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Ostprignitz-Ruppin Hans-Eckardt Wenzel kam, sang und siegte
Lokales Ostprignitz-Ruppin Hans-Eckardt Wenzel kam, sang und siegte
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21:20 10.09.2017
Ein Wenzel-Text wird auf der alten MAN-Stoppzylinder gedruckt. Auf dem Bodoni-Hof wird die alte Technik des Bleisatzes gepflegt. Quelle: Regine Buddeke
Buskow

„Welches Lied soll ich jetzt singen“, singt Hans-Eckardt Wenzel. Wobei – singen ist bei dem Liedermacher etwas, was Dimensionen sprengt: Er knarzt und krächzt, knurrt und schnurrt, er schmilzt und donnert, ätzt und sehnt. Er singt sich unter die Haut, mit Texten, die bedrücken oder berühren, und mit solchen, die die Seele fliegen lassen. Er ist ein Magier und Mahner, ein Barde und ein Politsänger. Ein Mann, der die Welt gesehen hat und manchmal an ihr schier verzweifeln mag. Ein Weiser, ein Kind und ein Clown, der das Leben lebt, wie es kommt. Und es liebt, in allen Facetten. Und nebenbei einer, der ganz genau weiß, welches Lied er jetzt singen soll. Das stellte Hans-Eckardt Wenzel am Sonnabend in Buskow wieder unter Beweis: vor gut 150 Zuhörern, die wegen ihm in den Bodoni-Vielseithof zum zweiten Buskow Open Air gekommen sind.

Hans-Eckardt Wenzel in Aktion. Quelle: Regine Buddeke

Wenzel und seine wunderbare Band stellen das neue Album vor. „Wenn wir warten“ heißt es und ist wie seine Vorgänger eine Gratwanderung zwischen den Genres – irgendetwas zwischen Shanty und Schlager, Jazz und Marsch, Polka und Salsa, Liebeslied und Zirkusmusik. Wenzel mixt, was ihm im Laufe seines Lebens so unter die Finger gekommen ist, quetscht es aus dem Akkordeon, zupft es aus den Saiten, zaubert es aus dem Klavier: authentisch, lebendig, mitreißend. „Wir hatten 120 Songs zur Auswahl – 13 haben es auf die CD geschafft“, sagt er. Die Arbeit habe wie immer Spaß gemacht: Das echte Problem kam – wie auch beim Kinderzeugen – erst danach. „Man kann so ’ne CD ja schlecht Sven nennen“, ulkt er. Seine Ansagen lassen die Zuschauer oft auflachen. Man habe sich also vier Wochen eingeschlossen, ohne Waschzeug. Auch Alkohol habe nicht geholfen, einen Titel zu finden. Und so heißt die Scheibe nun „Wenn wir warten“. Wobei Wenzel selten verlegen um Worte ist und also nicht lange fackelt, den Finger dahin zu legen, wo es weh tut. „Wir sind groß geworden mit den Ideen der Aufklärung über Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Und erleben jetzt eine Zeit, wo sich alles umkehrt.“ Die Freiheit sei im Ruhestand, die Brüderlichkeit wurde von der Gleichstellungsbeauftragten kassiert. Und Gleichheit? „Es gibt einige, die sind gleicher als andere“, sagt er und singt „Die Welt wird immer gleicher“. Er redet über den Wahlkampf – „die einzige Zeit, wo Politiker an den Laternen hängen“. Und über Trump: „Kein Mensch denkt darüber nach, was vorher passiert sein muss, dass die Menschen solche Monster wählen“, denkt er laut. „Gott hat die Blödheit dieser Welt gerecht auf alle Völker verteilt“, sinniert er weiter und singt „Die Zeit der Irren und Idioten“. Und, versöhnlich, den alten Song von Woody Guthrie – ein Wunsch, eine Vision, ein schöner Traum: „Die Erde ist da für dich und mich“. Und zwischendurch immer wieder so wunderbare Balladen wie „Nicht viel“ oder „Auf meiner Kindheit bunten Karussellen“. Traurigkeit und Wehmut, Zorn und Liebe. Er singt „Ohne Wein wäre das Leben tragisch“. Er singt von Stacheldraht-Elektrozaun und die „überall gleiche Scheiße“.

Das Publikum lauscht gebannt. Quelle: Regine Buddeke

„Halte dich von den Siegern fern“ ist ein alter Song von ihm – der wird am Abend live gedruckt: auf der alten MAN-Stopp­zylinder von 1940, die Gastgeber Marc Johne eigens angeworfen hat. Schriftsetzerin Renate Krahn und Drucker Thomas Henning zeigen und erklären. „Die Bodoni-Crew visualisiert meine Texte, dass man sie auch ohne Lesebrille erkennen kann“, freut sich Wenzel, freuen sich die Gäste. Und stellen den beiden Experten in Sachen Bleisatz viele Fragen, besehen sich die Setzkästen und die alte Technik, die in Buskow gehegt und gepflegt wird.

„Es gibt nicht viel, was mich am Leben hält ... auf dass ich nicht zerbreche an dieser Welt“, klingt es traurig. Aber das ist nur die eine Facette Wenzels. Er wäre nicht er selbst, wenn er nicht weiter dichten und singen würde. Er hat etwas zu sagen. Und das Publikum will ihn hören. Vier Zugaben singt er: wie er den Sonntagsspaziergang auf der Heringsdorfer Strandpromenade überlebt hat, wo einst Sächsisch dominierte und heute Schwäbisch. Er singt. Und zuallerletzt „Froh, dass wir am Leben sind“. Mehr muss nicht gesagt werden.

Von Regine Buddeke

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