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Ostprignitz-Ruppin Hans-Eckardt Wenzel begeisterte 250 Fans
Lokales Ostprignitz-Ruppin Hans-Eckardt Wenzel begeisterte 250 Fans
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00:18 21.09.2016
Das Interesse an der alten MAN-Druckmaschine war groß. Viele erwarben eines der Blätter. Quelle: Buddeke
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Buskow

Wie macht der Mann das bloß? Die Reibeisenstimme knarzt und heisert, krächzt und kratzt, schrammt an den hohen Tönen vorbei. Und ist dabei so süffig, dass man sich ihr – gerade in den Liebesliedern – wehrlos ergibt und sich wie in Wattewolken fallen lässt. Selbst wenn seine Stimme – denn Hans-Eckardt Wenzel ist ein durch und durch politischer Mensch – von schlimmen Dingen spricht und singt. Und das tut er oft, der Wenzel, der ein Liedermacher, Clown, Mahner und Minnesänger zugleich ist. Ein kritischer Poet, ein witziger Weiser, ein hingebungsvoller Musiker – einer, der das Leben liebt und lebt, mit all seinen Facetten zwischen Schwarz und Weiß. Er hat etwas zu sagen und er sagt es. Das hat er zu DDR-Zeiten schon getan, zusammen mit Steffen Mensching oder auch solo. Und er tut es jetzt. Mit seinen Worten geht er unter die Haut – berührt, verführt, regt zum Nachdenken und Lachen an. Gut 250 Zuhörer sind am Freitag nach Buskow gekommen, um seinem Open-air-Konzert zu lauschen, das er mit seiner Band bestritt.

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Ein Mann, eine Stimme: Der bekannte Liedermacher Hans-Eckardt Wenzel gastierte am Freitagabend mit seiner Band auf dem Buskower Bodoni-Vielseithof. Mehr als 250 Zuhörer waren begeistert. Als Nachtisch gab es einen frischgedruckten Vers Wenzels aus einer alten MAN-Druckmaschine.

Eingeladen wurde er von Marc Johne, der in seinem „Vielseithof“ das Veranstaltungsformat „Buskow Open Air“ etablieren möchte – Wenzels Konzert ist der Testballon. Johne ist ein Freund der Worte: gesprochen, gesungen, gedruckt. Er will sie in den Dialog bringen, das gesungene Wort drucken – und zwar nicht irgendwie. Johne hat dafür noch gute alte Drucktechnik. Im ehemaligen Kuhstall steht die alte funktionsfähige Druckerei, die er, gemeinsam mit dem Verein Buchwerk-Bodoni, im Laufe der vergangenen vier Jahren Stück für Stück von Berlin nach Buskow brachte und auch benutzt. Mit Bleisatz, verschiedenen Druckerpressen und allem Drum und Dran.

Johnes Verlag „Edition Bodoni“, der sich der schönen Kunst der Letter im Sinne des italienischen Schriftschneiders Giambattista Bodoni verpflichtet fühlt, verlegt Schriftblätter und Bücher verschiedener Autoren – allesamt Buchkunst der hohen Schule. Am Freitag ließ Johne die MAN-Stopp­zylinder von 1940 – anwerfen, um einen der Texte Wenzels als typografisches Blatt zu drucken.

Aber zuvor wird musiziert. „Der letzte Sommerabend, und wir dürfen ihn hier auf diesem wunderbaren Hof feiern“, sagt Wenzel mit Dankeschön an Marc Johne und die vielen Helfer. Dann geht die Post ab, mit Rhythmen, die sich in keine Schublade stecken lassen. Irgend etwas zwischen Shanty und Schlager, Jazz und Marsch, Polka und Salsa. Er mixt, was ihm im Laufe seines Lebens so unter die Finger gekommen ist, er quetscht es aus dem Akkordeon, zupft es aus den Saiten, zaubert es aus dem Klavier: authentisch, lebendig, kein bisschen steril, als wäre der Song ihm gerade erst aus Hirn und Feder geflossen. Desgleichen seine „Überleitungstexte“: frech, bissig, witzig. Mit verschmitztem Lächeln lässt Wenzel – der Seemann der Seele in seinem blau-weißen Rin­gelshirt – heraus, was heraus muss.

„Wir waren grad auf Tour in Österreich. Und hatten schon Angst, dass wir es nicht pünktlich nach Buskow schaffen. Überall Stacheldraht“, ätzt er über die Abschottung an den Grenzen angesichts der Flüchtlingswelle. Und setzt gleich noch einen drauf über die Wahlen, die aufgrund einer Klebstoff-Panne verschoben werden mussten. „Dabei ist Klebstoff doch das einzige, was in der Politik noch zusammenhält.“ Sein Vorschlag für ein Symbol des neuen vereinigten Europas? „Stacheldraht und Elektrozaun“, singt er. Das schützt die Reichen vor den Armen. Flüchtlings-Krise? „Was wäre Deutschland ohne Flüchtlinge? Leer!“, ruft er und erinnert an Zuwanderung über Jahrhunderte. Auch er sei letztlich Flüchtlingskind – der Wenzelsplatz in Prag trage seinen Namen nicht von ungefähr. Das Publikum kichert ein ums andere Mal, als Wenzel fortfährt. „Es gibt Texte, da denke ich: Scheiße, den hätt ich gern selbst geschrieben“, ruft er und singt ein Liebeslied, das er nach einem Gedicht von Johannes R. Becher vertont hat. „Ein Mann, der viel Mist geschrieben hat, aber auch viel Schönes“, sagt er über den Ex-DDR-Kulturminister, der die DDR-Nationalhymne schrieb. Wenzel fährt fort. Zwei Stunden begeistert er die Fans, die sich als textsicher erweisen und beseelt mitsingen.

Von Regine Buddeke

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