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Goethe, Fontane & ein bisschen Harry Potter

Interview mit Sabine Wilharm Goethe, Fontane & ein bisschen Harry Potter

Die Kinder- und Jugendbuchillustratorin Sabine Wilharm hat sich mit der Gestaltung der deutschen Harry-Potter-Bände einen Namen gemacht. Im MAZ-Interview spricht sie davon, warum der große Erfolg auch seine Schattenseiten hat und was die Besucher der Ausstellung „Erlkönig, Frosch & Co“ in Neuruppin erwartet.

Neuruppin. Sabine Wilharm illustriert seit vielen Jahren Kinder- und Jugendbücher. Vom 2. bis 30. Juli 2015 sind einige ihrer Werke im Museum Neuruppin zu sehen. Die Künstlerin lebt in Quickborn bei Hamburg. Mit ihr sprach Mischa Karth.

MAZ: Frau Wilharm, wie sind Sie dazu gekommen, Jugendbücher zu illustrieren?

Sabine Wilharm: Oh, da bin ich eigentlich reingerutscht. Auf dem Buchmarkt gibt es wenige illustrierte Erwachsenenliteratur. Das sind im Grunde Liebhaberausgaben. Bei Kinder- und Jugendbüchern hingegen sind Illustrationen hilfreich und dementsprechend verbreitet. Die Vielfalt der Arbeitsmöglichkeiten ist enorm. Auf dem Zeitschriftenmarkt, für den ich auch gearbeitet habe, ist die Arbeit immer auf den Artikel beschränkt. Da entwickeln sich keine Charaktere, da spielt sich keine Geschichte ab. Bücher sind insofern für mich ergiebiger.

Waren Sie als Kind selber schon neugierig und haben viele Bücher gelesen?

Wilharm: Ja! Ich war die typische Leseratte. Ich hatte keinerlei pädagogischen Hintergrund und hab’s früher einfach genossen. Meine heutige Arbeit hat schon etwas damit zu tun, dass ich mich im Lesen sehr zuhause fühle und mit diesen ganzen Welten vertraut bin, die beim Lesen aufsteigen können.

Hatten Sie damals ein Lieblingsbuch, eines das Ihnen vielleicht auch durch die Illustration besonders gefallen hat?

Wilharm: Ich hatte dauernd wechselnde Lieblingsbücher. Die Illustratoren haben mich namentlich nicht interessiert. Es gibt aber schon jemanden, der heraussticht: Das ist Walter Trier mit den Kästner-Romanen. Triers Illustrationen finde ich auch heute noch ungeheuer passend. Sie sind sehr schön einfach. Das Kindliche, aber auch das Ernste findet sich darin wieder – da stimmt alles für mein Gefühl.

Sie selbst haben sich ja vor allem einen Namen gemacht durch die Illustrationen der deutschen Harry-Potter-Bücher. Auf Ihrer Website tauchen diese Arbeiten aber nur ganz am Rande auf …

Wilharm: Für mich ist das sehr ambivalent, weil ja der eigentliche Ruhm der Autorin gebührt. Bei solch einem Buch weiß man im Grunde, man könnte es auch mit weißem Cover abbilden, es würde trotzdem gekauft werden. Zudem gab es damals, als die Harry-Potter-Sachen liefen, unheimlich viel Trubel. Irgendwann sagt man sich „Nee, es gibt doch auch noch meine anderen Bücher.“

Aber Sie können doch durchaus stolz auf das Ergebnis sein…

Wilharm: Das bin ich auch. Es war einfach ein etwas anderes Arbeiten. Zu wissen, dass mit dem Ausgabetag alle drauf starren – bei Band vier fing es an –, das ist schweißtreibend, wenn man noch keinen Strich gemacht hat. Solch ein prominentes Cover, das wird einfach gesehen, das wird abgedruckt. Da haben der Carlsen-Verlag und ich sehr viel gelernt in der Zeit, unter anderem, wie man mit dem Druck umgeht, ohne in Panik zu geraten.

Bei der Ausstellung hier in Neuruppin sind Illustrationen der Bücher „Der Erlkönig“ und „Zum Strand“ zu sehen. Was können Sie zu den beiden Werken sagen?

Wilharm: Es sind sehr unterschiedliche Bücher. „Der Erlkönig“ von Goethe ist eher etwas für Ältere, einfach, weil die Geschichte ein ungutes Ende nimmt. Ein Vater reitet mit seinem Sohn durch die Nacht in einer Art surrealer Traumsequenz und am Ende stirbt der Junge. Das für Kinder umzusetzen, ist auf jeden Fall haarig. Das Buch „Zum Strand“ hingegen ist einfach eine witzige Geschichte. Es geht um eine Gruppe Frösche, die an einem heißen Sommertag zum See will, um zu baden. Dauernd kommt ihnen etwas dazwischen, so dass sie erst am Abend ankommen und eigentlich gar keine Zeit mehr zum Schwimmen ist. Leider ist das Buch inzwischen vergriffen.

Es taucht in Ihrem Werk auch Fontane auf, der in Neuruppin einen großen Stellenwert hat. Wie ist die Arbeit zustande gekommen?

Wilharm: Da hat mich der Aufbau-Verlag angesprochen, der ja die große Fontane-Ausgabe rausbringt. Die haben sich gefragt, ob es nicht eine Möglichkeit gebe, Kindern und Jugendlichen Fontane nahezubringen. Fontane schreibt ja nicht gerade in einer Sprache, die den heutigen Leseanfängern so naheliegt. Die Textauswahl hat der Verlag gemacht, und ich fand das spannend. Ich kannte seinen Namen, einige Balladen und einen Roman. Es ist eine entfernte, fremde Welt, gleichzeitig sind es Leute, die so handeln und fühlen wie wir heute. Dann hat Fontane diesen Hang zum Fantastischen und Düsteren und das mag ich auch gern. In Neuruppin bin ich noch nicht gewesen, insofern freue ich mich auf meinen Besuch.

„Erlkönig, Frosch & Co“ , 2. bis 30. Juli 2015, Museum Neuruppin. Dienstag bis Sonntag jeweils 10 bis 17 Uhr. Rundgang mit Sabine Wilharm am 5. Juli um 16 Uhr.

Von Mischa Karth

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