jahre alt und andere stammen sind mehr als ein Jahrhundert alt“, sagt Heidi Kübler.

Für eine Ausstellung zur Häuserchronik fehlt der Platz

Arnold Granzow ist nach wie vor ein wichtiger Zeitzeuge, um der Geschichte des Dorfes auf den Grund zu gehen. Der 89-Jährige bringt sich ebenfalls in der AG Heimatgeschichte ein. „Arnold ist eine ganz wichtige Stütze, um die Geschichte einzuordnen“, sagt Heidi Kübler. Auch die Frage nach der Geschichte eines Grenzsteines bewegte nun die Hobbyhistoriker. Dabei gibt Granzow in gewohnter Weise Auskunft. „Wenn wir nicht mehr sind, wollen auch die Nachfahren wissen, was hier mal geschehen ist“, sagt der rüstige Senior. „Mein Wunsch wäre, eine Ausstellung zu der Häuserchronik aufzubauen, aber dafür fehlt uns hier der Platz“, sagt Heidi Kübler. Und für ein Buch über diese spannende Thematik fehlt das nötige Kleingeld.

Von Christamaria Ruch

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