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Ostprignitz-Ruppin Hatte die Dossestadt einen Hafen?
Lokales Ostprignitz-Ruppin Hatte die Dossestadt einen Hafen?
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00:17 28.10.2016
In der „Schiffahrt“ soll bereits vor 900 Jahren ein Hafen angelegt worden sein. Eine Skulptur und Schautafeln verweisen darauf. Quelle: André Reichel
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Wusterhausen

Genau vor 20 Jahren arbeiteten sich Bagger in der Wusterhausener „Schiffahrt“ beim Anlegen einer Regenwasserleitung tief in den Untergrund. Wie immer, wenn irgendwo in der Region gegraben wird, war damals der in der Dossestadt ansässige Bodendenkmalpfleger Manfred Teske zur Stelle. Er erhielt vom zuständigen Landesamt für Bodendenkmalpflege den Auftrag, die Bauarbeiten in der „Schiffahrt“ archäologisch zu begleiten.

Wie kaum ein anderer kennt sich Manfred Teske mit der ur- und frühgeschichtlichen Entwicklung seiner Heimat aus, schließlich war er es, der sich zur Zeit der Grabungen in der „Schiffahrt“ im Jahr 1996 bereits seit drei Jahrzehnten intensiv mit der Thematik beschäftigte. Zweifelsfrei hat die Fachwelt seinem unermüdlichen Engagement unzählige wichtige Funde und Befunde zu verdanken.

Manfred Teske leitete die Grabungen und dokumentierte die Befunde. Quelle: André Reichel

Wie zu erwarten, stieß Manfred Teske in der „Schiffahrt“, die sich in der historischen Altstadt von Wusterhausen befindet, schon beim allerersten Baggerschnitt auf Funde. Es handelte sich zumeist um graublaue mittelalterliche Keramikscherben. Besonderes Interesse weckte bei Teske allerdings der Befund von unzähligen meist etwa 20  Zentimeter dicken Holzstämmen, die entlang des Baggerschnittes auf über 80 Metern in einer langen Reihe senkrecht im Boden steckten.

„Da ich an diesen Stämmen auch viele quer liegende Hölzer fand, kann es sich nicht nur um eine einfache Befestigung des Untergrunds gehandelt haben, sondern um eine richtige Spundwand“, sagt Manfred Teske, der sich sofort an die Ausführungen des Heimatforschers Karl Altrichter erinnerte. Dieser vermutete schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert irgendwo im Bereich der „Schiffahrt“ einen alten Hafen.

Ausgrabungen von August bis November 1996

Mehrere Wochen, von August bis November 1996, dauerten die Ausgrabungen von Manfred Teske und seinen Helfern in dem über anderthalb Meter tiefen und gut zwei Meter breiten Graben der Regenwasserleitung. Wie es sich gehört, wurde alles gewissenhaft gezeichnet, vermessen und fotografiert. Eine Abschrift seiner Grabungsdokumentation in Form eines prall gefüllten Aktenordners steht noch heute im Schrank des Wusterhauseners. „Das Original habe ich ins Landesamt nach Wünsdorf geschickt“ , sagt Manfred Teske.

Von einigen Hölzern aus der „Schiffahrt“ hatte Teske ein paar Scheiben abgeschnitten und ließ diese dendrochronologisch untersuchen. Das bedeutet, dass anhand der Jahresringe der Bäume das Jahr ermittelt werden konnte, in dem diese gefällt wurden. Ein Jahr später erhielt Teske die Nachricht, dass die ältesten Hölzer aus den Jahren 1116 bis 1119 stammten.

Rekonstruktion des „Hafens“ nach Teskes Grabungsergebnissen. Quelle: André Reichel

Für den Wusterhausener Bodendenkmalpfleger stellt sich die Situation so dar, dass sich zu Beginn des 12. Jahrhunderts, also noch in spätslawischer Zeit, bereits deutsche Kaufleute im Gebiet der Dossestadt aufhielten. Diese hätten dann auch in den Jahren 1116 bis 1119, also vor genau 900 Jahren, den „Hafen“ errichtet, in dem mit Waren aller Art beladene kleine Kähne, ähnlich denen aus dem Spreewald, anlegen konnten. Ein Kanal, die heutige Dossestraße, verband nach Ansicht Teskes einst den „Hafen“ mit der Dosse.

Mit der Eroberung der einst slawischen Gebiete ab 1174 kam auch Wusterhausen endgültig in deutsche Hand und es zogen viele Menschen aus dem Westen in die Region. 1232 wurde Wusterhausen erstmals urkundlich erwähnt. Ein Jahr später wurde das Stadtrecht verliehen. Die Dossestadt wurde in der Folgezeit durch den Salzhandel, unter anderem mit der Hansestadt Lüneburg, wohlhabend. In großer Zahl rund um Wusterhausen entdeckte Bleiplomben belegen dies. Als 1560 das Salzhandelsprivileg fiel, kam bald auch die Schifffahrt auf der Dosse zum Erliegen. „Spätestens im Dreißigjährigen Krieg wird der Hafen vermoort und dann verfüllt worden sein“, so Manfred Teske.

Ein Straßenschild weist den richtigen Weg. Quelle: André Reichel

Heute erinnern neben dem Straßennamen ein Denkmal und Erklärungstafeln an den einstigen Handel auf dem Wasserwege. Die Archäologin Kerstin Geßner hat sich mit der Situation in Wusterhausen ebenfalls beschäftigt. Sie glaubt nicht an die Existenz des Hafens im Stadtgebiet, wohl aber an die Entladung von Waren an der Dosse. Die vielen Baumstämme betrachtet sie als großflächige Befestigung des sumpfigen Untergrundes. „Vielleicht wurde auch von den slawischen Burgwällen Material verwendet, was die 900 Jahre alten Hölzer erklären würde“, sagte Geßner.

Von André Reichel

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