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Ostprignitz-Ruppin Hartz IV: Amt verkennt Hobbyzucht und kassiert
Lokales Ostprignitz-Ruppin Hartz IV: Amt verkennt Hobbyzucht und kassiert
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12:03 17.06.2016
Hartz-IV-Empfänger Peter Schulz aus Werder mit einer seiner Zuchtkatzen. Quelle: Foto: Andreas Vogel
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Werder

Erst haben Waschbären einen Teil seiner Zuchthühner und Warzenenten getötet, nun zieht ihm das Jobcenter auch noch monatlich 80 Euro ab – Peter Schulz aus Werder bei Neuruppin versteht die Welt nicht mehr. „Das Amt veralbert mich“, sagt der 55-Jährige.

Jahrelang hat er im Neuruppiner Krankenhaus gearbeitet, zunächst als Heizer, später im Transport. Irgendwann wollte er das nicht mehr. Er stieg aus und ist, bis auf kurze Ausnahmen, seit 15 Jahren arbeitslos.

Von April bis September nur Ausgaben

Dennoch kam Schulz bisher ganz gut über die Runden. Er hat Wohnrecht bei seinem Bruder, einen Minijob, züchtet Katzen, Hühner, Flugenten und Gänse. „Das ist mein Hobby.“ Doch jetzt will er alle Tiere verschenken. Der Grund: Das Jobcenter zieht ihm monatlich 80 Euro ab. Das Amt geht davon aus, dass Schulz eine landwirtschaftliche Tätigkeit betreibt und damit monatliche Einnahmen hat. „Von April bis September habe ich nur Ausgaben, aber keine Einnahmen“, widerspricht Schulz. Erst im Herbst werde geschlachtet. Dann verkauft er einige seiner Tiere. Mal sind es 20 Hühner, mal 30 Gänse. „Das ist immer unterschiedlich.“

Neue Fallmanagerin, neue Sicht der Dinge

Bisher wurde diese Sicht der Dinge akzeptiert. Schulz hat seine handschriftlichen Belege für Ein- und Ausnahmen stets der Behörde vorgelegt. Zudem half ihm eine Bekannte in Werder bei den Formularen für das Hartz­-Amt. Aber die Bekannte ist vor einigen Monaten gestorben. Hinzu kommt, dass im Jobcenter nunmehr eine neue Fallmanagerin für Schulz zuständig ist. Seitdem ist alles anders. „Es wird immer schlimmer. Ich soll jetzt auch ein Kassenbuch führen“, sagt Schulz. Er fühlt sich vom Amt wie ein richtiges Unternehmen behandelt. „Ich soll alle drei Monate einen Zwischenbericht abgeben und regelmäßig zum Jobcenter nach Kyritz fahren.“ Schulz weiß nicht, wie er das anstellen soll. Sein altes Auto ist kaputt, eine Reparatur kann und will er sich nicht leisten. Schließlich braucht er Futtergeld für seine Tiere. „Das ist doch ein Hobby und keine Massentierhaltung.“

Beim Jobcenter versteht man das Problem nicht

Die Sorge um die Tiere hilft ihm, seinen täglichen Rhythmus auch ohne richtige Arbeit nicht zu verlieren. „Ich muss immer was für die Tiere machen.“ Ein Netz soll inzwischen die Hühner, Enten und Gänse vor Fuchs und Waschbär schützen. Aber so richtig lohnt sich das eigentlich nicht mehr: Wegen der Probleme mit dem Jobcenter will Peter Schulz das Gros seiner Tiere jetzt verschenken. Am Donnerstag gingen schon die Zuchtgänse und zwei kleine Katzen an Interessierte, die extra aus Berlin kamen.

Beim Jobcenter versteht man indes nicht, womit Schulz eigentlich Probleme hat. Schließlich sei ihm mitgeteilt worden, dass nach Kenntnis seiner im vergangenen Jahr erzielten Einnahmen die Tierhaltung seit März als wirtschaftliche Tätigkeit im Nebenerwerb eingestuft worden sei, teilte Kreissprecherin Britta Avantario mit. Mit dieser Einstufung seien auch die Bezüge von Schulz korrigiert worden. Sprich: Ihm werden 80 Euro monatlich abgezogen, auch wenn er keine Einnahmen hat. Warum das so sein muss, wird allerdings nicht erklärt.

Behörde hat sich neu organisiert, Arbeitslose müssen fahren

Immerhin gibt es Auskunft zu der Frage, warum Schulz nun regelmäßig zum Jobcenter nach Kyritz soll: Die Behörde hat sich organisatorisch neu aufgestellt. Demnach sitzen in der Knatterstadt seit Januar Fachkräfte, die sich um Fälle von selbstständiger Arbeit kümmern. Schulz ist das egal. Er will mit seinem Hobby aufhören, auch wenn das ihm bisher immer Halt gab. Aber dann muss er wenigstens nicht nach Kyritz fahren.

Von Andreas Vogel

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