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Ostprignitz-Ruppin Hans-Joachim Maaz über „Das falsche Leben“
Lokales Ostprignitz-Ruppin Hans-Joachim Maaz über „Das falsche Leben“
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00:19 26.11.2017
Hans-Joachim Maaz beim Signieren. Quelle: Foto: Regine Buddeke
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Rheinsberg

Mit dem Missmut der DDR-Mütter muss Hans-Joachim Maaz leben. Der Psychiater, Psychoanalytiker und Autor ist eine Institution in Deutschland und macht keinen Hehl aus seiner Überzeugung, dass Kinder, die in den ersten drei Jahren in einer Kinderkrippe statt zu Hause betreut werden, seelischen Schaden nehmen. In seinem 1990 erschienenen Buch „Der Gefühlsstau“ ging er damit erstmals in die Öffentlichkeit. Auch bei seinem Vortrag am Mittwochabend in der mit 73 Zuhörern voll besetzten Rheinsberger Remise erntete er jede Menge irritierte Fragen bis hin zu offenem Widerspruch für diese und andere Theorien – aber auch viel Lob und Zuspruch.

Hans-Joachim Maaz war Chefarzt einer psychosomatischen Klinik

Der ehemalige Chefarzt einer Hallenser psychosomatischen Klinik ist auf Einladung des Tucholsky-Literaturmuseums in die Prinzenstadt gekommen – gemeinsam mit dem Moderator Hendrik Röder vom Literaturbüro Brandenburg, das mit dem Tucholsky-Museum zusammenarbeitet. Maaz stellte mit seinem Vortrag sein neues Buch „Das falsche Leben“ vor, in dem er mit der „normopa­thischen Gesellschaft“ abrechnet. „Falsch zu leben ist nichts, was man gerne über sich hören möchte“, eröffnet Röder den Dialog und verspricht „einen tiefenscharfen Blick auf vieles, was uns umtreibt.“ Es sei kein angenehmes Thema, bestätigt Maaz. Er spreche aus, was keiner hören wolle. Deshalb bekomme Angela Merkel auch mehr Stimmen als er, weil deren Politik Opium fürs Volk sei, so Maaz. Er erklärt den Begriff normopathisch: eine Persönlichkeitsstörung, die sich in einer zwanghaften Form von Anpassung an tradierte und gesellschaftliche Normen äußert. In der heutigen Leistungsgesellschaft geht dass so weit, dass man das Gespür für die eigenen Wünsche unterdrückt, um nur ja so zu funktionieren, wie es scheinbar von der Gesellschaft erwartet wird. Das müsse in die öffentliche Diskussion, beschwört der 74-Jährige, der in 30 Jahren 15 000 Patienten auf seiner Couch hatte und tiefe Einblicke ins Seelenleben der Betroffenen nehmen konnte.

Seine Bücher fußen auf seinen Erfahrungen mit seinen Patienten

Eine seiner Kernthesen: „Die Gesellschaft macht Menschen krank. Und diese wiederum die Gesellschaft.“ Ein Teufelskreislauf und erschreckender Befund. Er habe drei Systeme erlebt: das Deutsche Reich, die DDR, die BRD. In allen dreien gebe es vergleichbare Normopathien. Und auch heute entdecke er vieles im Alltag, was ihn an das Ende der DDR erinnere. „Wir steuern auf einen neuen Krieg zu. Die Zeichen sind da. Nur will sie keiner wahrhaben.“

Maaz spricht über narzisstische Störungen, die er in der frühkindlichen Entwicklung verortet. „Wir leben falsch“ – spricht er über Stress, der aufs Immunsystem geht und die Menschen krank macht. Er entwirft ein Bild der Konsumgesellschaft, die immer mehr will wie beim Märchen vom Fischer und seiner Frau. „Ein Wachstumsanspruch, der uns auffrisst.“ Von der Umweltverschmutzung und dem Klimawandel ganz zu schweigen. Er begründet Karriere als Kompensation für unerwiderte Liebe und Zuwendung im Kindesalter. „Nie gut genug sein, immer mehr von sich verlangen“, mahnt er. „Aber das sind heute die Entscheider. Von denen kann man kein anderes Verständnis erwarten.“ Er taucht tief in die psychologische Materie – spricht aber kein Fachchinesisch.

Maaz ist erklärter Gegner von Kinderkrippen für die Kleinsten

„Wir sind in einer gesellschaftlichen Krise“, mahnt er. Man müsse sich nicht wundern, dass Leute dafür Schuldige suchen. „Es braucht immer einen Sündenbock“ – so wie jetzt Lindner für das Jamaika-Scheitern herhalten müsse. Der Saal applaudiert. Und drei Leute gehen, als Maaz sagt: „Der Protest, der von der AfD ausgeht, ist notwendig.“ Aufbrandendem Protest stellt er sich. Er habe deren Parteiprogramm gelesen: „Ich habe nichts Nationalsozialistisches oder Rassistisches darin gefunden. Nur jede Menge Wirtschaftskritik.“ Maaz rät zum Dialog mit den Minderheiten, für eine neue Beziehungskultur. „Konsens ist unsere gesellschaftliche Aufgabe.“

Am Ende gibt es viele Fragen und Widerspruch: speziell zum Thema Mutter und Beruf. Maaz moniert, dass Mutterschaft gesellschaftlich nicht genug wertgeschätzt wird. „Jeder Krippenplatz wird mit 1000 bis 1500 Euro pro Monat subventioniert. Das könnte man auch der Familie geben, statt die Frau der Erwerbsarbeit zuzuführen.“ Viele Gäste danken Maaz nach der Lesung, kaufen das Buch und lassen es signieren.

Von Regine Buddeke

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