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Harfenklänge zum Wegträumen

Lindow Harfenklänge zum Wegträumen

Eine Harfe gehört zum größten Glück eines Mannes, so heißt eine Weisheit in Venezuela. Das trifft auch auf Tom Daun zu: der Harfenist eröffnete am Sonnabend die Lindower Sommermusiken. Den 60 Besuchern kam vieles spanisch vor – das hat aber einen guten Grund: das Programm „Espanoleta“ beinhaltet spanische und südamerikanische Musik.

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Nach dem Konzert durften die Besucher die Harfen ausprobieren.

Quelle: Regine Buddeke

Lindow. Die Harfe klingt immer zierlich, höflich, lieblich. Nie drängt sie sich vordergründig auf – der laute Rock’n Roll ist nicht ihr Ding. Sie schafft es allein mit ihrem sanften Wohlklang, dass man ihr lauscht, gefesselt ist. Sie klingt wie laue Sommernächte – selbst Tanzlieder sind eher dezent als feurig-wild.

Obschon: „Don Fernando soll zum folgenden Stück so wild getanzt haben, dass er dabei mit dem Fuß den Kronleuchter von der Decke holte“, sagt Tom Daun schmunzelnd über einen „Canarios“ aus dem 16. Jahrhundert, einem Stück, das am Hofe des Genannten spanischen Königs gespielt wurde. Die 60 Gäste, die am Sonnabend in die Lindower Kirche gekommen sind, lauschen gebannt, lassen die Leuchter der Kirche aber glücklicherweise hängen.

Tom Daun an der Harfe beim Eröffnungskonzert der Lindower Sommermusiken

Tom Daun an der Harfe beim Eröffnungskonzert der Lindower Sommermusiken.

Quelle: Regine Buddeke

Harfenist Tom Daun eröffnet den Reigen der Lindower Sommermusiken. Mit seinem Programm „Espanoleta“ geht er auf musikalische Reise: durch Andalusien und den Rest Spaniens, später wandert er nach Südamerika. Auch dort ist die Harfe – mitgebracht von den Conquistadores – oft Nationalin­strument, vor allem bei den Hochlandindianern. Auch deren Musik spielt Tom Daun mit Hingabe und Virtuosität: Stücke und Lieder aus Kolumbien, Venezuela, Peru. Und demonstriert dabei die verschiedenen Klangfarben seiner Harfen: drei hat er mitgebracht: eine gotische, eine keltische und eine Arpa Paraguaya – aus Paraguay. Die hat er aus einem Leihhaus gekauft – einst gehörte sie einem südamerikanischen Straßenmusikanten, dem die Fracht von Deutschland zu teuer war und der das Instrument versetzte. Zum Glück: „Ich hatte so eine schon lange gesucht, weil sie für die Musik viel besser taugt als eine keltische“, so Daun, der durch Zufall auf das Harfenfach kam. Studiert hatte er Gitarre und Klavier, als sein Bruder, ein Jazzer, ihm die Harfe aus einem Instrumentenbau-Kurs anschleppte. „Er konnte sie nicht brauchen. Für mich war es die Initialzündung“, so Daun.

Auch Tom Dauns Töchter spielten nach dem Konzert ein wenig

Auch Tom Dauns Töchter spielten nach dem Konzert ein wenig.

Quelle: Regine Buddeke

Für die Zuhörer ist es ein Hochgenuss: ob Flamenco, sephardische Melodien der aus Spanien vertriebenen Juden, ob mittelalterliche Marienlieder, spanische Hoftänze, andalusische Volkslieder oder kolumbianische Passacaglia: die Harfe zeigt ihr breites Spektrum. „Ein Mann braucht nur drei Dinge zum Glück“, erzählt der Musiker eine venezolanische Lebensweisheit. „Eines davon ist die Harfe.“ Platz zwei und drei darf das Publikum raten. Nein, eine Frau sei nicht dabei, schmunzelt Daun. Pferd und Hängematte landen seien es gewesen.

Als Zugabe – stürmisch eingefordert – spielt Tom Daun den „Milchzug“. Und der ist dann schon doch ein wenig Rock’n Roll: Mittels rascher Striche über alle Saiten, die mit der linken Hand geblockt werden, schafft es Daun tatsächlich, das Rattern einer Lokomotive über die Gleise täuschend echt zu imitieren. „Bravo“ schallt es am Ende – dann dürfen die Gäste den Musiker ausfragen und auch selbst einmal Hand ans Instrument anlegen. „Leider stirbt das Interesse an der Harfe aus“, so Daun. Wahrscheinlich, weil vielen so eine Konzertharfe für 30 000 Euro zu teuer ist. „Aber es gibt viel günstigere. Die sind eh klangschöner“, wirbt Daun. „Und man kann von Jazz bis Barock nahezu alles auf ihr spielen.“ Das sei auch gar nicht so schwer, da die Saiten wie eine Tonleiter angeordnet sind. „Wer Klavier spielen kann, lernt Harfe schnell.“ Das Publikum testet, auch Karin Baum, die Organisatorin der Sommermusiken. „Ich hätte ihm noch stundenlang lauschen wollen“, schwärmt sie.

Von Regine Buddeke

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