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Hans-Otto Schmidt stellt in Rheinsberg aus

In der Ruhe liegt die Kraft Hans-Otto Schmidt stellt in Rheinsberg aus

Die Bilder sind oftmals fast monochrom und strahlen eine Ruhe aus, die selten ist: Die 135. Ausstellung im Kurt-Tucholsky-Literaturmuseum zeigt eine Schau des Malers Hans-Otto Schmidt.

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Hans-Otto Schmidt (Mitte) bei der Vernissage.

Quelle: Regine Buddeke

Rheinsberg. Das Bild ist an Schlichtheit nicht zu überbieten: Drei Flächen braucht es nur – Strand, Wasser, Himmel, übereinandergeschichtet wie die Streifen einer Staatsflagge. Nur ein Tupfer Riedgras – kein überflüssiges Detail lenkt vom Wesentlichen ab. Das kleine Werk strahlt eine Ruhe aus, die den Betrachter in Ehrfurcht versinken lässt, den Wunsch erweckt, jetzt genau dort zu sein an diesem Punkt der absoluten Natur.

Es ist die 135. Ausstellung im Rheinsberger Kurt-Tucholsky-Literaturmuseums. „Für mich eine ganz besondere“, sagt Museumsleiter Peter Böthig. „Ich hatte den Vorteil, die Bilder schon drei Tage vor Ihnen zu sehen“, verrät er den gut 50 Besuchern, die am Sonnabend zur Vernissage gekommen sind. „Sie langsam wirken zu lassen, einzutauchen, Magie und Poesie in mich einsickern zu lassen.“

Kein überflüssiger Schnickschnack

Kein überflüssiger Schnickschnack; Schmidt konzentriert sich auf das Wesentliche.

Quelle: Buddeke

Hans-Otto Schmidts Kunst ist weder laut, noch hascht sie nach Effekten; für flüchtigen Zeitgeist ist sie nicht zu haben. Er malt entschleunigt und gedeckt, mit großen, klaren, kaum strukturierten Flächen. „Weiß, beige, braun – das reicht ihm aus“, so sein Laudator Klaus Fußmann, Maler und ehemaliger Professor der Berliner Universität der Künste. Er kennt den Maler schon lange, zeigt ein Bild von Schmidt, das erste, das er vor 20 Jahren kaufte. „Ich war sofort sehr angetan“, bekennt er angesichts der leeren, tristen Straße, die in erdigen Tönen Verlassenheit ausstrahlt, obschon sie Berlin zeigt – das Ostberlin weit vor der Wende. „Für mich das wahre Berlin“, so Fußmann. Er plaudert ein bisschen über Künstlerkollegen, ein bisschen über die Vita Schmidts, der als Pfarrerssohn von der Schule flog, Tischler wurde, am Theater arbeitete und seit 1975 freier Maler ist. Er gehörte dem Verband Bildender Künstler der DDR an – wenngleich es schier unmöglich war, „dem Anspruch der DDR-Oberen an Kunst zu genügen“, so Fußmann. Die triste DDR-Wirklichkeit so schön zu malen wie die Partei es wünschte, sei kaum zu leisten, so der Maler aus dem Westen. „Der künstlerische Anspruch scheiterte oft an der banalen Wirklichkeit“, so Fußmann weiter und wundert sich noch heute, dass die durchaus interessanten „Künstler der zweiten Reihe“, zu denen er Schmidt zählt, von ihrer Kunst leben konnten. Auch stellt er fest, dass die Maler aus dem Osten, insbesondere die „Viererbande“ aus Sitte, Heisig, Tübke und Mattheuer, auch im Westen einen hohen Ruf genoss. Werner Tübke, über den damals gerade ein langer Artikel im „Spiegel“ erschienen ist, habe ihn gefragt, warum die Künstler im Westen so wenig Aufmerksamkeit bekämen, abgesehen von Beuys vielleicht. Den Spiegel-Bericht hätte Tübke als Westler auch nicht bekommen, habe Fußmann erwidert.

Hans-Otto Schmidt steht gelassen inmitten der Gästeschar und lässt es sich nicht nehmen, das ein oder andere Detail der Laudatio zu korrigieren. „Deine Bilder werden immer besser“, schließt Fußmann. „Und ich verstehe deine Malerei – ohne viele Worte“, lobt er.

Die Gäste machen sich ihr eigenes Bild. „Es ist schön, mal etwas so Gutes zu sehen“, sagt Besucherin Sylvia Leichsenring. Die Rheinsbergerin verpasst keine Ausstellung. „Es ist alles aufhängbar. Gut dass meine Wände so voll sind, sonst könnte ich schwach werden“, sagt sie.

Von Regine Buddeke

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