Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 3 ° Regenschauer

Navigation:
Hausärztin muss Praxis schließen

Wittstock Hausärztin muss Praxis schließen

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Brandenburg ist der Meinung, Wittstock sei ausreichend mit Hausärzten versorgt. Daher muss Claudia Korbmacher ihre Hausarztpraxis schließen. Die KV versagte der Ärztin einen Antrag auf Verlängerung ihrer Arbeit. Seit Montag stehen die Patienten dieser Praxis im Regen.

Voriger Artikel
Krankheit mit Humor in den Griff bekommen
Nächster Artikel
Tempelgarten wird völlig umgekrempelt

Die Praxis von Claudia Korbmacher in der Poststraße in Wittstock ist ab sofort geschlossen.

Quelle: Christamaria Ruch

Wittstock. Die Allgemeinmedizinerin Claudia Korbmacher muss ihre Praxis in der Poststraße in Wittstock zum 30. September schließen. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Brandenburg gab dem Verlängerungsantrag der Ärztin nicht statt.

Bereits jetzt wird niemand mehr in dieser Praxis behandelt. Am Montag und Dienstag wurden nur noch die Patientenakten heraus gegeben. Damit endet nach knapp fünf Jahren Claudia Korbmachers hausärztliche Tätigkeit in der Dossestadt. Ihre Praxis in Eichstädt (Oberhavel) ist davon unberührt.

Die KV Brandenburg begründet diesen Schritt gegenüber der MAZ so: „Es haben sich im Juli letzten Jahres zwei neue Hausärzte in Wittstock niedergelassen. Damit ist Wittstock ausreichend mit Hausärzten versorgt. Diese beiden Ärzte Katarzyna Bankowska und Norbert Strauß haben am Montag zugesichert, alle Patienten von Claudia Korbmacher zu übernehmen.“

Gundula Seitz (l) und Ina Ahrens gaben am Montag nur noch Patientenakten heraus

Gundula Seitz (l.) und Ina Ahrens gaben am Montag nur noch Patientenakten heraus.

Quelle: Christamaria Ruch

Seit 2003 unterhält Claudia Korbmacher ihre Praxis in Eichstädt und suchte dann nach einem weiteren Standort. Die heute 63-jährige Allgemeinmedizinerin hat sich vor fünf Jahren bewusst für Wittstock entschieden. „Ich hatte damals bei der KV angefragt und Wittstock wurde mir als unterversorgtes Gebiet mitgeteilt“, sagte sie. Wittstock wurde dann zu ihrem ersten Kassensitz und Eichstädt zur Nebenbetriebsstätte. 50 000 Euro Startkapital stellte die KV für die Wittstocker Praxis bereit. Dies ist der übliche Weg. Darüber steckte Claudia Korbmacher aus eigenen Mitteln 35 000 Euro in die Praxis. „Die Praxis lief sehr gut und ich hatte 900 Patienten im Quartal“, sagt Ärztin Korbmacher. 30 Stunden wöchentlich inklusive Hausbesuche stand sie für ihre Wittstocker Patienten bereit.

Seit Januar dieses Jahres ist die Praxis in Eichstädt der erste Kassensitz und Wittstock sollte als Zweigpraxis weitergeführt werden. Schon zu diesem Zeitpunkt stand seitens der KV fest, dass Claudia Korbmacher ihre Tätigkeit in Wittstock zum 30. September beenden muss. „Es tut mir leid, dass ich hier aufhören muss. Ich wäre sehr gern geblieben und habe eine enge Patientenbindung“, sagte Claudia Korbmacher gegenüber der MAZ. Einige mobile Wittstocker Patienten wollen zukünftig sogar den Weg nach Eichstädt in Kauf nehmen.

Unverständnis für die Praxisschließung zeigen nicht allein die Patienten. Auch die beiden Praxis-Schwestern Ina Ahrens und Gundula Seitz sind fassungslos. „Ich habe es nicht für möglich gehalten, aber ich bin ab 1. August arbeitslos“, sagte Ina Ahrens am Montag. Sie war 24 Jahre bei der Wittstocker Kinderärztin Brigitte Mielhahn tätig und seit Oktober 2011 bei Claudia Korbmacher. „Wir hatten auch viele Kinder und Jugendliche als Patienten, das alles fällt nun wieder weg“, so Ina Ahrens. Gundula Seitz wird in der Praxis in Eichstädt weiter arbeiten.

Alle Patienten von Claudia Korbmacher können in der Hausarztpraxis in der Wittstocker Mozartstraße aufgenommen werden

Alle Patienten von Claudia Korbmacher können in der Hausarztpraxis in der Wittstocker Mozartstraße aufgenommen werden.

Quelle: Christamaria Ruch

Erika und Helmut Tid aus Maulbeerwalde stehen wie viele andere Patienten vor dem Problem, sich einen neuen Hausarzt suchen zu müssen. „Die Ärztin kannte alles von uns, doch warum darf sie nicht weiter arbeiten?“, fragt die 74-jährige Erika Tid. Ihr 77 Jahre alter Mann hat gerade eine Operation überstanden, läuft an Krücken und beide sind besorgt. „Wer nimmt uns denn auf?“

Ein anderer Patient sagt: „Diese Ärztin hat sich Zeit genommen für die Patienten. Es gab sehr kurze Wartezeiten und sie hat mit einem richtig gesprochen.“ Er hatte am Montag noch keine Alternative vor Augen. Daher holte er sich neben seinen Unterlagen noch Rezepte für Medikamente und eine Überweisung. „Ich muss schauen, wie es nun weiter geht.“

Von Christamaria Ruch

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostprignitz-Ruppin

Sollte Rauchen im Auto verboten werden, wenn Kinder dabei sind?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg